Büffeln ist angesagt: Schüler der Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen Foto: dpa

Regierung und Opposition sollen ihren Streit über Schulstrukturen beenden, fordert der Städtetag – Forum Bildung mit dem Kultusminister: jetzt kostenlos anmelden.

Stuttgart - Nicht einmal in den Osterferien herrscht Ruhe an der Schulfront: Die Bildungspolitik der grün-roten Landesregierung führe „nicht nur zu einer Zerstörung und inneren Aushöhlung erfolgreicher Schularten wie der Realschule und des Gymnasiums, sondern mittel- und langfristig zu einem gewaltigen Qualitäts- und Niveauverlust“, warnten in dieser Woche aus Berlin der Deutsche Philologenverband und der Verband Deutscher Realschullehrer. Durch die „von der Landesregierung geförderte und bereits jetzt ausstattungsmäßig bevorzugte Gemeinschaftsschule sollen Realschulen und Gymnasien ausgetrocknet werden“.

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Auch ein Jahr nach der Einführung der Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg streiten sich Landesregierung und Opposition heftig darüber, wie das Schulsystem besser und gerechter werden kann. Dass zum nächsten Schuljahr an den dann 129 Gemeinschaftsschulen insgesamt 5738 Fünftklässler starten, wertet Kultusminister Andreas Stoch (SPD) als Beleg dafür, dass die neue Schulart „zum festen Bestandteil des baden-württembergischen Schulsystems“ geworden sei und bei vielen Eltern hohes Vertrauen genieße. CDU und FDP hingegen lehnen die Gemeinschaftsschule weiterhin ab und haben bereits angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs das gemeinsame Lernen wieder abzuschaffen.

Es tue dem Schulsystem nicht gut, wenn alle paar Jahre eine andere Richtung eingeschlagen werde, mahnte jetzt Baden-Württembergs Städtetagspräsidentin Barbara Bosch. Regierung und Opposition sollten ihren Streit über die richtige Schulstruktur beenden und sich der Verbesserung der pädagogischen Arbeit zuwenden.

Hauptschulen verlieren immer mehr Schüler

Schon nach dem Regierungswechsel 2011 hatte sich der Städtetag grundsätzlich positiv zur Gemeinschaftsschule geäußert. Denn vor allem in den Städten verloren die Hauptschulen und die aus ihnen hervorgegangenen Werkrealschulen in den vergangenen Jahren immer mehr Schüler. Dazu kommt noch, dass die Schülerzahlen insgesamt sinken, so dass mittelfristig Schulen geschlossen werden müssen. Die Gemeinschaftsschule dürfe jedoch nicht die alleinige weiterführende Schulart werden, forderte der Städtetag. Das Gymnasium müsse erhalten bleiben. Im Sommer 2012 stellte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) klar, dass er langfristig auf ein Zwei-Säulen-Modell setzt – mit Gymnasium und einer weiteren Schulart, die ebenfalls alle Abschlüsse bis zum Abitur ermöglicht.

Dass die neuen Gemeinschaftsschulen bisher vor allem aus ehemaligen Haupt- und Werkrealschulen hervorgegangen sind, sieht der Städtetag mit großer Skepsis. Wenn es nicht gelinge, die Realschulen einzubeziehen, ersetze die Gemeinschaftsschule lediglich die Haupt- und Werkrealschulen – das jedoch reiche nicht, sagte Stefan Gläser, Hauptgeschäftsführer des Städtetags. Um die Gemeinschaftsschule auch für Realschulen attraktiver zu machen, sei mehr Flexibilität nötig. Wie auch Gemeindetagspräsident Roger Kehle verlangt Gläser, Schulverbünde mit Gemeinschaftsschulen zuzulassen. „Mit der organisatorischen Zusammenführung beispielsweise von Realschulen und Gemeinschaftsschulen unter einem Dach wird gegenseitiges Kennenlernen ohne Zwang ermöglicht – und damit beidseitig ein Wandel durch Annäherung“, so Gläser. Auch sollten die Gemeinschaftsschulen selbst darüber entscheiden können, ob ihr Ganztagsangebot verpflichtend oder freiwillig ist.

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke wies die Forderungen nach einem Schulfrieden zurück. Grün-Rot zerstöre das erfolgreiche Schulsystem und damit die Grundlage unseres Wohlstands, konterte der Gymnasiallehrer. „Das kann keine verantwortungsbewusste Opposition akzeptieren.“

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