Das Gutenbergplätzle gehört zu den auserkorenen Flanierrouten und soll deshalb bald schöner werden. Foto: Nina Ayerle

Vor knapp zwei Jahren hat die Stadt Stuttgart ein neues Fußverkehrskonzept für die fünf Innenstadtbezirke entwickelt. Im Westen werden nun die ersten Flanierrouten umgebaut.

S-West - Parkautomaten mitten im Weg, Lieferwagen, die den Bordstein versperren oder unwirtliche Abgänge zur Stadtbahn – an vielen Ecken dieser Stadt wird den Menschen zu Fuß gehen eher verleidet. Manche Wege sind oft einfach alles andere als hübsch anzuschauen. Wohlfühlatmosphäre? Fehlanzeige.

Genau diese Szenen zeigt Felix Märker vom Stadtplanungsamt, der im Bezirksbeirat West die neuen Pläne der Stadtverwaltung für Flanierrouten vorgestellt hat, auf einigen Fotos. Der Westen ist der erste Stadtbezirk der Landeshauptstadt, in welchem das Tiefbauamt nun beginnt, eine Flanierroute an verschiedenen Stellen schöner zu machen. Insgesamt sind es sieben Maßnahmen entlang der Vogelsangstraße die man in den kommenden Monaten umbauen möchte.

Die sogenannte Flanierroute sieben reicht vom Rotebühlplatz bis zum Vogelsang. Insgesamt sind sieben kleinere Projekte geplant und eine größere Maßnahme vom Feuerseeplatz bis zur Hermannstraße in Richtung Karlshöhe.

„Der Fußverkehr war mir immer ein besonderes Anliegen“, sagt der noch amtierende Bezirksvorsteher Reinhard Möhrle. Umso mehr freue er sich, dass dieses in seiner letzten Sitzung noch auf den Weg kam.

Für die Flanierroute sieben durften Kinder aus der Schwabschule und der Tageseinrichtung „Wilde 19“ einen Tag lang als „Stadtteilforscher“ im Westen unterwegs sein und im Anschluss ihre Bedürfnisse und ihre Gestaltungsideen einbringen. Sie wünschten sich mehr Natur, mehr Radwege, Laternen, weniger Müll, kleine Spielplätze und Plätze für Pausen. Und natürlich wünschen sich die Kinder, die Autos müssten langsamer fahren.

Kinder waren als Stadtteilforscher unterwegs und haben die Fußwege auf ihre Art getestet

Zu den sieben Maßnahmen gehören auch zum Beispiel die Übergänge am Feuerseeplatz. An der Senefelder-/ Gutenbergstraße sollen neue Gehwegnase gebaut werden. Das Gutenbergplätze will die Stadt viel ansprechender umgestalten, die Parkplätze anders aufgeteilt, mehr Bäume, mehr Fahrradparkplätze und insgesamt sehen die Pläne vor, kleine Kreuzung einfach optisch ansprechender zu gestalten. Dazu komme noch kleinere Maßnahmen an der Vogelsang-/ Arndtstraße sowie an der Vogelsang-/ Rückertstraße. Bei letzterer sollen dann auch acht Parkplätze wegfallen. An der Herder-/ Zamenhofstraße soll es eine bessere Beleuchtung geben, ein „Rastplätzle“ und eine Mauer mit Sitzbank. Auch soll der Weg ausgebaut werden.

Die größte Maßnahme ist die Umgestaltung der Hermannstraße zwischen der Rotebühl- und der Reinsburgstraße, weil diese letztlich auch eben die beiden auserkorenen „Urbanen Ruhezonen“, nämlich den Feuersee und die Karlshöhe, miteinander verbinden soll.

Bessere Luft – bessere Wirtschaft

Vor zwei Jahren hat die Stadt Stuttgart ein Fußverkehrskonzept entwickelt. Ziel ist, die Menschen dazu zu animieren, das Auto in der Stadt öfters stehen zu lassen und zu Fuß zu gehen. Aber mit den schöneren Fußwegen will die Stadtverwaltung auch die Lebensqualität in der Innenstadt verbessern, die Verbindungen optimieren und einen spürbaren Beitrag zur Luftreinhaltung leisten.

Das Konzept beinhaltet 16 Flanierrouten in den Innenstadtbezirken, welche die städtische Abteilung für Mobilität mit der Planersocietät Dortmund ausgewählt hat. Nach und nach will man diese nun umbauen. Bisherige Mängel auf den Fußwegen sind mangelnde Barrierefreiheit, fehlende Beleuchtung, Ampelschaltungen und ungesicherte Querungen. Für das gesamte Konzept rechnet die Stadt Stuttgart mit etwa 800 000 Euro jährlich in den nächsten zehn Jahren.

Die Fußgänger sollen es beim Flanieren „schön haben“, sagte Wolfgang Forderer, Leiter der Abteilung Mobilität, damals. Das zu Fuß gehen soll auch einen begleitenden Nebeneffekt haben. „Wir haben die Einzelhändler ins Boot geholt“, sagt Felix Märker. Denn, die Flanierrouten sollen die lokale Wirtschaft ankurbeln – durch die schöneren Wege hofft man die Laufkundschaft erhöhen zu können.

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