Paul Pitsch ist der neue Arzt in Friolzheim Foto: Andreas Gorr

Vor eineinhalb Monaten hat Paul Pitsch seine Arztpraxis eröffnet. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt der Mediziner nun, warum sich seiner Meinung nach zu wenige Ärzte im ländlichen Raum ansiedeln und berichtet von seinen Zukunftsplänen.

Friolzheim – Paul Pitsch ist zwar schon 62 Jahre alt, doch ans Aufhören denkt der Arzt noch lange nicht. Im Gegenteil: Pitsch hat nicht nur die Praxis von Dr. Helmut Freimüller übernommen, er plant auch, künftig dort kräftig zu investieren.
Herr Pitsch, seit dem 15. Oktober sind Sie der neue Hausarzt in Friolzheim. Sind Sie gut angekommen?
Bisher gefällt mir der Ort sehr. Ich bin allerdings auch erst ein oder zwei Mal durchgefahren, außer dem Altenheim habe ich noch nicht viel besucht. Aber die Leute sind freundlich, sie freuen sich, dass wieder ein Arzt direkt für sie zuständig ist. Ich habe auch Willkommensgeschenke bekommen – einige Patienten haben mir Schokolade oder andere Kleinigkeiten mitgebracht.

Kein Wunder: die Friolzheimer befürchteten, dass sich dauerhaft gar kein Arzt mehr ansiedeln würde, nachdem Helmut Freimüller seine Praxis aufgab und dann leider einige Zeit später verstorben ist.
Ja, das merke ich. Vor allem Menschen, die nicht mehr so mobil sind, sind erleichtert, dass sie nun gleich um die Ecke wieder eine Praxis haben. Eine Praxis, die sie zu Fuß in ein paar Minuten erreichen können. Ich habe auch erfahren, dass die Kollegen in den umliegenden Kommunen, etwa in Heimsheim, gar nicht alle Patienten aufnehmen konnten und manchen Friolzheimer abweisen mussten. Auch für einen Arzt ist die Kapazitätsgrenze schließlich irgendwann erreicht.

Die Arztsuche in Friolzheim war in den vergangenen Monaten ein regelrechtes Politikum. Der Bürgermeister Michael Seiß selbst hatte sie zur Chefsache erklärt. Wie sind Sie darauf aufmerksam geworden, dass man im Ort einen Mediziner sucht?
Ich habe einen Artikel in einer Zeitung gelesen, daraufhin Kontakt aufgenommen zur Gemeinde und auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung angefragt. Die Genehmigung zu bekommen, war dann kein Problem.

Wieso haben Sie sich zu diesem Schritt entschlossen?
Ich habe ja bereits eine Praxis in Pforzheim, diese führe ich auch weiter. Allerdings ist es so, dass dort zwischen drei und sechs Uhr weniger los ist. Für mich lag es also nahe, eine zweite Praxis zu eröffnen, eine Filiale – mit diesem Gedanken habe ich ohnehin schon eine Weile gespielt. Dass es in Friolzheim schon Räume gab, hat mir die Entscheidung für den Ort erleichtert.

Wieso siedeln sich Ihrer Meinung nach immer weniger Ärzte im ländlichen Raum an?
Das ist nicht nur in kleinen Gemeinden ein Problem. Auch in Pforzheim kenne ich beispielsweise drei Hausärzte, die keinen Nachfolger gefunden haben. Viele junge Mediziner werden heutzutage lieber Facharzt. Sie haben dann geregeltere Arbeitszeiten. Zudem rangieren Hausärzte beim Einkommen und beim Stellenwert weiter unten, im Gegensatz zu Radiologen oder Laborärzten etwa. Auch sind mittlerweile 60 Prozent der Medizinstudenten weiblich – da braucht es flexible Modelle, etwa die Möglichkeit, in Teilzeit mit anderen gemeinsam eine Praxis zu betreiben. Die persönliche Lebenssituation spielt heute stärker eine Rolle. Wo will beispielsweise der Partner hin? Zum Glück lässt die Gesetzeslage flexible Modelle mittlerweile eher zu, wie man an meinem Beispiel mir sieht.

Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?
Ich arbeite zurzeit in der alten Praxis von Herrn Freimüller in der Heimsheimer Straße. Wir haben die Räume weitgehend renoviert, außerdem ein Ultraschall-Gerät und ein EKG angeschafft. Wir haben also ein bisschen Geld in die Hand genommen.

Ein bisschen. . .?
Ein bisschen mehr. 50 000 Euro etwa.

Die Gemeinde Friolzheim will irgendwann eine Immobilie auf dem Gerstner-Areal bauen lassen, dort könnte dann auch eine moderne Arztpraxis entstehen. Wie stehen Sie dazu?
Ich habe darüber mit dem Bürgermeister Herrn Seiß schon gesprochen, dort einzuziehen könnte ich mir sehr gut vorstellen. Natürlich muss es dafür generell in Friolzheim gut für mich laufen, aber es sieht bisher ganz gut aus. Ein weiterer Plan für die Zukunft ist übrigens, mich mit einem Teilzeit- oder Assistenzarzt zusammenzutun. Im Moment haben wir ja in Friolzheim nur nachmittags geöffnet, lediglich mittwochs mache ich die Praxis vormittags auf. Mit einem weiteren Kollegen könnten wir die Öffnungszeiten ausweiten, weitere Sprechstunden vormittags anbieten.

Sie sind mit 62 Jahren nicht mehr der Allerjüngste, wollen aber dennoch noch weiter investieren?
Ich habe bereits jetzt investiert. Das hätte ich nicht getan, wenn ich in zwei Jahren meine Praxis wieder dicht machen wollte. So weit die Gesundheit mitspielt und der liebe Gott auf mich aufpasst, will ich gerne arbeiten, bis ich 70 bin.
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