Beim globalen Klimastreik Ende September war das Interesse noch groß. 1,4 Millionen Menschen demonstrierten an dem Tag deutschlandweit. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

20.000 Menschen waren Ende September beim Aktionstag von „Fridays for Future“ in Stuttgart dabei. Das ist erst knapp zwei Monate her – nun kämpft die Bewegung mit einem Rückgang an Interesse.

Stuttgart - Jonathan Heckert ist frustriert. Seit bald einem Jahr engagiert sich der 17-Jährige aus Weinstadt im Organisationsteam von „Fridays for Future“ Stuttgart. Am 20. September hat die Bewegung es zwar geschafft, deutschlandweit rund 1,4 Millionen Menschen zur Teilnahme an einem Klimastreik zu motivieren. „Aber es hat ja nichts gebracht“, sagt Heckert knapp zwei Monate später bei einem Treffen in einem Café.

Das Klimapaket der Bundesregierung gehe nicht annähernd weit genug. Das sehen nicht nur „Fridays for Future“-Aktivisten so, sondern auch führende Klimaforscher weltweit. Um nicht mehr als 1.5 Grad Celcius darf sich die Erde Wissenschaftlern zufolge im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erwärmen, sonst drohen für die Menschheit kaum tragbare Folgen. Jonathan Heckert hat kaum noch Hoffnung, dass die deutsche Bundesregierung ihren Beitrag zu diesem Ziel auch nur annäherungsweise erreichen wird. Und der Druck von der Straße scheint nachzulassen.

Im Schnitt derzeit 100 Teilnehmer

In Stuttgart kämpft „Fridays for Future“ Heckert zufolge mit sinkenden Teilnehmerzahlen. Zu Hochzeiten im Sommer sind laut Heckert jeden Freitag zwischen 500 und 1000 Menschen zur Demo von „Fridays for Future“ in Stuttgart gekommen. Derzeit sind es im Schnitt um die 100.

Seit den Herbstferien ist die Gruppe dazu übergangen, nicht mehr jeden Freitag eine Veranstaltung mit Demozug und Kundgebung zu organisieren. „Wir machen das vor allem, um Kapazitäten zu sparen, weil sich der Aufwand nicht mehr in Streikzahlen widerspiegelt“, sagt Jonathan Heckert. „Aber gestreikt wird trotzdem weiterhin wöchentlich.“

Neuer globaler Klimastreik Ende November

Jonathan Heckert hofft nun auf den 29. November. An diesem Tag ruft „Fridays for Future“ erneut zu einem globalen Klimastreik auf. „Die Bundesregierung scheitert nicht nur an ihren internationalen Verpflichtungen zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels, sondern sogar an ihren eigenen – deutlich darunter liegenden – Klimazielen für die Jahre 2020 und 2030“, heißt es in einem Streikaufruf der Bewegung. „Fridays for Future“ fordert ein Umsteuern und Maßnahmen, die Klimaneutralität bis 2035 bringen: Einen früheren Ausstieg aus der Kohle als 2038, eine Neuauflage der Energiewende so schnell wie nötig und das Ende von Subventionen für Kohle, Öl und Gas. Der Aktionstag soll unter dem Motto „NeustartKlima“ stattfinden.

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Jonathan Heckert aus Weinstadt hält einen Neustart auch in Bezug auf die öffentliche Debatte für nötig. „Die Fronten sind verhärtet. Oft geht es bei Diskussionen über die Klimakrise um persönliche Dinge und es wird am Thema vorbei geredet. Wir wollen wieder zurück zu einer Diskussion, die sich auf wissenschaftliche Fakten stützt“, sagt der Schüler.

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