Kultusminister Andreas Stoch (Mitte) beim Forum Bildung unserer Zeitung – flankiert von Ressortleiter Landesnachrichten, Jan Sellner, und Bildungsredakteurin Maria Wetzel Foto: Leif Piechowski

Kultusminister Andreas Stoch verteidigt den Wegfall der verbindlichen Grund- schulempfehlung. Damit sei der Druck auf die Kinder gesunken, sagte er am Montagabend beim Forum Bildung.

Stuttgart - Die Gymnasien legen weiter zu. Im nächsten Schuljahr wechseln 44,5 Prozent der 86 160 Viertklässler an ein Gymnasium, das sind 1,3 Prozentpunkte mehr als 2012. Hauptgrund für den Zuwachs ist vor allem die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung. Seit dem vergangenen Jahr haben Eltern bei der Schulwahl das letzte Wort.

Dadurch habe sich das Gesprächsklima zwischen Lehrern und Eltern verbessert, sagte Kultusminister Andreas Stoch am Montag beim Forum Bildung unserer Zeitung. Die Landesregierung habe es geschafft, von den Dritt- und Viertklässlern den Druck zu nehmen, unbedingt eine bestimmte Schulart schaffen zu müssen. „Damit haben wir nicht nur große Ängste in den Familien beseitigt, sondern wir ermöglichen den acht- und neunjährigen Kindern auch ein unbeschwertes Lernen“, so Stoch.

Gemeinschaftsschulen verzeichnen ein Plus

Auch die neuen Gemeinschaftsschulen verzeichnen ein Plus – dort haben sich 6,6 Prozent der Viertklässler angemeldet, dreimal so viele im vergangenen Jahr. Weniger Anmeldungen als 2012 haben die Realschulen und Haupt-/Werkrealschulen. An die Realschule wechseln 36,7 Prozent (minus 1,5 Prozentpunkte), an die Haupt-/Werkrealschulen 12,1 Prozent der Viertklässler (minus 3,5 Prozentpunkte). Wegen dieser Entwicklung stehen viele Haupt- und Werkrealschulen vor dem Aus. In Stuttgart zum Beispiel läuft mangels Nachfrage jede zweite Werkrealschule aus.

Schon in diesem Schuljahr hatten 126 der 862 öffentlichen Haupt-/Werkrealschulen im Land keine neuen Anmeldungen mehr. In 223 Schulen waren 1 bis 15 Fünftklässler gemeldet. Damit wurde die Mindestzahl von 16 Schülern pro Klasse unterschritten. Vor zehn Jahren hatte es im Südwesten noch mehr als 1200 Hauptschulen gegeben. „Die Zahlen zeigen erneut den Trend, dass sich viele Eltern mindestens einen mittleren Bildungsabschluss für ihre Kinder wünschen“, sagte Kultusminister Stoch.

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