Sternekoch Benjamin Schuster kocht mit Müttern für Schüler und Lehrer. Foto: Leif Piechowski

Die Lust auf gutes Essen wecken – das will der Stuttgarter Sternekoch Benjamin Schuster. Deshalb kocht er nicht nur in seinem Restaurant, sondern auch in einer Schule. Beim Forum Bildung der StN steht er am 1. Februar Rede und Antwort.

Die Lust auf gutes Essen wecken – das will der Stuttgarter Sternekoch Benjamin Schuster. Deshalb kocht er nicht nur in seinem Restaurant, sondern auch in einer Schule.

Stuttgart - Den 1. Februar hat Benjamin Schuster für eine besondere Veranstaltung reserviert: In der Körschtalschule in Stuttgart-Plieningen spricht der Sternekoch um 11 Uhr beim Forum Bildung der Stuttgarter Nachrichten darüber, was gutes Essen ausmacht und wie sich bei Kindern der Geschmack entwickelt – oder auch nicht, wenn sie sich einseitigernähren. Eingeladen dazu sind die Leserinnen und Leser.

„Mir ist es wichtig, dass Schüler abwechslungsreich essen – und dass sie das vielseitige Angebot an Lebensmitteln kennenlernen“, sagt Schuster. Mindestens einmal im Monat geht der Sternekoch aus dem Délice in Stuttgart an die Robert-Koch-Realschule in Stuttgart-Vaihingen, um mit Müttern das Mittagessen für Schüler und Lehrer zuzubereiten, zudem berät er bei den Speiseplänen.

Noch sind es drei Stunden bis zur Essensausgabe, doch in der Schulküche duftet es bereits köstlich. Schuster hat Putenfleisch angebraten, jetzt rührt er aus Sahne, Sesamöl, Curry und anderen Gewürzen die Soße: Salat, Putengeschnetzeltes, Mandel-Reis mit Mango sowie rote Grütze stehen an diesem Tag auf der Speisekarte.

Hier können Sie sich online zum Forum Bildung am 1. Februar zum Thema "Gut essen in der Schule" anmelden

Mehr Wissen über gutes Essen tut not. Viele Kinder und Jugendliche kennen nur wenige der Obst- und Gemüsesorten, die hier wachsen oder eingeführt werden. Und vieles haben sie noch nie probiert. Immer öfter bestimmen Fast Food und Fertiggerichte den Speiseplan – mit Folgen: Viele leiden früh unter Fehlernährung. Jeder sechste 11- bis 17-Jährige wiegt zu viel, ein Drittel von diesen sind schwer übergewichtig.

Durch Nachmittagsbetreuung und den Ausbau der Ganztagsschulen sind auch die Schulen in puncto Ernährung gefordert. An wie vielen der über 4000 Schulen im Land warmes Essen angeboten wird, darüber gibt es keine genauen Zahlen. Vorgeschrieben ist es an den Ganztagsschulen. Doch auch andere Schulen sind aktiv. In den meisten Einrichtungen werde das Essen geliefert, sagt Susanne Nowitzki-Grimm von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung in Baden-Württemberg. Im Bundesvergleich hingegen kochten im Südwesten noch viele Eltern, vor allem Mütter, in den Schulen.

Eine ist Monika Doh. Sie und andere Mütter in der Robert-Koch-Realschule begannen Mitte der 90er Jahre für ihre eigenen und andere Kinder zu kochen – damals noch in einem frei geräumten Klassenzimmer. Inzwischen verfügt die Schule über eine Mensa, in der ein überwiegend ehrenamtliches Team von Montag bis Donnerstag gute und gesunde Kost auf den Tisch bringt. Zweimal wöchentlich gibt es Fleisch oder Fisch, an den anderen beiden Tagen Vegetarisches.

Köstliches aus einfachen Zutaten

Wichtig sind die Zutaten, sagt Schuster. „Aus schlechten Lebensmitteln kann man zwar das Beste herausholen, aber gut wird das Essen davon nicht.“ Gut kochen müsse auch nicht teuer sein – aus einfachen Zutaten lasse sich schnell Köstliches zaubern.

Das probieren die Neuntklässler an der Körschtalschule in Stuttgart-Plieningen. Aus den Lebensmitteln, die die Lehrerin bereitgestellt hat, kreieren sie Menüs nach eigenem Geschmack. Eine der Vierergruppen kocht eine pikante Gemüsesoße, als Vorspeise gibt es Salatschiffchen mit Parmesan und Oliven. Am Nachbarherd werden Nudeln, Eier und Gemüse gebraten, am dritten verfeinert eine Schülerin eine Käsesoße. Das Improvisieren soll den Jugendlichen Lust darauf machen, öfter mal selbst zu kochen – und sie dazu anleiten, mit Lebensmitteln sorgsam umzugehen.

Gut essen wird an der Körschtalschule großgeschrieben. Als Schulleiterin Regine Hahn vor einigen Jahren an die Schule wechselte, traf sie auf ein Team, dem das Thema ebenfalls wichtig war und das mit ihr weitere Angebote entwickelte.

Das Mittagessen in Plieningen kommt vom örtlichen Metzger, der die Anregungen und Wünsche aus der Schule aufgreift. Als Eltern beklagten, dass es zu oft Fleisch gebe, startete die Schule eine Umfrage – und stellte mit dem Zulieferer den Speiseplan um.

Auch die Frühstückspause wurde verändert. Nach einer Runde auf dem Schulhof essen die Schüler gemeinsam im Klassenzimmer. Seitdem landen weniger Brote im Abfalleimer, sagt Hahn. Während der Ferien- betreuung starten die Schüler morgens mit einem gemeinsamen Frühstück. Ab und zu kochen sie auch selbst. Das sei eine wichtige Erfahrung für sie, sagt Sozialpädagogin Jessica Wagner. „Das, was sie selbst kochen, essen sie auch gern. Selbst Gemüse, das sie sonst beiseiteschieben.“

Die städtischen Kindergärten und -krippen erhalten das Essen aus einer Großküche. Für die 7000 Kinder, die über Mittag da sind, wird größtenteils im Klinikum gekocht – aber anderes als für die Patienten, betont Gerd Danner, der Verantwortliche der Stadt für die Ernährung in den Kindertageseinrichtungen. Für Kinder gibt es nur getrennte Gemüse, damit sie auswählen können, was ihnen schmeckt. Essen aus Großküchen sei nicht automatisch schlechter als Selbstgekochtes. Es komme auf die Qualität der Lebensmittel und die Zubereitung an, so der ausgebildete Küchenmeister. Die Speisen werden nach dem Kochen sofort heruntergekühlt und später in den Kindergärten erwärmt. Der Speiseplan orientiert sich an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung – zweimal Fleisch, einmal Fisch pro Woche, Vegetarisches gibt es jeden Tag. Die Köche hätten aber auch von den Kindern gelernt, sagt Danner. Große Fleischküchle gibt es nicht mehr, nur noch kleine – die kommen bei den Kleinen besser an als halbierte Stücke.

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