Das Selfie ist schnell geknipst – und Apps helfen, das Bild zu bearbeiten und professioneller zu gestalten. Foto: ilovemayorova/Adobe Stock

Aktuelle Smartphones werden mit immer besseren Kameras ausgestattet. Mit den richtigen Apps gelingen auch Hobbyknipsern beeindruckende Aufnahmen. Wir haben es ausprobiert.

Stuttgart - Vorbei sind die Zeiten, als Papa eine riesige Fotoausrüstung mit in den Urlaub schleppte. Auch Mamas Knipskiste, mit der ihr nicht selten die besseren Aufnahmen gelangen, ist passé. Ob Strandfoto, Selfie oder die Pasta im Lieblingsrestaurant – heute fotografiert die ganze Familie mit dem Smartphone. Damit hat man gleichzeitig aber auch sein eigenes Fotostudio in der Tasche.

Die richtigen Apps ermöglichen es, dass auch Ungeübte ihre persönlichen Impressionen im Bild festhalten und mit den Daheimgebliebenen oder Freunden auf Facebook & Co. teilen können. Wir stellen hier eine Auswahl der wichtigsten Bearbeitungstools vor. Allerdings gilt auch hier: Den fotografischen Blick für das Motiv ersetzen sie nicht – und man muss sich mit den Möglichkeiten beschäftigen, die Bilder zu bearbeiten. Doch die Mühe lohnt sich: Es gibt tolle Effekte und Möglichkeiten, Bilder zu verbessern.

Eine für alles: Open Camera

Open Camera, kostenlos Foto: Hersteller
Open Camera ist eine der besten und vielseitigsten Kamera-Apps und dennoch kostenlos und komplett werbefrei. Die App fügt der Fotofunktion von Android-Geräten alle Einstellungen hinzu, die Sie von einer „echten“ Kamera erwarten würden. Dazu gehören Bildstabilisator, Weißabgleich, diverse Bildmodi, ISO-Einstellung, Gesichtser­kennung und vieles mehr. Sogar eine Auslöseverzögerung und eine Serienbildfunktion fehlen nicht.

Unter „Standort-Einstellungen“ lassen sich sowohl die Ausrichtung nach Himmelsrichtungen als auch die Erfassung der Standortdaten (Geotagging) aktivieren. Mit den Aufnahmen werden dann die GPS-Daten gespeichert, damit man später leichter feststellen kann, wo ein Foto gemacht wurde. Aus Datenschutzgründen und um den Akku zu schonen, sollte man diese Funktion deaktivieren, wenn man sie nicht braucht. Open Camera, Mark Harmann, für Android, kostenlos (Spende erbeten)

Leben in Bewegung: Live Photos

Live Photos, für iOS kostenlos Foto: Hersteller
Die Funktion Live Photos beherrschen iPhones ab der sechsten Generation von Haus aus. Beim Schießen eines Fotos mit der vorinstallierten Kamera-App werden automatisch jeweils 1,5 Sekunden vor und nach der Aufnahme gespeichert. Jedes Live Photo besteht aus einer 12-Megapixel-Aufnahme und einer Videosequenz. Drückt man per „3-D-Touch“ auf das Bild, erwacht es zum Leben. Dafür, dass man mit dieser Funktion noch viel mehr machen kann, sorgt ausgerechnet Konkurrent Google.

Mit dessen kostenloser iOS-App Motion Stills lassen sich Live Photos als GIF- oder Videodateien sichern, die auch aus mehreren Einzelbildern zusammengesetzt werden können. Bei GIFs handelt es sich um Minivideos, die in Endlosschleife abgespielt werden und sich auf Facebook & Co. derzeit großer Beliebtheit erfreuen.

Die Auswahl eines alternativen Standbilds ist ebenfalls möglich. Auch mit Lively lassen sich die Live Photos in überall abspielbare Videos und GIFs umwandeln. Die App bietet zudem jede Menge Bearbeitungsoptionen. So kann man die Abspielgeschwindigkeit einstellen oder ein einzelnes Bild auswählen, das sich als statisches Foto extrahieren lässt. Motion Stills, Google, für iOS, kostenlos; Lively, Tiny Whale, 1,99 Euro

Fotografische Zeitreisen: Magix Camera MX

Magix Camera MX, kostenlos Foto: Hersteller
Der erwähnten Google-App zum Trotz hängt die Android-Welt dem Trend zum Bewegtbild noch etwas hinterher. Doch auch hier erwacht die Minivideofotografie allmählich zum Leben. So bietet die Gratis-App Magix Camera MX nach dem letzten Update eine Funktion namens Live Shot, die Apples Live Photos nachempfunden ist.

Die App ermöglicht sogar Zeitreisen in doppeltem Sinne. Zum einen findet sich unter den zahlreichen mitgelieferten Filtern eine Retro-Funktion, mit der man Fotos wie historische Aufnahmen aussehen lassen kann. Zum anderen gibt es den ausgesprochen praktischen Shoot-the-Past-Modus. Wie es der Name schon nahelegt, kann man damit in die Zeit vor der eigentlichen Aufnahme zurückgehen, zum Beispiel wenn man den richtigen Moment verpasst hat. Unerfreuliche Bildresultate wie „Gattin mit geschlossenen Augen vor Sonnenuntergang“ gehören damit der Vergangenheit an. Magix Camera MX, Appic Labs Corp., für Android, kostenlos

Fotos in Serie: Microsoft Pix-Kamera

Microsoft Pix-Kamera, kostenlos Foto: Hersteller
Microsofts iOS-App verwendet eine sehr interessante Aufnahmetechnik. Nach dem Auslösen wird stets eine ganze Serie von Fotos aufgenommen, die analysiert werden, um die Einstellungen selbstständig anzupassen. Der Trick dabei: Nur die gelungensten Aufnahmen werden verwendet, während die übrigen der Verbesserung des Endergebnisses dienen.

Werden Bewegungen erkannt, nimmt die App automatisch ein kurzes Video auf, das als Endlosschleife abgespielt wird. Auf dem PC oder mittels einer zusätzlichen App wie Video to GIF lässt sich dieses schnell in eine GIF-Datei umwandeln. Eine Bearbeitungsfunktion fehlt ebenfalls nicht, bietet aber nur das Allernötigste. Pix-Kamera, Microsoft, für iOS, kostenlos; ­Video to GIF, Ngo Ngoc Chien, für iOS, ­kostenlos

Das Tool der Profis: Lightroom Mobile

Lightroom Mobile, kostenlos Foto: Hersteller
Über Photoshop Lightroom muss man nicht viele Worte verlieren. Das Programm ist die Referenz in der digitalen Bildbearbeitung. Ganz so viele Möglichkeiten bietet die App nicht, doch dafür immerhin alles, was man braucht, um direkt auf dem Gerät Aufnahmen zu bearbeiten und zu verwalten. So unterstützt sie die HDR-Technik, also Bilder mit hohem Dynamikumfang (High Dynamic Range). Je nach Know-how und Anspruch reichen die Möglichkeiten von einfachen Vorgaben bis hin zu leistungsstarken, fortgeschrittenen Korrekturen.

Fünf „Live-Presets“ zeigen schon im Sucher, wie das Bild später aussehen wird. Die Basis-App ist gratis, erweiterte Funktionen sind Abonnenten von Adobes Creative Cloud vorbehalten, die sich ambitionierter mit Bildbearbeitung befassen wollen. Dazu zählen das geräteübergreifende Synchronisieren, das Bearbeiten von Rohdaten (Raw) oder lokale Korrekturen, mit der Belichtung, Helligkeit, Klarheit und andere Parameter in bestimmten Bereichen eines Bildes angepasst werden können. Lightroom Mobile, Adobe, für iOS und Android, kostenlos; Pro-Funktion im Abo

Für Fortgeschrittene: SKRWT

SKRWT, 2,29 Euro für iOS und 1,49 Euro für Android Foto: Hersteller
Wer das Smartphone regelmäßig als Kamera einsetzt, kennt das Problem: Trotz immer höherer Auflösungen und verbesserter Bildqualität leiden die Aufnahmen oft unter optischen Verzerrungen durch die oft nicht sehr hochwertigen Linsen. Auch Helligkeitsverluste, schiefe Aufnahmen oder ungünstig gewählte Ausschnitte trüben immer wieder den Spaß am schnellen Handyfoto. Mit SKRWT lassen sich solche Fehler allerdings beheben. In die App geladene Bilder werden hierzu in Raster zerlegt, über eine Skala darunter lässt sich dann die Effektstärke anpassen.

Weitere Funktionen findet man durch einen Fingerstreich vom linken und rechten Bildschirmrand. Wer bereit ist, sich etwas einzuarbeiten, findet in SKWRT ein professionelles Tool, das deutlich mehr Möglichkeiten der Korrektur und Gestaltung bietet als die üblichen Filtersammlungen. SKRWT, Mjagielski (Mathaeus Jagielski), für iOS und Android, 2,29 Euro (iOS) und 1,49 Euro (Android)

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: