„Die Bilder rocken. Hier geht alles kreuz und quer, poppig bunt vor kosmischen Schwarz“, lobt die Jury des Europäischen Architekturfotografie-Preises die Werke von Nikolas Fabian Kammerer. Fotografien der Preisträger sind zurzeit in der vhs-photogalerie in Stuttgart zu sehen. Foto: Nikolas Fabian Kammerer/architekturbild e.V.

Eine Stuttgarter Ausstellung und ein Bildband zeigen Gewinner des Europäischen Architekturfotografie-Preises. Zu sehen sind Bilder von biegsamen Spielhäusern bis zu wild zusammengenagelten Bretterbuden.

Stuttgart - Freudvolle Architektur? Sollen das Bauwerke sein, die lustig aussehen? Häuser, die den Bewohnern Freude machen? Oder sollen es Fotografien sein, die ganz alltägliche Behausungen besonders eigenwillig in Szene setzen?

Sowohl als auch, ist die Antwort der Jury, die über den diesjährigen Wettbewerb zum Europäischen Architekturfotografie-Preis zu entscheiden hatte. Ausgelobt wurde er in Kooperation von Architekturbild, dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) und der Bundesstiftung Baukultur.

„Joyful Architecture“ – freudvolle Architektur – war das Thema. Auf 28 herausragende Serien (aus 105 eingereichten Arbeiten) konnten die Experten sich einigen. Sieger ist der 1971 in München geborene Architekt Dirk Härle.

Er zeigt rätselhaft aussehende Baukörper in schwindelnden Höhen ebenso wie amüsante Alltags­bilder in der Stadt und in der Natur – etwa eine Plastiksitzschale im Winterwald, die sich in einen wie dafür gemachten, gebogenen Baumstamm schmiegt.

Wohnhäuser, Strandbuden, Aussichtstürme

Zweite und dritte Preise gingen an das Fotografen-Duo Alexander Mai und Mikula Platz, die biegsame Spielhausarchitektur fotografieren, und an Nikolas Fabian Kammerer, der nachts wild zusammengenagelte Bretterbuden eines Bauspielplatzes in Szene setzt.

Unter den ausgewählten Serien sind viele amüsante wie originelle Arbeiten, Industriebauten ebenso wie Wohnhäuser, Strandhütten und Aussichtstürme. Sebastian Schlüters Serien von grell blinkenden Burgerbräter-Buden und Markus Dorfmüllers Baumhäuser im Hambacher Forst zeigen, dass Architektur nicht nur freudvoll sein muss, stets aber politisch und gesellschaftlich von Belang ist.

Gebäude können Protestgebilde darstellen oder auch Insignien des Kapitalismus, die manchen ihrer Konsumenten gesundheitlich wenig Freudvolles wie Fettlebern und Diabetes bescheren.

Info zur Ausstellung

Die Ausstellung „Joyful Architecture“ in der vhs-photogalerie Stuttgart zeigt bis 2. Februar die besten Arbeiten des Europäischen Architekturfotografie-Preises 2019. Die vhs-photogalerie ist ab dem 7. Januar wieder geöffnet. Infos unter: www.vhs-photogalerie.de

Info zum Buch

Begleitend zum Wettbewerb ist bei architekturbild e. V. der Fotoband „Joyful Architecture“ (128 Seiten, 24,80 Euro) erschienen, mit Fotografien, Künstlerbiografien und Jury-Erklärungen.

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