Gruppenfoto mit Trainer Wolfgang Pohler, ganz rechts hat sich Thomas Schneider positioniert. Foto: privat

Thomas Schneider, der neue Chef-Coach des Bundesligisten aus Stuttgart, hat beim TSV in der Jugend gespielt und ist seit 2002 Ehrenmitglied des Vereins. Bereits mit zehn Jahren wechselte das Talent zum Club in die Landeshauptstadt.

Leonberg - In Höfingen gibt es gerade ein großes Gesprächsthema: Thomas Schneider. Der neue Cheftrainer des VfB Stuttgart hat das Fußballspielen beim TSV, unten im Glemstal, gelernt.

Auf der Suche nach den sportlichen Spuren des ehemaligen Innenverteidigers kann Christian Elbert, als dritter Vorsitzender des TSV Höfingen zuständig für die Liegenschaften, weiterhelfen. Elbert war viele Jahre der Chef des Turn- und Sportvereins. „Erst heute haben wir beim Mittagstisch über Thomas geredet“, sagt der Geschäftsführer einer Höfinger Firma, VfB-Fan und Dauerkartenbesitzer. „Wir können mit Recht auf ihn stolz sein, ich bin mir sicher, er ist der Richtige für den VfB und er wird mit seiner sachlichen und ruhigen Art überzeugen.“ Der VfB brauche wieder einen Mann, der den Draht zur Mannschaft findet. Das hätte Bruno Labbadia zuletzt nicht mehr geschafft – darüber war sich die Höfinger Gesprächsrunde einig. „Thomas hingegen kann kumpelhaft sein, wahrt aber immer eine gewisse Distanz, und das ist wichtig“, sagt Elbert.

An die Anfänge von Schneiders Fußballkarriere kann er sich am Rande erinnern. „Ich war damals Betreuer der Jugendmannschaft meines Sohnes, der sieben Jahre jünger ist als Thomas Schneider. Und da hat man auch die älteren Spieler auf dem Platz gesehen.“ Bereits als Zehnjähriger wurde der talentierte Kicker vom VfB gesichtet und nach Stuttgart abberufen. „Der Verein hat damals eine finanzielle Entschädigung erhalten, wie hoch dieser Betrag war, weiß ich aber nicht mehr“, sagt Elbert.

Bis zur elften Klassen besuchte Schneider noch das Johannes-Kepler Gymnasium in Leonberg, machte später sein Abitur in Stuttgart. 20 Jahre lang – von 1983 bis 2003 – war der mittlerweile 40-jährige beim VfB. Er durchlief alle Jugendmannschaften, wurde mit den A-Junioren zwei Mal Deutscher Meister, wechselte 1991/92 zu den Amateuren, die damals in der Oberliga spielten. VfB-Trainer Christoph Daum berief ihn schnell in den Profikader. In den 90er Jahren wurde er an der Seite des „magischen Dreiecks“ um Krassimir Balakov, Fredi Bobic und Giovane Elber als rechter Verteidiger zu einem der Leistungsträger.

Die steile Fußballlaufbahn des Innenverteidigers hat Christian Elbert natürlich immer hautnah im Stadion mitverfolgt. Er selbst machte beim TSV Höfingen Karriere, wurde zum Vorsitzenden gewählt. Im Jahr 2002 feierte der Verein sein 100-Jahr-Jubiläum. Elbert lud Thomas Schneider zum großen Festakt ein. Der ehemalige Höfinger nahm sich die Zeit und schaute bei seinen früheren Sportskollegen vorbei. An diesem Abend ernannte Christian Elbert den Fußballprofi zum Ehrenmitglied. Schneider versprach, noch einmal nach Höfingen zu kommen. Das Versprechen löste er ein Jahr später ein – mit einem Show-Training der E-Jugend. „Thomas ist noch heute Mitglied beim TSV, er gehört aber zu den wenigen, die keinen Beitrag zahlen müssen“, sagt Elbert. Kontakt hat er keinen mehr zu Schneider. „Das wird sich hoffentlich ändern, ich bin schon lange Mitglied beim VfB und komme dort mit so manchen Leuten zusammen.“ Ob sich Schneider an ihn erinnern wird, weiß er nicht. „Aber ich werde ihn an seinen Ursprung erinnern und es wird mit Sicherheit wieder ein Treffen geben“, sagt er und lacht. Gerne würde er den neuen Cheftrainer wieder einmal im Höfinger Täle sehen.

Entzückt ist Sabine Fuss, wenn sie in ihrem Fotoalbum blättert und in Erinnerungen schwelgt. Ihr Sohn Thorsten hat mit Thomas Schneider das Fußballspielen gelernt. „Ich habe ihnen immer die Schuhe gebunden, das konnten sie ja noch nicht.“ Sabine Fuss betreute die Kleinen nach dem Kindergarten mittags auf dem Sportplatz im Glemstal, obwohl sie keine Ahnung vom Fußball hatte. „Der Vater von Thomas war früher selbst aktiv, er hat mir immer Tricks gezeigt“, erzählt die 68-Jährige und lacht. „Wir waren eine tolle Clique, die meisten Eltern sind immer zu den Spielen mitgefahren.“ Doch am Anfang habe ihre Mannschaft kräftig Lehrgeld bezahlt. „Wir haben oft im zweistelligen Bereich verloren.“ In der F-Jugend wurde der Fleiß endlich belohnt. Das Team wurde in der Halle Stadt- und Bezirksmeister, später dann württembergischer Vizemeister. Den kleinen Thomas hat sie noch als ehrgeizigen Spieler in Erinnerung. Doch selbst als er zum VfB nach Stuttgart wechselte, „ist er immer am Boden geblieben, und das wird auch so bleiben, weil er eine starke Persönlichkeit ist“, sagt Fuss.

Selbst als Schneider schon bei den Weiß-Roten trainierte, pflegte er zunächst die Freundschaft zu seinen Höfingern. Und hier kann Jürgen Hartmann aus Eltingen eine nette Anekdote erzählen. 1984 feierte der TSV Höfingen seine Weihnachtsfeier. Doch kurzfristig hatte der Nikolaus abgesagt. Ulrich Hoppe, damaliger Jugendleiter und heutiger erster Vorsitzender, suchte dringend nach Ersatz. Freund Jürgen Hartmann sprang ein. „Ich war zwar etwas nervös, wickelte aber routiniert mein weihnachtliches Programm ab, bis die Höfinger C-Jugend auf die Bühne kam“, erinnert sich der Eltinger. Ein Nachwuchskicker meldete sich schüchtern zu Wort und hatte ein Anliegen. „Nikolaus, drunten sitzt einer von uns. Der kickt aber jetzt beim VfB, Darf der trotzdem raufkommen?“ Der alte Mann mit dem langen weißen Bart willigte ein. „Jeder, der beim VfB spielt, darf raufkommen.“ Dann wünschte er dem kleinen Thomas für seine neue reizvolle Aufgabe alles Gute. „Damals konnte er noch nicht, ahnen, welche Karriere ihm bevor stehen würde“, so Hartmann. Und auch Manuel Fuchs, aktueller Fußball-Abteilungsleiter in Höfingen, kann sich an eine Anekdote erinner, als er, damals noch ein kleiner Junge, während der 100-Jahr-Feier ein Autogramm von Thomas Schneider bekam. Wo dieses signierte T-Shirt ist, weiß er nicht mehr. „Ich bin Dortmund-Fan, da war mir das nicht so wichtig“, sagt er. Obwohl Thomas Schneider bei der Konkurrenz arbeitet – die Türen beim TSV Höfingen stehen ihm immer offen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: