Durch „Friends“ wurden sie zu Millionären – und dank „Netflix“ kann man sich noch heute in die WG von Monica und Rachel beamen lassen. Foto: AP/NBC

So viele hochgelobte neue Serien bei Netflix oder Amazon Prime – und doch gucken wir oft das, was schon vor Jahren im Fernsehen lief. Über das Phänomen „Comfort Bingeing“ und warum wir manches immer wieder sehen wollen.

Stuttgart - Neulich auf der Couch: „The Marvelous Mrs. Maisel“. Oder doch lieber „The Umbrella Academy“? Über „Stranger Things“ hat man doch so viel Gutes gehört. Unentschlossen schwebt der Finger über der Fernbedienung. Und landet schließlich doch auf „Friends“ und bei Rachel und Ross, die darüber diskutieren, ob sie nun „on a break“ waren oder nicht. Würde man sich anstrengen, könnte es einem vielleicht sogar gelingen, die Dialoge mitzusprechen.

Die Amerikaner haben ein Wort dafür, wenn man alte Serien immer und immer und immer wieder guckt: „Comfort Bingeing“ (in etwa „Trost-Glotzen“). Dank Streaming-Diensten wie Amazon Prime oder Netflix muss man sich die zehnbändige DVD-Reihe nicht einmal mehr ins Regal stellen.

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Dass viele Menschen lieber immer wieder Altes schauen statt sich einer neuen Serie zu verschreiben, ist vermutlich der Unübersichtlichkeit des Angebots geschuldet. Praktisch im Wochenrhythmus bringen die Streaming-Dienste neue Inhalte auf den Markt – einiges Gutes ist dabei, aber auch viel mit der heißen Nadel zusammengestrickter Quatsch.

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An den alten Serien weiß man, was man hat – und beim Schauen kommt das wohlig-warme Gefühl des Bekannten auf. Negative Überraschungen sind nicht zu erwarten, wenn man auf die Klassiker setzt.

Wir haben zehn Serien-Tipps, mit denen wir uns wunderbar nostalgisch dem Comfort Bingeing hingeben können:

Friends (auf Amazon Prime)

Zu ihrer Blütezeit bekamen die Hauptdarsteller eine Million US-Dollar Gehalt pro Folge: So wahnsinnig erfolgreich war „Friends“ (1994 bis 2004). Jennifer Aniston und Courteney Cox wurden durch die Serie zu Stars. Die Zutaten der Kultsitcom sind denkbar einfach: Sechs Freunde, die sich mit spritzigen Dialogen und viel kuriosem Witz durch das New York der 1990er schlagen. „Friends“-Bonmots wie Joeys „How you doin’?“ gingen in den allgemeinen Sprachgebrauch über. 15 Jahre nach dem Ende der Serie mussten Ross, Rachel, Monica, Chandler, Phoebe und Joey allerdings noch einmal umziehen. Nachdem „Friends“ bis vor kurzem bei Netflix zu hause war, ist die Serie jetzt bei Amazon Prime verfügbar. (Theresa Schäfer)

Gilmore Girls (auf Netflix)

Nicht umsonst waren die Drehbücher von „Gilmore Girls“ (2000 bis 2007) ein vielfaches so dick wie die vieler anderer Serien. Das Mutter-Tochter-Gespann Lorelai und Rory (gespielt von Lauren Graham und Alexis Bledel) feuerten spritzige Dialoge im Tempo von Maschinengewehrsalven ab. Die Serie lebt von ihren liebenswert verschrobenen Charakteren: Kelly Bishop als Lorelais ewig konsternierte Mutter Emily, der inzwischen verstorbene Edward Herrmann als Familienpatriarch Richard oder die legendär witzige Melissa McCarthy als kreative Küchenchaotin Sookie. Völlig verdient gab es 2016 eine Fortsetzung, die Lust auf mehr machte – schließlich endete sie mit einem unglaublichen „Cliff Hanger“, den die Autorin Amy Sherman-Palladino angeblich schon Jahre im Kopf hatte (Theresa Schäfer)

Star Trek: Deep Space Nine und Star Trek: Raumschiff Voyager (auf Netflix)

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein – und doch gehören beide schon längst zu den Klassikern des Star-Trek-Franchise. Die Rede ist von „Star Trek: Deep Space Nine“ und „Star Trek: Voyager“.

Für eingefleischte Trekkies war „Deep Space Nine“ (1993 bis 1999) zunächst gewöhnungsbedürftig, spielt die Serie eben nicht – wie gewohnt – in einem Raumschiff, sondern in der gleichnamigen Raumstation. Doch die Story sowie die Charaktere (wie zum Beispiel Benjamin Sisko, der erste dunkelhäutigen Star-Trek-Captain, der bizarre Formwandler Odo oder Quark, der gierige Ferengi) überzeugten die meisten Star-Trek-Fans schnell – und so wurden es am Ende ganze 176 Folgen in sieben Staffeln.

In 172 Folgen, die ebenfalls in sieben Staffeln ausgestrahlt wurden, flog die „Voyager“ (1995 bis 2001) mindestens genauso schnell in die Herzen der Trekkies. Hier griffen die Produzenten wieder zum altbewährten Raumschiff-Konzept, allerdings dringt die „Voyager“ viel weiter als die Enterprise in die berühmt-berüchtigten unendlichen Weiten vor, weil ein mächtiges Alien das Schiff mal kurz 70.000 Lichtjahre ans andere Ende der Galaxie schleudert – damit beginnt die sieben Jahre lange Heimreise, übrigens unter dem ersten weiblichen Star Trek-Captain Kathryn Janeway. Auf ihrem Weg nach Hause muss die Crew allerlei Weltraum-Abenteuer bestehen und begegnet altbekannten bösen (die Borg) und unbekannten noch böseren (Spezies 8472) Aliens. Und es kommt noch besser: Ohne diese unheilvollen Begegnungen wären wir nie in den Genuss einer Seven of Nine gekommen. (Matthias Kapaun)

Full House (auf Netflix)

Alleinerziehender Vater dreier Töchter holt sich seinen Schwager und seinen besten Kumpel ins Haus. Klingt nach Chaos und ist es auch. „Full House“ (1987 bis 1995) ist auch heute noch eine erstklassige Sitcom, die einem nicht nur Lachfalten, sondern auch den ein oder anderen sehr rührenden Moment beschert. Die coolste Socke im ganzen Haus ist und bleibt die kleine Michelle, gespielt von den damals noch unglaublich süßen Olsen-Zwillingsschwestern Mary-Kate und Ashley. Binge-Watching lohnt sich allein für jeden frechen Spruch der Kleinen. Und wer dann noch nicht genug hat: Seit 2016 läuft auf Netflix die Fortsetzung – „Fuller House“. (Maximilian Barz)

Twin Peaks (Sky)

Als Anfang der 1990er Jahre „Twin Peaks“ über die Bildschirme flimmerte, waren die Straßen regelmäßig wie leer gefegt, und das aus gutem Grund: David Lynch hat mit seiner Mystery-Crime-Serie TV-Geschichte (1990 bis 1991) geschrieben und gleich mehrere neue Standards geschaffen – erzählerisch, schauspielerisch und auch musikalisch. Der Plot um die brutale Ermordung der schönen Laura Palmer, der im Laufe der späteren Folgen leider sehr ins Übersinnliche und Psychedelische abdriftet, legt die gesellschaftlichen Abgründe des Kleinstadtlebens von Twin Peaks offen und fernsehhistorisch die Grundlagen für spätere Serien wie „Desperate Housewives“. Die Serie ist auch knapp zwanzig Jahre später auf eine angenehme Weise frisch und hat 2017 zurecht eine Fortsetzung erfahren. Und sie versammelte mit Mädchen Amick, Sherilyn Fenn und Lara Flynn Boyle drei der schönsten Frauen des US-Fernsehens in einem Format. (Lukas Jenkner)

Breaking Bad (auf Netflix)

Vom krebskranken Chemielehrer zum Drogenbaron: Walter Whites Werdegang in „Breaking Bad“ (2008 bis 2013) ist an Spannung kaum zu überbieten und die Serie zählt nicht umsonst zu den besten aller Zeiten – eine unglaubliche Besetzung in Haupt- und Nebenrollen, starke Seriencharaktere und Drehbücher sowie die mehrfach preisgekrönte Kameraarbeit sprechen für sich. Wer Jesse Pinkman und Walter White nie gesehen hat, wie sie in einem alten Wohnmobil ihr Crystal Meth kochen, sollte dies unbedingt nachholen. (Philipp Johannßen)

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Mad Men (auf Netflix und Amazon Prime)

Keiner ist cooler als Don Draper – und nur wenige Serien reichen an den Stil und die Klasse von „Mad Men“ (2007 bis 2015) heran. Matthew Weiners von der Kritik hochgelobte Serie lässt mit viel Liebe zum Detail die Werberszene im New York der 1960er Jahre wieder auferstehen. Allein die Setgestaltung und die Garderobe sind spektakulär. Dazu kommt ganz feine Schauspielkunst von Jon Hamm, John Slattery oder Elisabeth Moss. Ganz vortrefflich lässt sich beim „Mad Men“-Gucken übrigens auch ein Trinkspiel einbauen: Jedes Mal, wenn auf dem Bildschirm eine brennende Zigarette eingeblendet wird oder sich jemand einen Drink einschenkt, darf man sich auch selbst einen genehmigen. (Theresa Schäfer)

Weeds (auf Netflix)

Die US-Comedy-Serie „Weeds“ (2005 bis 2012) ist so eine Art urkomisches „Breaking Bad“, gemischt mit „Desperate Housewives“: Die amerikanische Vorstadthausfrau Nancy Botwin stellt fest, dass ihr verstorbener Ehemann nur Schulden hinterlassen hat. Um ihre Kinder durchzubringen, beginnt sie, ihre Nachbarn mit Marihuana zu versorgen. Die Geschäfte bringen Nancy zunächst mit einigen liebenswerten Kleinkriminellen zusammen, die das Dealen als Familienbetrieb begreifen. Später, als die geschäftstüchtige Hausfrau in der profitablen Lieferkette etwas weiter vorne landen möchte, geht es mit mexikanischen Drogenbossen hart zur Sache. Das bleibt trotz allem rasend lustig mit jeder Menge schwarzem Humor, schließlich muss Nancy nicht nur kiffende Nachbarn und pubertierende Kinder in den Griff bekommen, sondern auch liebestolle Drogenbarone und die Polizei. (Lukas Jenkner)

The Tudors (auf Maxdome und Amazon Prime)

Wer auf Historie steht, für den sind „The Tudors“ genau richtig. Aber Vorsicht, in der Serie, die von Heinrich VIII. handelt, geht es ganz schön zur Sache. Schließlich war der Tudor-König für die Abspaltung der anglikanischen Kirche von Rom verantwortlich, köpfte zwei seiner sechs Frauen und war für seinen ausschweifenden Lebensstil bekannt. Und genau hierum geht es auch in der Serie, die von 2007 bis 2010 ausgestrahlt wurde und zwei Emmys einheimste: Sex and Crime im historischen Setting, lange vor Game of Thrones. (Stefanie Bernhardt)

Bei so viel Auswahl dürfte eigentlich jeder etwas finden.

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