„Jung und Alt für Klimaschutz“ – Schüler und Erwachsene üben in Nürtingen den Schulterschluss. Foto: Michael Steinert

Nürtingen klinkt sich in die Reihe der Fridays for Future-Städte ein. Die Demonstrationen am 20. September sind der Auftakt zu einer weltweiten Klimawoche. Die Nürtinger Gruppe übergibt dem Oberbürgermeister einen Forderungskatalog.

Nürtingen - Esslingen ist im April vorangegangen, nun folgt auch Nürtingen. Als nächste Stadt im Landkreis wird es dort am Freitag, 20. September, eine Fridays for Future-Demo geben. Zu dem Klimastreik sind nicht nur Schüler, sondern ausdrücklich auch Erwachsene aufgerufen. Der Aktionstag soll auf eine möglichst breite Basis gestellt werden.

Ein Titanic-Projekt als Warnung vor dem Untergang

Seit Juli wird der erste Nürtinger Klimastreik vorbereitet. Praktisch auf der Zielgeraden wird im Hof der Alten Seegrasspinnerei in diesen Tagen kräftig gewerkelt. Transparente mit Botschaften wie „Jung und Alt für Klimaschutz“, „Alle fürs Klima“ oder „There is no Planet b“ werden gestaltet. Unter anderem entsteht auch das Kunstprojekt einer untergehenden Titanic, um auf die Dringlichkeit des Themas aufmerksam zu machen.

Der Treffpunkt am 20. September ist um 12 Uhr auf dem Hof vor der Nürtinger Stadthalle. Es gebe keine einheitliche Regelung, sagt Clara Schweizer, eine der Organisatorinnen des Klimastreiks. Manche Schüler blieben dem Unterricht an diesem Tag komplett fern, andere wiederum besuchten den Unterricht bis zur vierten Stunde. Der Beginn am Mittag soll allen die Gelegenheit geben, sich rechtzeitig zum Friday for Future einzufinden.

Forderungskatalog an OB Fridrich wird übergeben

Nach einer Einstimmung mit Musik und Redebeiträgen setzt sich der Zug über die Neckarsteige und die Europastraße in Marsch. Um 14 Uhr werden die Klimastreikenden wieder vor der Stadthalle erwartet. Bei der Abschlusskundgebung wollen die Organisatoren auch einen Forderungskatalog an den Nürtinger Gemeinderat und den Oberbürgermeister Johannes Fridrich überreichen.

An oberster Stelle steht die Klimaneutralität bis 2030 in Nürtingen“, sagt Clara Schweizer. Die 17-Jährige besucht das Max-Planck-Gymnasium und ist Mitglied des Nürtinger Jugendrats. Um das hochgesteckte Ziel zu erreichen, wird unter anderem eine klimaneutrale Mobilität eingefordert. Das bedeutet, dass Fußgänger, Fahrradfahrer und der ÖPNV Vorfahrt haben sollen. Die Innenstadt soll vom Autoverkehr befreit werden. Eine Verbesserung des Radwegenetzes, die Einführung eines Stadttickets und fußgängerfreundlichere Ampelschaltungen werden als weitere Maßnahmen vorgeschlagen.

Grüne Inseln sollen das Stadtklima retten

Mehr Grün in der Stadt und auf den Dächern werden als geeignet angesehen, um die Lebensqualität in der Klimakrise zu erhalten. „In begrünten Stadträumen sind die Höchsttemperaturen um bis zu zehn Grad Celsius geringer als in unbegrünten Stadträumen“, argumentiert das Organisationsteam von Fridays for Future. Gefordert wird beispielsweise auch eine Verbindung von Maßnahmen zum Arten- und Klimaschutz. Die Renaturierung von Fließgewässern und die Schaffung von grünen Inseln in dicht bebauten Gebieten sind Bestandteil des Forderungskatalogs.

Ob es nach dem 20. September weitere Fridays for Future-Demonstrationen in Nürtingen geben wird und – falls ja – in welchen Abständen, ist Clara Schweizer zufolge noch nicht ausgemacht. Erst einmal hoffen die Organisatoren auf eine rege Beteiligung bei der Premiere. Um dem Klimastreik noch mehr Gewicht zu geben, erweitern die Schüler den Teilnehmerkreis. „Erwachsene ausdrücklich erwünscht!“ lautet das Motto. Die Nürtinger Gruppe folgt damit einem Aufruf von Fridays for Future von Mitte Juli auf Bundesebene. „Alleine schaffen wir es nicht, das Klima zu retten“, sagte damals Carla Reemtsma, eine der Mitorganisatorinnen von Fridays for Future in Deutschland.

Deutsche Städte beteiligen sich an der „Week for Climate“

Am 20. September beginnt bundesweit in mehr als 100 Städten die internationale Aktionswoche „Week for Climate. Zum Auftakt wird es auch in Esslingen wieder einen Klimastreik geben. Die Teilnehmer treffen sich am 20. September um 9 Uhr auf dem Marktplatz. Anfang April hatte es in Esslingen zum ersten Mal einen Friday for Future gegeben.

Inspiriert von Greta Thunbergs Schulstreik, den diese im August 2018 in Schweden begann, gehen viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene inzwischen weltweit auf die Straße, um ihre Zukunftsängste auszudrücken und die politischen Entscheidungsträger zu wirksamen Maßnahmen für eine Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs zu drängen.

Viele kleine Maßnahmen für den Klimaschutz

Auf lokaler Ebene in Nürtingen gibt es bereits eine Vielzahl von kleineren und größeren Projekten für den Klimaschutz. Im Juli beispielsweise hat es den vom städtischen Klimaschutzmanager organisierten Nürtinger Energietisch gegeben. Im April hat die Stiftung Ökowatt die Aktion „100 Sonnendächer für Nürtingen“ angestoßen, die den Ausbau der Fotovoltaik forcieren soll. Und im März hatte der BUND zum „Plastikfasten“ aufgerufen. Gezeigt wurde dabei unter anderem, wie umweltfreundliche und mikroplastikfreie Putz- und Reinigungsmittel hergestellt werden können.

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