Sebastian Vettel stand in Malaysia schon wieder auf dem Podium Foto: Getty

Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel stand in Malaysia etwas unerwartet als Drittplatzierter auf dem Podium. Nun wird von red Bull der Angriff auf Branchenführer Mercedes vorbereitet.

Bahrain - „Red Bull kommt zurück, und zwar schneller als wir alle denken.“ Niki Lauda weiß, dass man in der Formel 1 keinen Konkurrenten vorzeitig abschreiben darf. Schon gar nicht, wenn erst zwei von 19 Großen Preisen absolviert sind. Und selbst dann nicht, wenn der eigene Rennstall Mercedes diese beiden Rennen dominiert hat wie Red Bull die zweite Saisonhälfte 2013. Vor dem Großen Preis von Bahrain an diesem Sonntag (17 Uhr/RTL) führt Mercedes mit 68 Punkten die Konstrukteurs-WM an, die Silberpfeil-Fahrer Nico Rosberg (43 Punkte) und Lewis Hamilton (25) grüßen das Feld der Fahrer-WM von der Spitze.

Sowohl Team-Aufsichtsratschef Niki Lauda als auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff werden nicht müde, den Rivalen Red Bull stark zu reden, anstatt die eigenen Erfolge noch medienwirksamer zu platzieren. Der Respekt vor dem Abonnements-Champion der vergangenen Jahre war schon immer groß, nun ist er nach Platz drei von Sebastian Vettel in Malaysia weiter gestiegen. Angesichts der Fortschritte bei Red Bull in den vergangenen vier Wochen warnt Toto Wolff: „Wir dürfen nicht nachlassen, Red Bull wird uns diesen Gefallen nicht tun.“

Wenn es nicht läuft beim Lieblingsspielzeug von Brause-Milliardär Dietrich Mateschitz, dann wird kräftig investiert – neben der Erfolgserfahrung und dem geballten Know-How besitzt das Team auch immense finanzielle Möglichkeiten, mit denen von Mercedes problemlos vergleichbar. So hat Mercedes-Mann Toto Wolff beim Malaysia-Grand-Prix beobachtet, wie Red Bull „jeden Tag 60 Kisten mit neuen Teilen eingeflogen hat“. Kampflos wird der schöne Platz an der Sonne von Sebastian Vettel und seinen Kollegen nicht geräumt.

Das österreichische Team, das sich nach den desaströsen Wintertests innerhalb von vier Wochen als zweite Kraft im Feld zurückgemeldet hat, drückt weiter aufs Tempo. Die großen Probleme lieferte zuletzt der Renault-Motor, die Franzosen bekamen deshalb immer wieder deftige Watschn von ihrem Premiumkunden. „Wenn Renault in zwei bis drei Monaten keine merkliche Besserung zustande kriegt, werden wir definitiv über eine Alternative reden“, polterte Red-Bull-Berater Helmut Marko. Die markigen Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Immerhin sendet Renault verstärkt positive Signale, das Defizit gegenüber Mercedes könne weiter abgebaut werden. „Auch wenn Red Bull weiter über die Motoren schimpft: Renault hat sehr schnell reagiert und das Weltmeister-Team wieder zur zweiten Kraft gemacht – vor Ferrari“, unterstreicht der ehemalige Rennfahrer Marc Surer, „Red Bull kommt mit seinen Verbesserungen schnell voran.“

Dass Mercedes laut zahlreicher Expertenmeinungen den besten Motor hat, räumte sogar Helmut Marko zuletzt ein. Doch die Lücke soll sukzessive verkleinert werden. „Noch haben wir einen Rückstand von 80 PS“, rechnet der Österreicher vor, „wenn Renault einen weiteren Sprung macht, sind es nur noch 40.“ Wie viel Wahrheit und wie viel Politik in der Aussage steckt, kann man nur vermuten. In Bahrain könnte das Renault-Triebwerk aber noch weit vom Mercedes-Niveau entfernt sein. Zumindest baut Teamchef Christian Horner einer Enttäuschung für die Red-Bull- und Vettel-Fans vor. „Ich denke der Vorteil von Mercedes wird in Bahrain möglicherweise größer sein als in Malaysia“, sagt der Brite, „denn das ist eine Strecke, auf der es auf den vier Geraden vor allem auf die Motorleistung ankommt.“

In trügerische Sicherheit lässt sich Toto Wolff mit dieser Einschätzung nicht versetzen. „Wir setzen unsere Stärke nicht als selbstverständlich voraus. Wir wissen, dass sich das Blatt sehr schnell wenden kann“, betont der Mercedes-Motorsportchef. Worte, die im vergangenen Jahr Sebastian Vettel ziemlich häufig gesagt hat.

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