Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif Foto: dpa

Sarif traf ein, nachdem sich unter den Staats- und Regierungschefs der G7 Differenzen über den Umgang mit dem Iran entwickelt hatten. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums gab zu verstehen, dass Sarif keine US-Regierungsvertreter während seines Aufenthalts treffen oder mit ihnen verhandeln werde.

Biarritz - Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif ist überraschend beim G7-Gipfel in der französischen Stadt Biarritz eingetroffen. Aus französischen Regierungskreisen verlautete am Sonntag, Sarif sei nach der Ankunft per Flugzeug aus Teheran direkt zu einem Treffen mit dem französischen Außenminister Jean-Yves Le Drian gegangen. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums, Abbas Mussawi, teilte mit, Sarif sei auf Einladung von Le Drian nach Biarritz geflogen. Er gab bei Twitter zu verstehen, dass Sarif keine US-Regierungsvertreter während seines Aufenthalts treffen oder mit ihnen verhandeln werde.

Die Einladung Frankreichs an Sarif war ein Wagnis des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Auf die Frage, ob die US-Regierung sich des Besuchs von Sarif bewusst sei, sagte eine Quelle aus der französischen Regierung, man gehe selbstständig vor. Macron und US-Präsident Donald Trump hätten sich aber am Samstag zwei Stunden lang getroffen und ausführlich über den Iran gesprochen.

Macron nimmt Führungsrolle ein

Trump hatte die USA 2018 aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran von 2015 zurückgezogen. Macron hat eine Führungsrolle beim Versuch eingenommen, das Atomabkommen beizubehalten. Sarif traf ein, nachdem sich unter den Staats- und Regierungschefs der G7 Differenzen über den Umgang mit dem Iran entwickelt hatten.

Macron gab zu verstehen, die G7 hätten sich bei einem Abendessen am Samstag darauf geeinigt, dass er als G7-Botschafter an den Iran agieren könne. Trump stritt ab, sich bei der Art und Weise des Verhandelns mit dem Iran auf irgendetwas geeinigt zu haben. „Ich habe so etwas nicht besprochen“, sagte er vor Reportern, als es darum ging, dass Macron dem Iran im Namen der G7-Länder eine Botschaft überbringen sollte.

US-Sanktionen gegen Sarif verhängt

Macron selbst sagte auf Trump angesprochen, dieser habe seine Ansichten zum Iran und zu anderen Themen sehr deutlich gemacht. Als Präsident der „Weltmacht Nummer eins“ müsse er die Interessen seiner Wähler verteidigen.

Gegen Sarif sind US-Sanktionen verhängt worden. Es war erwartet worden, dass er eine Asienreise zur Unterstützung des Irans angesichts des US-Vorgehens gegen die iranische Regierung antreten würde.

Die französische Quelle beschrieb das Treffen als eines zwischen Frankreich und dem Iran. Frankreich „arbeitet in voller Transparenz mit den USA und in voller Transparenz mit den europäischen Partnern zusammen“, berichtete sie. Sarif hatte am Freitag Macron getroffen.

Angeblich angespannte Stimmung beim Abendessen

Basierend auf dem Abendessen am Samstag betrachte es Frankreich als wichtig, Sarif hinzuzuziehen, um die Standpunkte anzunähern und Spannungen zu reduzieren, teilte die Quelle weiter mit. Die Franzosen seien keine „Vermittler“, seien aber der Ansicht, sie könnten zu einer Deeskalation beitragen.

Schilderungen zufolge war das Abendessen angespannt. Es sei eine klare Trennung zwischen Trump und dem Rest der G7 vorhanden gewesen. Trump beschrieb das Abendessen als „sehr, sehr gut“. Er machte die Medien für alles verantwortlich, was andeute, dass es anders gewesen sei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Anwesenheit von Sarif gehe nicht von der G7 aus.

Zum G7-Gipfel gehören die Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, den USA sowie eine Vertretung der EU.

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