McLaren: "Bei uns muss stets Explosionsgefahr herrschen", war die Leitlinie von Ex-Teamchef Ron Dennis bei der Fahrerwahl. Nachfolger Martin Whitmarsh hielt sich an das Credo - Rennstall-Zögling Lewis Hamilton wurde Weltmeister Jenson Button ins Nest gelegt. Nach außen behauptete Hamilton, könne ein Unfall wie bei Red Bull nicht passieren, weil "wir nicht so aggressiv miteinander umgehen". Doch intern, so der inoffizielle Boxenfunk, machte der Champion von 2008 kürzlich dicke Backen, weil er sich vom Team verschaukelt fühlte. In Istanbul glaubte der 25-Jährige, Kollege Button könne nicht überholen, weil dieser laut Boxenfunk im Spritsparmodus fahre. Trotzdem zog Button vorbei, Hamilton fühlte sich übelst ausgebremst. Später tauschten die beiden wieder die Plätze, alles wieder gut. "Das beweist aber, dass auch bei den beiden die Nerven ganz schön strapaziert sind", sagt der Ex-Rennfahrer und TV-Kommentator Martin Brundle. Ron Dennis kann's eigentlich nur recht sein - es herrscht bei McLaren wieder Explosionsgefahr. Foto: AP

Interne Duelle sorgen bei den Topteams für Hochspannung. Wir geben den Überblick.

Stuttgart - Die Formel-1-Saison ist sieben Rennen alt, und allmählich werden die Positionskämpfe im Feld ruppiger. Dass auch für den Teamkollegen nicht gebremst wird, liegt in der Natur der Egomanen in den Cockpits. Bei Red Bull hat's kürzlich gedonnert im Rennstall, bei McLaren ist die Atmosphäre gefährlich aufgeladen.

"Elf Freunde müsst ihr sein", so lautete die Fußball-Maxime Sepp Herbergers vor über 50 Jahren. Im Millionengeschäft mit Ball ist im 21. Jahrhundert diese Philosophie längst überholt, beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf. Und weil es in der Formel 1 nicht nur um Punkte, sondern um harte Dollars geht, lupft kein Rennfahrer den Gasfuß auch nur um einen Millimeter, bloß weil der Teamkollege an der Längsseite auftaucht. Oder um es mit Renault-Fahrer Robert Kubica zu sagen: "Wenn du im Fahrerlager einen Freund willst, musst du dir 'nen Hund zulegen."

Visier runter, alle auf Kampflinie - so wird's auch beim Großen Preis von Kanada am Sonntag (18 Uhr/RTL und Sky) zugehen. Bei den vier Spitzenteams geht es nicht nur gegen die fremde Konkurrenz, sondern auch gegen den Teamkollegen - wie die roten Bullen Sebastian Vettel und Mark Webber in Istanbul bewiesen haben. Teamkollegen sind manchmal wie Pulverfässer, wenn da einer zündelt, dann rappelt's in der Box. Eine kurze Bestandsaufnahme gibt's in unserer Bildergalerie.

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