Zollern darf fusionieren – Altmaier macht es möglich. Foto: Zollern GmbH/Gerhard Deutsch

Der Metallverarbeiter Zollern aus dem Landkreis Sigmaringen darf sein Gleitlager-Geschäft mit dem des österreichischen Wettbewerbers Miba zusammenlegen – gegen den Willen des Bundeskartellamtes. Das erfuhr unsere Zeitung in Berlin.

Berlin - Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) setzt sich über die Bedenken der Wettbewerbshüter hinweg und gestattet die Fusion der beiden Gleitlager-Hersteller Zollern und Miba. Die beantragte Ministererlaubnis werde erteilt, erfuhr unsere Zeitung in Berlin. Es sei aber damit zu rechnen, dass Altmaier Auflagen für den Zusammenschluss formulieren werde, hieß es. Details werde der Minister voraussichtlich an diesem Montag bekannt geben.

Eine Sprecherin Altmaiers sah sich am Sonntag auf Anfrage außer Stande, den Vorgang zu kommentieren. Ihr lägen keine neuen Informationen zu dem Fall vor, sagte sie.

In dem Fall geht es um den mittelständischen Metallverarbeiter Zollern aus dem Landkreis Sigmaringen, der sein Gleitlager-Geschäft mit dem des österreichischen Wettbewerbs Miba fusionieren möchte. Das Bundeskartellamt hatte dies im Januar mit Blick auf den deutschen Markt untersagt. Die beiden Firmen beantragen daraufhin eine so genannte Ministererlaubnis, mit der Wirtschaftsminister das Verbot überstimmen kann.

In Deutschland geht es um rund 450 Jobs

Dafür muss der Minister nach eingehender Prüfung zu dem Schluss kommen, dass die gesamtwirtschaftlichen Vorteile einer Fusion die Wettbewerbsbeschränkungen aufwiegen oder die Allgemeinheit ein überragendes Interesse an dem Zusammenschluss hat. Die Frist für die Prüfung läuft am Montag aus, sie war Mitte Juni um zwei Monate verlängert worden. Die staatliche Monopolkommission, ein Beratergremium der Bundesregierung, sprach sich im Laufe des Verfahrens ebenfalls gegen die Fusion aus.

Zollern und Miba wollen ein Gemeinschaftsunternehmen für Gleitlager mit einem Jahresumsatz von 300 Millionen Euro schaffen, in Deutschland geht es um rund 450 Jobs. Die Firmen bringen vor, dass sie nur gemeinsam ihr Know-how sichern und auf den Weltmärkten gegen Konkurrenten aus Asien bestehen könnten. Die Gleitlager finden bei Großmotoren von Schiffen, Lokomotiven oder Strom-Aggregaten Verwendung.

Der Fall Zollern/Miba hat auch eine politische Dimension

Es ist eher ungewöhnlich, dass in Fusionsfällen dieser Größenordnung eine Ministererlaubnis beantragt wird. Normalerweise geht es in derartigen Verfahren um Konzerne. 2016 etwa genehmigte der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) den Kauf der Supermarkt-Kette Kaiser’s Tengelmann durch Edeka. Der Fall Zollern/Miba hat auch eine politische Dimension: Der amtierende Minister Altmaier sieht sich seit geraumer Zeit dem Vorwurf ausgesetzt, zu wenig für den Mittelstand zu tun und zu sehr die Interessen großer Unternehmen im Blick zu haben.

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