Volker Kugel und sein Gärtnerteam arbeiten an Strategien, mit denen sie der Trockenheit trotzen können.Foto: factum/Andreas Weise Foto:  

Wassersparen trotz großer Hitze? Der Klimawandel stellt auch die Ludwigsburger Parkgärtner vor neue Herausforderungen.

Ludwigsburg - Dank des Hitzesommers belief sich 2018 die Wasserrechnung im Ludwigsburger Blühenden Barock auf 42 000 Euro – 6000 Euro mehr als 2017. Die Rechnung wäre noch 15 000 Euro teurer geworden, würden die Parkbetreiber noch immer sämtliche Rasenflächen bewässern. „Aber das wäre eine Wahnsinnsgeldverschwendung“, meint Volker Kugel. Seit einigen Jahren heiße die Losung: Lass das die Natur selber regeln! Sprich: Die großen Wiesen sind braun und verdorrt. „Wir müssen Schwerpunkte setzen“, sagt der Blüba-Chef. Und diese liegen bei bunten Blüten und Blumen.

Strategien gegen die Hitze

Reicht das Wasser aus, oder ist die Dürre einfach zu groß? Die Versorgung mit dem wertvollen Nass gerät auch in Deutschland immer mehr zu einer Art Lotteriespiel. Manchmal entscheidet einfach die geografische Lage: „In Mecklenburg brennen die Wälder, aber wir in Ludwigsburg haben momentan keine Probleme“, sagt Kugel. Nachdem es vor zwei Wochen drei Tage lang ausgiebig geregnet hat, seien die Böden des Blüba gut versorgt. Auch deshalb dürfe an diesem Wochenende das große Musikfeuerwerk gezündet werden. Eine erhöhte Brandgefahr bestehe in Ludwigsburg derzeit nicht. „Schon in einer Entfernung von 30 Kilometern sieht die Sache allerdings wieder anders aus“, sagt Kugel. Dort sei nicht einmal halb so viel Regen gefallen.

Auf das Glück aber kann sich das Team des Blühenden Barock nicht verlassen. Den letzten Sommer mit normal vielen Niederschlägen habe es 2014 gegeben, sagt Kugel. Grundsätzlich aber wappne man sich gegen Trockenheit und Hitze so gut es geht. „Der Jahrhundertsommer 2003 hat uns wachgeküsst“, so der Geschäftsführer. Seither arbeitet man an Strategien. Dazu gehören die Suche nach Pflanzen, die lange Trockenphasen überleben einerseits und möglichst sparsame Bewässerungstechniken andererseits.

Widerstandsfähige Pflanzen gesucht

„Es gibt natürlich Gartenschauen, da lassen sie tagsüber die Sprenger laufen“, sagt Kugel. „Aber das ist alles nur Show.“ Bis zu 60 Prozent des Wassers verdunste in der Hitze. Im Blüba werden die Blumenbeete deshalb zwischen Mitternacht und 5 Uhr früh bewässert. Möglichst gezielt und computergesteuert. „Früher haben wir auch die Wege nass gemacht, jetzt achten wir genau darauf, dass das Wasser dahin kommt, wo es gebraucht wird.“

Dank dieser systematischen Bewässerung gelingt es den Parkgärtnern, jährlich bis zu drei Millionen Liter Wasser einzusparen. Um sich jedoch gegen vermutlich weiter ansteigende Hitzegrade im Sommer zu wappnen, sind weitere Maßnahmen nötig. Eine davon sind resistentere Pflanzen: Statt Blumenmonokulturen gedeihen an ausgewählten Stellen jetzt Sonnenhut, Blauraute oder Taglilie, die gut mit der Trockenheit zurechtkommen. Im Bereich des Weinbergs in der Nähe des Parkrestaurants werden weitere Wiesenblumen gezüchtet und Palmen oder Kakibäume angepflanzt. „Das hätten wir vor 20 Jahren noch nicht machen können, jetzt gedeihen die bestens bei uns.“

Sauerstoff für die Fische

Sorgen bereiten auch die Teiche. Wegen der Hitze droht der Sauerstoff im Wasser knapp zu werden. Lange waren die Blüba-Gärtner ratlos, aber jetzt haben sie im sogenannten Schüsselesee eine Belüftungsanlage eingebaut, über die gleichmäßig Sauerstoff ins Wasser gepumpt wird. „Schon nach zwei Wochen ist die Qualität messbar besser“, sagt Kugel.

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