Public Viewing beim Spiel des VfB Stuttgart gegen Hertha BSC Berlin im Palm Beach in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Jan Reich

Der VfB Stuttgart ist zurück in der Fußball-Bundesliga. Und die Fans vertreiben sich die Zeit in den Stuttgarter Kneipen.

Stuttgart - Das Gros der Besucher ist gelassen. Während die einen ihren Blick fast ununterbrochen auf einen der zahlreichen Fernseher in der Sportsbar Palm Beach an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt oder auf einen der Großbildschirme im Freien gerichtet haben, nutzen andere das wenig spannungsgeladene Spiel, um sich mit ihren Tischnachbarn über dies und das auszutauschen. Das Lokal ist beim Anpfiff der Partie gut gefüllt, es gibt aber auch noch einige freie Plätze – innen wie außen. Aber: Das Public Viewing ist zweifellos ein Gästemagnet.

Die erste Halbzeit ist eher müde, oder wie es Moderator Michale Born von Sky wenige Minuten vor der Halbzeit formuliert: Mit kritischer Elle gemessen gab’s hier noch keine echte Torchance.“ Die erste für Hertha gibt es kurz darauf – doch ohne erfolgreichen Abschluss. Dann geht es in die Pause.

Nur 30 Sekunden ist in der zweiten Halbzeit gespielt, da gehen die Berliner bei ihrer ersten Aktion völlig unerwartet durch das Tor des australischen Nationalspielers Mathew Leckie in Führung. Das passiert so schnell, dass die VfB-Fans im Palm Beach kaum mehr als tief durchatmen können. „Eine kalte Dusche für die Stuttgarter“, kommentiert Sky-Moderator Michael Born. Der Stuttgarter Versuch, den Treffer der Heimmannschaft zu egalisieren gelingt, auf die Schnelle nicht. Dennoch ist plötzlich deutlich mehr Leben auf dem Rasen im Berliner Olympia-Stadion – und auch im Palm Beach. Vor allem Simon Teroddes Versuche, die Stuttgarter in der Bundeshauptstadt wieder ins Spiel zu bringen, werden von den Palm-Beach-Besuchern mit einem entsprechenden Geräuschpegel begleitet. An der Bar werden derweil die ersten Longdrinks gemixt.

Die Lautstärke im Palm Beach steigt nur selten an

Als der Australier Mathew Leckie, der zuletzt bei Ingolstadt gespielt hatte, in der 62. Minute auch das zweite Tor für die Herthaner schießt, reagieren die VfB-Fans in der Lokalität unweit der Mercedes-Benz-Arena augenscheinlich gelassen, doch die Körperspannung vieler Gäste verrät und so manche Handbewegung verrät: Die Entspannung beim Bundesliga-Auftaktspiel ist weg, stattdessen macht sich eine latente Enttäuschung breit.

Während nach wie vor vereinzelt neue Gäste ins Lokal kommen, leeren die noch schnell ihr Glas, zahlen und verlassen das Lokal. Die Minen machen deutlich: die Erwartungen wurden nicht erfüllt. In der 74 Minuten hat Takuma Asano die erste VfB-Großchance. Doch der Anschlusstreffer gelingt nicht. Neun Minuten vor Ende der offiziellen Spielzeit scheint der Anschlusstreffer dann aber möglich. Während Donis auf das Tor der Berliner zusteuert, steigt der Geräuschpegel im Palm Beach – doch die akustische Anfeuerung vom Neackar hilft dem VfB beim Spiel an der Spree nicht. Es bleibt beim 2:0 für den Hertha BSC. Auch der von Donis ausgeführte Freistoß nach einem Foul an Josip Brekalo kurz vor dem gegnerischen Strafraum ändert am Ergebnis zunächst nichts. Als der Schlusspfiff nach dem Ende der dreiminütigen Nachspielzeit erschallt – herrscht bei vielen Aufbruchstimmung. Wer bereits gezahlt hat, macht sich wie die glücklosen Stuttgarter Spieler vom sprichwörtlichen Acker, andere winken wenig die Servicekräfte an den Tisch und verlassen nach dem Zahlen das Lokal. Die Spielanalysen folgen auf dem Fuß und die meisten der Palm-Beach-Gäste sind mit dem Sky-Kommentator einer Meinung: Beim ersten Heimspiel der neuen Saison am kommenden Wochenende muss der VfB liefern, wenn er nicht gleich zum Beginn ins Hintertreffen kommen möchte. Dann ist der 1. FSV Mainz 05 der Gegner der Stuttgarter.

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