„Städte können nur überleben, wenn sie eine grüne Lunge haben“, sagt der Geschäftsführer Stephan Arnold. Auch private Gärten können dazu einen Beitrag leisten. Foto: Eileen Breuer

Seit 60 Jahren gestaltet und begrünt die Firma Otto Arnold Außenanlagen. Im Laufe der Zeit haben sich die Wünsche der Kunden verändert. Der Geschäftsführer Stephan Arnold spricht im Interview darüber, was Gartenbesitzer heute wollen.

Oberaichen - Seit 60 Jahren planen und bauen die Mitarbeiter des Garten- und Landschaftsbaubetriebs Otto Arnold aus Oberaichen Grünanlagen. Seitdem haben sich einige Veränderungen vollzogen – nicht nur in der Geschäftsführung der Firma. Stephan Arnold hat den Betrieb 1999 von seinem Vater übernommen. Im Interview spricht er darüber, inwiefern sich die Anforderungen der Kunden an einen Garten gewandelt haben.

1960 gründete Ihr Vater Otto Arnold eine Landschaftsgärtnerei im Westen der Stadt. Warum wünschten sich die Menschen damals schöne Gärten?

Stuttgart war zerbombt, das sah nicht schön aus. Damals haben die Leute aus dem Schutt heraus ihre Häuser aufgebaut. Das Verlangen nach Grün war deshalb ein großes Thema. Stuttgart zeichnet sich darüber hinaus durch die Halbhöhenlagen aus. Da war der Stuttgarter Westen nicht weit weg von. Dort gab es schöne Grundstücke, wo man sich verwirklichen konnte.

Welche Unterschiede stellen Sie fest, wenn Sie die im Jahr 2020 und im Jahr 1960 durch Ihren Betrieb gestalteten Außenanlagen vergleichen?

So arg unterscheiden die sich gar nicht. Eine Terrasse, um außen zu essen, gibt es immer. Inzwischen kommt es zudem immer öfters vor, dass man sogar draußen kocht. Dadurch, dass sich die Klimaveränderung auch bei uns bemerkbar macht, spielt sich das Leben immer mehr draußen ab. Der Garten wird deshalb zum zweiten Wohnzimmer. Eine gewisse Abschottung von den Nachbarn ist mit Sicherheit bei uns in Schwaben ausgeprägt. Heutzutage legt man außerdem vergleichsweise einen hohen Wert auf den Garten.

Woran liegt es, dass man dem Garten heutzutage einen so hohen Stellenwert beimisst?

Wenn wir aktuell dieses Jahr betrachten, dann ist das ganz klar: Man kann nicht reisen. Viele sitzen zu Hause in ihren vier Wänden im Homeoffice, gucken in den Garten raus und denken: Da könnte man mal etwas machen. Wenn man nicht mehr reisen darf, was ist dann nahe liegender, als den eigenen Garten zum kleinen Paradies zu machen? Und hinzu kommt ganz allgemein, dass man viel mehr Freizeit im Garten verbringt. Deshalb steigt auch die Sehnsucht nach einem eigenen Swimmingpool.

Sie übernahmen den Betrieb 1999 von Ihrem Vater. Was trieb Sie dabei an, in die Fußstapfen Ihres Vaters zu treten?

Mir wurde das mit in die Wiege gelegt. Der Draht zu meinem Vater ist so eng, dass es für mich keine Diskussion gab. Ich bin eingestiegen, und mein Vater hat die Zügel immer mehr losgelassen, bis er dann mit 65 gesagt hat, er würde gerne aufhören. Ich habe meinen Vater geliebt als Vater, ich habe ihn respektiert als Geschäftspartner, und eigentlich war er auch mein bester Freund.

Ihr Geschäftsfeld hat sich seitdem teilweise gewandelt. Während in den 80er und 90er Jahren die Begrünung von Dächern mehr als die Hälfte des Umsatzes Ihres Betriebs ausmachte, ist das heute nicht mehr so. Warum?

Damals war die Dachbegrünung ein großes Standbein. Ich habe das dann irgendwann heruntergefahren. Nicht, weil die Dachbegrünung einen großen Einbruch erlitten hat. Mir war es zu langweilig, nur irgendwelche Industriedächer zu begrünen. Aufwendige Dachgärten bis zum Dachgarten mit Teich oder Swimmingpool bauen wir heute noch. Da ist auch Gestaltung gefragt. Und das ist unser Steckenpferd: nicht nur auszuführen, sondern auch zu planen.

Mit den von Ihnen gestalteten Gärten stauben Sie so manchen Preis ab. Wie schaffen Sie es, auch nach 60 Jahren Firmengeschichte immer noch den Zahn der Zeit zu treffen?

Das Wichtigste war für meinen Vater immer, dass wir ein Dienstleister sind. Wir müssen die Kunden, die zu uns kommen, möglichst optimal bedienen. Wir müssen ihre Gedanken lesen und wissen, wie sie ihren Garten erleben wollen. Für mich ist es hierfür wichtig, dass ich mit den Kunden eine gemeinsame persönliche Ebene finde. Wenn das funktioniert, kann man schöne Gärten bauen.

Welche Herausforderungen stellt die Gegenwart an Sie?

Ich sehe eine Veränderung dahingehend, dass die Nachhaltigkeit und die Natur wieder eine größere Rolle spielen. Die Kunden wollen inzwischen wieder ein kleines Eck, wo sie sich ein paar Kräuter oder ein bisschen Gemüse anbauen können. Im Moment ist es sehr wichtig, dass die Städte grüner werden. Die Städte können nur überleben, wenn sie eine grüne Lunge haben, sonst ersticken wir darin. In Stuttgart versucht man, das umzusetzen: Hier muss jedes Flachdach begrünt werden. Die Fassaden werden da nachziehen.

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