Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt – und Locken (rechts) sind in der neuen Saison sowieso erlaubt. Foto: Michael Steinert

Back to nature, also zurück zur Natur, das ist der neue Megatrend. Beim Fachverband der Friseure haben Modebewusste erfahren, wie man das Haar dieses Jahr trägt.

Esslingen - Back to nature, also zurück zur Natur, das ist der neue Megatrend. Davon ist der Art Director der Hair Fashion Preview, Roberto Laraia, überzeugt. Weiche Formen, mit Bewegung und Struktur im Haar seien schwer im Kommen. In der Berkheimer Osterfeldhalle schnitten, steckten, rasierten, bürsteten, kämmten, sprühten, stylten und glätteten rund hundert Friseure am Sonntag in Kategorien wie Street Fashion, Flecht- oder Hochsteckfrisur vor rund 500 Besuchern um eine der begehrten Urkunden und Pokale des Fachverbandes Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg.

Gewässer, Wiesen, Wälder und das Meer dienten als Inspirationsquellen, erklärt der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks in einer Mitteilung. Natürliche Materialien, erdige Farben und pastellige Töne beherrschten die naturalistischen Looks, deren Titel die Richtung bereits vorgeben. „Thorns“, also Dornen, heißt eine dieser neuen Trendfrisuren. Dabei umspielt ein Triangle-Bob im Curly-Style das Gesicht der Trägerin. Weil: „Curly is the new straight!“ Das meint zumindest der Fachverband dazu.

Gel für eine „extra Brise Coolness“

Bei den Männern sorgt der „Billowy Grain“, also die wellige oder wogende Maserung mit längeren und nach hinten gegelten Haaren laut Friseurzentralverband für „eine extra Brise Coolness“.

Auch an den Siegerfrisuren in Esslingen war der neue Megatrend bereits erkennbar. Haargebilde in natürlichen Farben lagen meist vorne. Wer zu tief in den Farbtopf gegriffen hatte, hatte bei der Punktvergabe oft das Nachsehen. Ebenfalls ein klarer Trend ist die Rückkehr zur Dauerwelle mit großen Wickeln. Auch wenn der Begriff verbraucht sei, wie es der zweite Art Director Boris Gassert formulierte, seien die Locken auf Köpfen wieder in Mode. „Es ist aber nicht die Dauerwelle der 80er-Jahre“, gibt der Fachmann umgehend Entwarnung.

Was für Frauen gilt, ist für Männer nicht falsch

Was für Frauen gilt, ist diesmal auch für Männer nicht falsch. Auch bei ihnen dürfen sich die Locken künftig auf den Häuptern kräuseln. Die bisher gefragten Scheitelfrisuren mit kahlen Seiten und Nacken könnten dafür wieder etwas seltener werden. „Es geht weg von den sehr kurzen Formen“, sagt Gassert. Die Haare dürften bei den Männern wieder etwas länger werden. Das sei zwar einerseits ein Nachteil für die Friseure, weil die Langhaarschnitte nicht so häufig wie die Kurzhaarschnitte nachjustiert werden müssten. Andererseits erforderten die längeren Haarschnitte mehr fachliches Können als die Kurzhaarschnitte, erklärt Gassert.

Farblich sind es bei den Männern aschige Grautöne, die ins Haar eingebracht werden dürfen. Auch blonde Strähnen könnten bald wieder öfter zu sehen sein. Wer sich über graue Haare ärgert, der kann diese kaschieren lassen, wohlgemerkt nur kaschieren. „Ein paar Graue darf man sehen“, verrät Gassert.

Nicht nur Kamm und Schere

Als Handwerkszeug dienen den Friseuren inzwischen nicht mehr allein Kamm und kalte Schere. Mit einem Khaligraphen, einer Art Rasiermesser, wird vor allem Volumen in die Haarschnitte gebracht. Das Werkzeug hilft, Flächen schräg anzuschneiden. Darüber hinaus gibt es den Care Cut, der vor allem bei längeren Haaren angewandt wird. Dabei wird die Schere vor dem Schnitt erhitzt, damit die Haarstruktur beim Schneiden versiegelt wird. „Ein Haarschnitt ist immer ein Mix aus verschiedenen Techniken“, verrät der Art Director Roberto Laraia. Allerdings seien die Techniken stets nur Ergänzungen zum Schnitt mit der Schere.

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