Der Backnanger Fotograf Kurt Joachim Kase hat ein Faible für ländliche Idylle. In den Kleingartenanlagen in der Region Backnang hat er die Oasen der Idylle-sehnsüchtigen Städter fotografiert: Gartenhäuschen. Foto:  

Der Backnanger Fotograf Kurt-Joachim Kase lernt auf seinen Streifzügen durch die Kleingartenanlagen in der Region viel über das Zusammenleben von Menschen. Zur Sommerzeit trifft er auf Idylle-sehnsüchtige, glückliche Städter in und vor ihren Gartenhäusern.

Backnang - Mit dem Klischee vom Leben in der Kleingartenanlage ist es wie mit den meisten Klischees: Es handelt sich um ein auf Tatsachen beruhendes Missverständnis. Dieser Eindruck verstärkt sich wenn man mit dem Fotografen Kurt Joachim Kase über seine Faszination für Gartenhäuser spricht. Stehen die Begriffe Kleingarten und Kleingeist doch für viele in direktem Zusammenhang. Und die akkuraten, auf den Zentimeter genau bemessenen Parzellen gelten als Inbegriff der Spießigkeit.

Eigene kleine Welten

In Kurt Joachim Kases Wahrnehmung mutet das kleinbürgerliche Idyll ganz anders an. „Es ist gerade im Sommer unheimlich schön zu sehen, wie glücklich die Menschen in ihren Gartenanlagen und Häuschen sind“, sagt der gebürtige Brandenburger, der seit vielen Jahren in Backnang lebt. „Hier genießen Menschen, die meistens in Mietwohnungen ohne Außenbereich leben, ein Stück Freiheit, das sie mit in ihren Alltag nehmen.“ Die Kleingartenanlagen seien eigene kleine Welten, in denen das Zusammenleben auf engstem Raum mit anderen Menschen wunderbar funktioniere. „Die Gartenhäuser sind ein wesentlicher Punkt im Leben der Besitzer. Sie können sich keine teuren Reisen nach Taiwan oder Thailand leisten, sind aber mit dem, was sie haben, glücklich.“ Die Zahlen sprechen für sich: in Deutschland nutzen laut des Bundesverbands Deutscher Gartenfreunde fünf Millionen Menschen einen Kleingarten in rund 14 000 Gartenvereinen.

Harmonie und Widersprüchlichkeit

Kurt Joachim Kase, der übrigens keinen Kleingarten oder ein Gartenhaus besitzt, findet für seine fotografische Arbeit alles rund um das Thema ländliche Idylle spannend. „Gerade im Schwäbischen gibt es jede Menge davon“, sagt der Konzeptfotograf, der schon als Schüler für die Regionalzeitung „Schwarzwälder Bote“ fotografierte und sich heute als freier Fotograf der Landschafts- und Dokumentarfotografie widmet. Auf seinen Streifzügen in den Kleingartenanlagen in der Region Backnang betreibt er eine Art Milieustudie und lernt dort vielleicht mehr über das Zusammenleben von Menschen in all seiner Harmonie und Widersprüchlichkeit als man es woanders lernen könnte. Immer zwischen zehn und elf Uhr morgens, noch bevor die Sonne hoch am Himmel steht, hat Kase die Teilzeit-Behausungen Idylle-sehnsüchtiger Städter frontal mit seiner Nikon-Digitalkamera aufgenommen, stets der selbe Ausschnitt, möglichst wenig Hintergrund und Landschaft.

„Die Leute hier möchten nicht auffallen, sie suchen nichts Außergewöhnliches“, sagt Kase. „Im Gegenteil: sie suchen das Gemeinschaftsgefühl, ein kollektives Stückchen Freiheit.“ Ein Schrebergartenbesitzer hat in der „Zeit“ einmal über das Wesen ebensolcher philosophiert: „Jeder ist in der Schrebergartenkolonie mit seinen Eigenarten willkommen, wenn er nur die Fassade wahrt. Das nenne ich Verfassungspatriotismus!“

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