DSL – eine schwierige Angelegenheit. Foto: dpa

Der Gemeinderat stimmt mit geballter Faust in der Tasche zu, 500 000 Euro für Breitbandversorgung zu investieren. Das ist mehr als doppelt so viel wie geplant.

Friolzheim - Schwer taten sich die Friolzheimer Gemeinderäte, als sie am Montag einer mehr als 600 000 Euro umfassenden Investition zur Breitbandversorgung im Ort zustimmen sollten. Knapp eine halbe Million genehmigte das Gremium dann aber doch – wenngleich mit einer denkbar knappen Mehrheit.

Quer durch alle Fraktionen missfiel den Bürgervertretern, dass der Aufbau der Infrastruktur für schnelles Internet nunmehr gut das Doppelte dessen kosten sollte, was dem Gremium noch im April mitgeteilt worden war. Der Berater Markus Siegle der Firma TKT Teleconsult musste sich gehörig in die Defensive gedrängt vorgekommen sein.

Der Gemeinderat Rainer Benzinger von der Bürgerliste hielt ihm vor: „Ich bin maßlos enttäuscht, wie sich die Angelegenheit nunmehr entwickelt hat.“ Er fühle sich „geködert“, weil das Beratungsunternehmen im April noch von 300 000 Euro gesprochen habe. Der Gemeinderat habe auf dieser Grundlage die Weichen für das weitere Vorgehen gestellt. Auch der Ratskollege Harald Benzinger (Bürgerliste) meinte, sich jetzt im Nachhinein „geblendet“ vorzukommen, nachdem der Berater im Juli von einer „zukunftsfähigen Lösung“ zu der damals genannten, niedrigen Investitionssumme gesprochen hatte.

„Die Verteuerung ist eingetreten weil die Verlegung der Leerrohre jetzt bekanntlich durch konventionellen Erdaushub in den Gehwegen erfolgen muss“, erklärte Markus Siegle. Denn das Regierungspräsidium habe ein so genanntes „Schlitzfräsverfahren“ vor der Sanierung der Ortsdurchfahrt abgelehnt. Ein weiterer Teil der Kostenerhöhung resultiere aus seinem Vorschlag, in den Gehwegen Leerrohre zu den Grundstücksgrenzen zu verlegen.

Und zwar im Vorgriff auf eine später mögliche Optimierung der Breitband-Versorgung durch Glasfaser bis ins Haus, um dann nicht nochmals buddeln zu müssen. Bei der jetzt im ersten Schritt noch vorgesehenen Technologie erfolge die Datenübertragung über Lichtwellenleiter bis zu den jeweiligen Kabelverzweigern, und von dort über die alte, vorhandene Kupferleitung der Telekom ins Haus.

Ein dritter Kostenfaktor für die Verteuerung betreffe eine zentrale Verteilereinheit, die erforderlich werde, wenn im gesamten Ort Glasfaserkabel bis in die Häuser geführt würden. Im Rat war Konsens, dass man die dafür vorgesehenen 100 000 Euro erst einmal sparen könne. Denn ein neues Glasfaserkabel stehe in den nächsten Jahren erst mal nicht an.

Da es indes immer noch um knapp eine halbe Million Euro ging, beantragte Rainer Benzinger, die Grundsatzentscheidung zu vertragen: „Wir haben noch gar nicht über die Finanzierung gesprochen.“ Nicht sehr amüsiert war der Bürgermeister Michael Seiß darüber, was der Kämmerer Norbert Schabel in die Diskussion einwarf: „Ich habe große Bedenken, wie wir die Breitband-Investitionen finanzieren wollen, während wir gleichzeitig den Eltern höhere Kindergartenbeiträge abverlangen.“ Der Rathauschef verwies wegen der Finanzierung auf vorhandene Rücklagen: „So wie wir’s heute Morgen doch besprochen haben.“ Der Bürgerlisten-Rat und Vize-Bürgermeister Benzinger meinte: „Es bleibt trotzdem ein Unding, wie wir mit dem Geld unserer Bürger umgehen.“ Sein Vertagungsantrag wurde mit Stimmengleichheit (6:6) abgelehnt. Sieben Ratsmitglieder sorgten dann für die knappe Mehrheit, fast eine halbe Million Euro bereitzustellen.

Unbeantwortet blieb in dem Zusammenhang die Frage von Gemeinderat Ferry Kohlmann (CDU), ob von einem noch zu suchenden Netzbetreiber eine Pacht für die Nutzung dieser Infrastruktur zu erwarten wäre. Der TKT-Berater sprach von einem vorläufig noch unverbindlichen Interesse möglicher Netzbetreiber und einer „vielleicht vier- bis fünfstelligen Euro-Summe“ als jährliche Mieteinnahme.

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