Pollenflug: ein großes Ärgernis für Allergiker. Foto:  

Drei Birken beschäftigen den Gemeinderat: Anwohner fühlen sich durch Pollen belästigt, doch Erzieherinnen des benachbarten Kindergartens loben die Schatten spendende Funktion der Bäume im Sommer. Jetzt dürfen sie stehen bleiben.

Friolzheim - Mein Freund, der Baum, ist tot“, sang vor mehr als vier Jahrzehnten die Chansonière Alexandra – in Friolzheim entgehen drei Birken diesem Schicksal vorerst noch: die drei stattlichen „Freunde“ des benachbarten Kindergartens erhalten eine Gnadenfrist eingeräumt; sie dürfen auf einem brach liegenden Grundstück stehen bleiben, bis es dereinst einmal verkauft und bebaut wird.

Es war ein kleines Politikum für den Gemeinderat: Bewohner des Hauses auf dem Nachbargrundstück an der Lehenstraße beschwerten sich über die von den Bäumen ausgehenden Beeinträchtigungen – von Pollenflug bis hin zu Belästigungen durch Laub. Kurzum: die Bäume sollten weg, so ihr Ansinnen. Ihr Vermieter leitete dies an die Gemeindeverwaltung weiter mit der Forderung, die Bäume zu beseitigen. Dann wären auch Birkenpollen-Allergien kein Thema mehr, über die die Bewohner des Hauses gleichfalls klagten.

Auch die Jungen und Mädchen des benachbarten Kindergartens, die sich unter den Birken aufhielten, weil das Grundstück als provisorischer Spielplatz des Horts genutzt wird, seien den Gefährdungen durch die Birkenpollen ausgesetzt, schrieb der Birkengegner weiter. Doch das auf die Kinder bezogene Argument entkräftigten die Mitarbeiterinnen des Kindergartens mittlerweile gleichfalls schriftlich: Das durch die Birkenpollen ausgelöste Umweltproblem lasse sich „leider nicht durch das Fällen unserer drei Birken lösen“. Solche Pollen befänden sich im Frühjahr auch durch andernorts wachsende Birken in der Luft.

Weiter führten die Erzieherinnen ins Feld, den Kindern einen verantwortungsbewussten und respektvollen Umgang mit Mensch und Natur vorleben zu wollen, wobei im Kindergartenalter Umwelterziehung „nicht durch Argumente, sondern durch Vorbild“ erfolge. Im Falle des Fällens der Birken würden die Kinder gewissermaßen die falsche Denkweise erleben: „Birken stören – also müssen Birken weg!“

„Wollen wir den Kindern wirklich vorleben, dass die Schatten spendende Eigenschaft der über Jahrzehnte natürlich gewachsenen Birken durch künstliche Sonnensegel ersetzbar sei?“, argumentierten die Erzieherinnen weiter. Solche hatte der Antragsteller ins Gespräch gebracht. Die Erzieherinnen sind anderer Meinung: Ohne die Birken wäre das „beliebte Grundstück“ für die Kinder wesentlich uninteressanter und im Sommer ohne ausreichenden Schatten „leider nicht mehr nutzbar“.

Bürgermeister Michael Seiß hielt mit seiner Meinung vor dem Gemeinderat nicht hinterm Berg und stellte infrage, ob die Argumente der Birkengegner tatsächlich ausreichend Grund böten, „gesunde Bäume zu entfernen“. Gleichwohl könne er nachvollziehen, dass Pollenallergien für die Betroffenen höchst unangenehm sein könnten. Auch aus der Mitte des Ratsgremiums wurde mehrfach eingeräumt, sich in einem Zwiespalt zu befinden, wobei als einziger Gemeinderat Harald Benzinger eindeutig Position für die Anliegerinteressen bezog. Mit seiner Gegenstimme beschloss das Gremium den Erhalt der Bäume, bis bei einer Bebauung des Areals sich eines Tages das Problem von alleine löse. Der Verwaltung wurde aber angetragen, einen Rückschnitt der Äste zu überprüfen.

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