Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender (links) haben sich gemeinsam mit Gerlinde und Winfried Kretschmann die neue Ausstellung der Staatsgalerie angeschaut. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die neue Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart eröffnet – und sich vor der Kunst „verneigt“.

Stuttgart - So häufig wie an diesem Abend hat man den Begriff in Stuttgart selten gehört: Stolz. Sogar Frank-Walter Steinmeier war ein wenig stolz, dass die Kunst, die in den kommenden Wochen in der Staatsgalerie zu sehen ist, „ihren Weg in die Welt gemacht hat.“ Der Bundespräsident hat für die Ausstellung „Die jungen Jahre der Alten Meister. Baselitz – Richter – Polke – Kiefer“ in der Staatsgalerie nicht nur die Schirmherrschaft übernommen, sondern kam sogar persönlich zur Eröffnung, um sich zu „verneigen“. Denn bei großen Kunstausstellungen gebe es zwei „elementare Bewegungen“, so Steinmeier, „Zeigen und Verneigen“. Selbst wenn man als aufgeklärter Zeitgenosse an sich die kritische Auseinandersetzung mit der Kunst suche, lasse man sich doch gern von ihr ins Staunen versetzen. „Und wir zögern auch nicht, Meisterwerken die Ehre zu erweisen, die ihnen gebührt.“

Mehr als tausend Gäste kamen am Donnerstagabend in die Staatsgalerie Stuttgart, um den „Alten Meistern“ die Ehre zu erweisen – und sie scheuten auch nicht die Eingangskontrollen, die der hohe Besuch mit sich brachte. Bereits am Nachmittag absolvierten die ersten Gäste in einem Zelt vor der Neuen Staatsgalerie Taschen- und Ausweiskontrolle, um Steinmeier live zu erleben. Der Bundespräsident und seine Frau Elke Büdenbender schauten sich erst einmal die Ausstellung jener vier Künstler an, deren „überzeugende und überragende Arbeiten“ den Blick auf unser Land verändert hätten, wie es Steinmeier in seiner Rede sagte. „Diese Kunst gehört jetzt zu unserer Kultur, ja man kann vielleicht sagen: zu unserer deutschen Seelenlandschaft.“

Anselm Kiefer ist zur Eröffnung angereist

Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigte sich stolz, dass in „unserer Wunderkammer der Künste“ vier Künstler ausgestellt werden, die in den sechziger Jahren der „Flucht in die biedere Behaglichkeit“ mit ihren Bildern etwas entgegengesetzt hätten. Auch Oberbürgermeister Fritz Kuhn sagte unumwunden: „Wir sind stolz. Das ist schon was für eine kleine schwäbische Stadt.“

Sogar Anselm Kiefer kam persönlich zur Eröffnung der Ausstellung sowie die Familie des 2010 verstorbenen Sigmar Polke. Gerhard Richter, der aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen musste, ließ durch die Direktorin Christiane Lange einen Gruß ausrichten. Georg Baselitz, ebenfalls angeschlagen, will die Ausstellung anschauen, wenn es ihm gesundheitlich wieder besser geht.

So viel Sicherheitspersonal wie an diesem Tag hat man in der Staatsgalerie noch nicht erlebt, trotzdem verlief die Veranstaltung erstaunlich entspannt und strömten die Besucher neugierig in die Ausstellung oder zum Gala-Diner, das für großzügige Unterstützer der Staatsgalerie im Säulensaal ausgerichtet wurde.

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