Eine junge Wissenschaftlerin experimentiert in einem Labor. Foto: Mauritius

Der Bund finanziert in den nächsten Jahren 468 neuartige Professuren für die nachwachsende Forschergeneration. Insgesamt sollen es tausend Stellen werden. Das hat Vorteile für die jungen Wissenschaftler.

Berlin - Die Universitäten in Baden-Württemberg können sich freuen. Bei der ersten Tranche des bundesweiten Förderprogramms für den wissenschaftlichen Nachwuchs haben sie sich 65 Tenure-Track-Professuren sichern können. Tenure-Track bedeutet, dass die Chance besteht, nach einer befristeten Bewährungszeit eine Stelle auf Lebenszeit zu erhalten. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) freut sich darüber, dass die Hochschulen in Baden-Württemberg als einziges Land Erfolg bei allen antragstellenden Universitäten vermelden können. Der Normalfall ist das nicht. Von 75 eingegangenen Anträgen auf diese Fördermittel wurden insgesamt 34 positiv beschieden, erklärte Eva Quante-Brandt (SPD), Wissenschaftssenatorin in Bremen und Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftsministerkonferenz (GWK), bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) in Berlin.

Stuttgart, Freiburg und Tübingen liegen vorne

Stuttgart, Freiburg und Tübingen erhalten jeweils zwölf solcher Professuren, Heidelberg bekommt elf, das Karlsruher Institut für Technologie neun, die Universität Konstanz sechs und die Universität Hohenheim drei solcher Professoren. Enttäuscht ist die Stuttgarter Wissenschaftsministerin Theresia Bauer darüber, dass die pädagogischen Hochschulen, die es nur im Südwesten gibt, bei dem Förderprogramm leer ausgegangen sind.

Zusätzlicher Karriereweg neben der Habilitation

In der ersten Förderrunde werden 468 solcher zusätzlicher Stellen geschaffen. Bewerben konnten sich 136 Hochschulen mit ihren Personalentwicklungskonzepten. Die Auswahl traf eine Wissenschaftlerkommission. Ziel des Programms ist es, der nachwachsenden Wissenschaftlergeneration einen zusätzlichen Karriereweg zu einer unbefristeten Professur neben der in Deutschland traditionellen Habilitation zu eröffnen. Insgesamt haben Bund und Länder vereinbart, von 2017 bis 2032 insgesamt tausend solcher in Deutschland neuartigen Professuren zu fördern. Der Bund stellt dafür insgesamt eine Milliarde Euro für Personalkosten zur Verfügung. Die Länder garantieren die Anschlussfinanzierung, so dass die unbefristeten Stellen dauerhaft zur Verfügung stehen und nicht an anderer Stelle weggekürzt werden.

Der Bund investiert eine Milliarde Euro

„Mit diesem Programm schaffen wir besser planbare, transparentere und überschaubarere Karrierewege für begabte junge Wissenschaftler“, erklärte die Bremer Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt. Mit dem Tenure-Track, der in den Wissenschaftssystemen der angelsächsischen Länder der Normalfall ist, werde nicht nur ein Kulturwandel bei der Personalentwicklung an den deutschen Hochschulen in die Wege geleitet. Die wissenschaftlichen Ausbildungswege würden damit international anschlussfähig. „Der Tenure-Track schafft für begabte Wissenschaftler die Möglichkeit, zu einem früheren Zeitpunkt eine feste Professorenstelle zu erhalten.“ Die Möglichkeit, sich über eine Habilitation als Wissenschaftler zu etablieren, bleibe erhalten.

Jede dieser Stellen schlägt nach Aussage von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka mit Personalkosten von insgesamt einer Million Euro oder etwa 120 000 Euro jährlich zu Buche. Der Förderzeitraum erstreckt sich auf maximal 13 Jahre. Sollte zur Ausstattung der zusätzlichen Stellen technische Ausrüstung benötigt werden, müssen die Universitäten dies finanzieren.

Vergeben wurden die Mittel in einem Wettbewerbsverfahren, die Förderentscheidung hat eine Gutachterkommission getroffen. 2019 soll die zweite Tranche dieses Wettbewerbs über die Bühne gehen.

Bis die neuen Wissenschaftler forschen können, wird noch Zeit vergehen. Die Stellenausschreibungen können jetzt erst auf den Weg gebracht werden.

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