Das Handy wird mit einer kostenfreien App zum Guide, ein Kompass zur leichteren Orientierung ist integriert. Foto: Michael Bosch

Zur Remstal-Gartenschau gibt es eine Smartphone-Tour entlang des Flusses. Für Kinder und Familien wurde ein weiteres Angebot entwickelt, das die junge Generation in die Natur locken will.

Remseck - In den Bäumen und Büschen zwitschern Vögel, rechts des Fußwegs schlängelt sich die Rems, die sich zwischen Waiblingen-Neustadt (Rems-Murr-Kreis) und Neckarrems tief in den Muschelkalk geschnitten hat. Pure Idylle.

Seit 1987 ist das Untere Remstal Naturschutzgebiet. Wer die Landschaft genießen will, braucht kein Smartphone. Oder doch? Wer will, kann jetzt auf einer sieben Kilometer langen interaktiven Tour, die von Remseck oder Waiblingen aus erobert werden kann, entlang des Flusses mehr über das Gebiet erfahren.

Besucher sollen auf den Wegen bleiben

Im Ballungsraum Stuttgart gebe es viele Freizeitsuchende, sagte der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer bei der Vorstellung des Angebots. Natur und Erholung unter einen Hut zu bekommen, sei oft nicht einfach. Deshalb habe man die Remstal-Gartenschau zum Anlass genommen, neben Renaturierungen an der Rems das neue Angebot zu schaffen. „Wir hoffen, dass wir dadurch die Besucher im Naturschutzgebiet besser lenken können“, sagte Reimer: Die Besucher sollen nicht auf eigene Faust die Natur erkunden, sondern auf den Wegen bleiben.

An 19 Punkten entlang der Strecke meldet sich ein Audioguide, der über die App „Unterwegs im Naturschutzgebiet“ abrufbar ist, zu Wort. Kurz nach dem Ortsausgang in Neckarrems zum Beispiel gibt es Informationen zum Lebensraum im ehemaligen Steinbruch, wo große Tafeln vor Steinschlag warnen. Dohlen und Kolkraben haben sich hier häuslich niedergelassen, genauso wie der Wanderfalke. Daneben fanden auch zahlreiche Amphibien- und Reptilienarten im Steinbruch ein Zuhause. Wer Glück hat, kann entlang des Wasserlaufs auch einen Eisvogel, die Blauflügel-Prachtlibelle, Feuersalamander, oder Europas größte Eulenart, den Uhu, entdecken.

Eisvogel, Feuersalamander, Uhu und Co. können entdeckt werden

Für Kinder und Familien gibt es eine zusätzliche spielerische Möglichkeit, sich durch das Remstal zu bewegen: Auf einem 1,5 Kilometer langen Abschnitt der neuen Strecke müssen zwölf Fragen zu Eigenarten und Gewohnheiten von Pflanzen und Tieren beantwortet werden. Am Ende winkt ein kleiner Schatz. „Die Idee haben wir dem Geocaching entlehnt“, erklärt Sabine Keller, die das Quiz mit konzipiert hat. „An manchen Stellen müssen bestimmte Punkte im Gelände gefunden werden. Sie habe selbst die Erfahrung gemacht, dass es schwer sei, Kinder für Wandertouren zu begeistern, „aber mit so einer App wird’s leichter“.

Waiblingen und Remseck setzen Zusammenarbeit fort

Quiz und Audioguide seien vor allem für Familien und Kinder „eine tolle Ergänzung zum Wanderweg“, sagt Sabine Nestler vom Tourismusmarketing der Stadt Waiblingen. Nestler hat das Projekt von Waiblinger Seite betreut.

Bei der Präsentation der App betonten die Oberbürgermeister von Waiblingen und Remseck, Andreas Hesky und Dirk Schönberger, das Verbindende. Schon der gemeinsame Ausbau einer Radstrecke habe die Städte zusammengebracht, so Schönberger. Mit dem interaktiven Angebot werde die Zusammenarbeit fortgesetzt. „Wenn es gelingt, das Miteinander von Natur und Mensch noch besser begreifbar zu machen, wäre das wünschenswert“, sagt Hesky. Schönberger ergänzt: „Es ist schwer genug, die junge Generation vom Sofa zu bekommen.“

Wer ohne Smartphone entlang der Rems spazieren möchte, der findet Informationen zu Vegetation und Tierwelt auf neuen Schautafeln und Faltblättern. Ohnehin ist es ratsam, die Augen offen zu halten – allein wegen der vielen Radfahrer. Der Radweg ist ein Erfolg. Die interaktiven Touren sollen es auch werden, wenn es nach den Planern geht.

Die Remstal-Gartenschau

Besuch
Der „unendliche Garten“ ist das Motto der Remstal-Gartenschau seit dem 10. Mai. Das Remsecker Gelände kann Tag und Nacht besucht werden – noch bis zum 20. Oktober. An der Mündung der Rems in den Neckar hat die Stadt einen mehrere hundert Meter langen Schwimmsteg ins Wasser setzen lassen, es gibt einen neuen Spielplatz und Balkone, die über die Rems ragen.

Veranstaltungen
Unter freiem Himmel gibt es vieles zu erleben: Während einer „Highlightwoche“, wie sie von den Veranstaltern genannt wird, gibt es etwa am 12. Juli ein Lichterpicknick und ein Musikfeuerwerk am Neckarstrand, zwei Tage zuvor einen Open-Air-Poetry-Slam. Auch für Kulturinteressierte bietet der Festkalender etwas: So spielt das Stuttgarter Kammerorchester am 14. Juli am Strand. Donnerstags bis sonntags veranstaltet Remseck einen „Lesegarten“: Dabei werden Sessel aufgestellt und eine Bücherkiste bereitgelegt. Wer möchte, kann bis zum Einbruch der Dunkelheit am Neckarufer lesen.

Eintritt
Die Gartenschau-Areale aller 16 Teilnehmer-Kommunen können kostenfrei besucht werden. Eintritt wird neben Veranstaltungen lediglich für zwei Gartenschau-Bereiche in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) und Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis) fällig: Tageskarten kosten 8 Euro, ermäßigt 6,50 Euro. Jugendliche bis 16 Jahre zahlen nichts.

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