2016 stach nach dem Faschingsumzug ein 22-Jähriger mit dem Messer zu. Foto: factum/Granville

Beim Gärtringer Faschingsumzug war es im Jahr 2016 zu einer Messerstecherei gekommen. Dieses Mal setzt der örtliche Polizeichef auf ein Sicherheitskonzept, das dem für Fußballstadien gleicht.

Gärtringen - Mit dem Faschingsumzug hatte die Messerstecherei allenfalls zufällig zu tun. Ein 22-Jähriger stach im vergangenen Jahr zu, als die Narren bereits wieder abzogen. Der Mann war schon als Gewalttäter aktenkundig und kam gleichsam direkt aus dem Gefängnis nach Gärtringen. Mit Alkohol hatte die Bluttat sehr wohl zu tun. Einen halben Liter Rum und anderthalb Liter Whisky mit Cola habe er vor der Schlägerei getrunken gehabt. So sagte es der Täter vor Gericht. Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.

Eben um die enthemmende Wirkung des Alkohols geht es Dieter Kellner, dem Chef des Gärtringer Polizeipostens, der in einem beschaulichen Haus an der Goethe­straße untergebracht ist. „Wir wollen nicht, dass Leute nach Gärtringen kommen, sich volllaufen lassen, in Gärten pinkeln und in den Umzug rennen“, sagt Kellner. Deshalb hat er gemeinsam mit der Verwaltung der 12 000-Einwohner-Gemeinde ein Sicherheitskonzept ausgetüftelt, das an Fußballspiele der Bundesliga erinnert.

Uniformierte empfangen Besucher bereits am Bahnhof

Uniformierte empfangen Besucher des Umzugs bereits am S-Bahnhof. Auffällige Jugendliche werden kontrolliert. Hochprozentiges nimmt ihnen die Polizei ab oder bringt sie aufs Revier, wo ihre Eltern sie abholen müssen. Ein Einkaufsmarkt darf am Nachmittag keinen Schnaps verkaufen. Wer offensichtlich zu viele Promille im Blut hat, bekommt einen Platzverweis. Streifen spähen im Publikum nach Verdächtigem. Die Sicherheitskräfte der Narrenzunft sind für die abendliche Party in der Halle zu Strenge verpflichtet.

Bei all dem „geht es um den Jugendschutz“, sagt Kellner. Dass sich die Sicherheit für die Gäste verbessere, sei nur ein Nebeneffekt, wenn auch ein erwünschter. In den vergangenen Jahren, so hat der Chef des Polizeipostens es beobachtet, habe die Zahl schwer angetrunkener Minderjähriger zugenommen. Und dem steht das Gesetz zum Jugendschutz entgegen.Sogar ein Alkoholverbot wurde erwogen.

Allerdings sind die rechtlichen Hürden dafür hoch. Weshalb die Stadt Böblingen im vergangenen Jahr mit einem Schnapsverbot zur Fußball-EM scheiterte. Selbstredend lassen sich alle Ge- und Verbote zur Faschingsfete nicht mit dem Personal des örtlichen Polizeipostens durchsetzen. Ordnungsamt und Feuerwehr helfen. Ein privater Sicherheitsdienst ist engagiert. Die Staatsgewalt vertreten Beamte der Landespolizeidirektion. „Die fordere ich von der vorgesetzten Dienststelle an und bekomme sie auch“, sagt Kellner.

Ein generelles Alkoholverbot war rechtlich zu riskant

Die vorgesetzte Dienststelle geht grundsätzlich etwas entspannter in die närrische Zeit. „Das ist ein Haufen Veranstaltungen, die mitunter personalintensiv sind“, sagt Peter Widenhorn, der Sprecher des Polizeipräsidiums in Ludwigsburg. Die Zahl der Einsatzkräfte richtet sich nach der zu erwartenden Besucherzahl. Selbstredend bestehe „bei großen Veranstaltungen die unterschwellige Gefahr von Übergriffen“. Allerdings sei nicht Gewalt das vordringliche Problem, sondern Sachbeschädigung. „Natürlich sammeln wir auch immer wieder Schnapsleichen ein“, sagt Widenhorn.

Tatsächlich sind die Sicherheitsrichtlinien in den vergangenen zwei Jahren präsidiumsweit verschärft worden. Allerdings nicht wegen zunehmender Straftaten oder Trunkenheit, sondern „weil leider die Gefahr eines Terroranschlags auch bei Faschingsveranstaltungen nie ganz auszuschließen ist“, sagt Widenhorn. Die bisherigen Faschingsumzüge seien allerdings ohne besondere Vorkommnisse geblieben, „und wir hoffen, dass das so bleibt“.

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