Die Absturzstelle des Flugzeuges in Äthiopien. Foto: AP

Eine neue Boeing 737-8 MAX stürzt in Äthiopien kurz nach dem Start ab und reißt fast 160 Passagiere und Crewmitglieder in den Tod. Nach und nach werden Informationen über die Opfer bekannt: Unter ihnen sind offenbar Deutsche sowie UN-Mitarbeiter.

Addis Abeba - Ein verheerender Flugzeugabsturz in Äthiopien hat 157 Menschen das Leben gekostet, unter den Opfern sind UN-Mitarbeiter und womöglich auch Deutsche. Mit großer Trauer und Bestürzung stelle er fest, dass das UNHCR Todesfälle zu beklagen habe, teilte Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi am Sonntag mit. Zuvor hatte die Fluggesellschaft Ethiopian Airlines eine Liste mit Angaben zu den Herkunftsländern der Opfer veröffentlicht.

Die Boeing 737-8 MAX war am Morgen sechs Minuten nach dem Start von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba mit dem Ziel Nairobi verunglückt. Die Unglücksursache ist noch unklar. Die Toten stammen der Airline zufolge aus 35 unterschiedlichen Ländern. Die meisten Opfer kamen demnach aus Kenia, Kanada und Äthiopien. Aus UN-Kreisen verlautete, vermutlich seien zwölf Mitarbeiter oder mehr ums Leben gekommen. Neben Kollegen der Vereinten Nationen seien auch andere Partner an Bord des Unglücksfliegers gewesen, sagte Grandi ohne genaue Zahlen zu nennen.

Das Welternährungsprogramm gab bekannt, zwei der insgesamt acht toten Italiener an Bord hätten für das WFP-Büro in Rom gearbeitet. Auch die italienische Hilfsorganisation Cisp und die Stadt Bergamo im Norden des Landes meldeten, humanitäre Helfer seien unter den Opfern.

Bundeskanzlerin erklärt ihre Anteilnahme

Auf der Liste von Ethiopian Airlines wurden außerdem fünf Deutsche und drei Österreicher als verunglückt geführt. Außenminister Heiko Maas erklärte, im Bemühen um Aufklärung stehe die deutsche Botschaft in Addis Abeba in engem Kontakt zu den äthiopischen Behörden. Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte ihre Anteilnahme. Sprecherin Martina Fietz twitterte, Merkels Mitgefühl gelte den Angehörigen der Opfer.

Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete - als Standardverfahren beim Tod von Franzosen im Ausland - eine Ermittlung ein. Nach Regierungsangaben starben in dem Flugzeug acht Franzosen, die Fluggesellschaft sprach dagegen von sieben französischen Opfern. Ungeachtet dessen teilte die französische Behörde für Flugunfälle mit, vermutlich in die äthiopischen Untersuchungen zum Absturz eingebunden zu werden. Der französische Technologiekonzern Safran habe den Flugmotor der betroffenen Boeing-Maschine gemeinsam mit dem US-Konzern General Electric hergestellt.

Sicht war offenbar gut

Die Ursache für den Absturz blieb vorerst unklar. Der Pilot habe nach dem Abflug aber einen Notruf abgegeben und darum gebeten, umkehren zu dürfen, sagte der Chef von Ethopian Airlines, Tewolde Gebremariam. Die Maschine ging schließlich in der Nähe von Bishoftu zu Boden, etwa 50 Kilometer südlich von Addis Abeba.

Bis zum Abend waren Mitarbeiter des Roten Kreuzes und andere Suchtrupps im Einsatz, um Trümmer und andere Überreste sicherzustellen. Zu Besuch am Absturzort hatte der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed zuvor seine „tiefe Traurigkeit“ ausgedrückt und eine umfassende Ermittlung zur Absturzursache angekündigt. Wie es aus seinem Büro hieß, würden Hinterbliebene alle nötige Unterstützung erhalten.

Für den Flugzeugtyp Boeing 737-8 MAX ist es nicht das erste schwere Unglück. Im Oktober war eine Maschine des Modells wenige Minuten nach dem Abflug aus Jakarta abgestürzt, alle 189 Menschen an Bord kamen ums Leben. Laut Flugdatenschreiber hatte die Fluggeschwindigkeitsanzeige dieser Maschine bei den letzten vier Flügen nicht richtig funktioniert. Die Fluggesellschaft Lion Air hatte anfänglich gesagt, Probleme mit der Maschine seien behoben worden.

Flightradar 24 twitterte, die vertikale Geschwindigkeit des Unglücksflugzeugs von Ethiopian sei nach dem Start instabil gewesen. Die Sicht sei offenbar gut gewesen.

Die staatliche Airline bezeichnet sich als größte Fluggesellschaft Afrikas. 2010 war eines ihrer Flugzeug nach dem Abflug aus Beirut verunglückt, wobei alle 90 Menschen an Bord ums Leben kamen. Gleichwohl gilt Ethiopian weithin als die am besten geführte Fluggesellschaft Afrikas.

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