Das Flüchtlingslager Dohuk im Nordirak. Foto: AP

Ob die überwiegend jesidischen Flüchtlinge im nordirakischen Dohuk je in ihre Heimat zurückkehren können, ist offen. Baden-Württemberg unterstützt deshalb die Provinz.

Nordirak - Die bereitgestellte Hilfe aus Deutschland kann die Situation der Menschen im Nordirak nur schleichend verbessern – es gebe immer noch kaum warmes Wasser, klagt ein Mann, als die Besucher aus Baden-Württemberg die Solaranlage im Flüchtlingslager Mam Rashan besichtigen. Die Anlage, die im vergangenen Herbst fertig­gestellt wurde, versorgt rund 20 Prozent der über 8500 Flüchtlinge in dem Containerdorf mit Strom. Künftig soll etwa die Hälfte der Bewohner durch die Sonnenenergie versorgt werden.

Per­s­pektiven für die Zukunft

Dafür hat die baden-württembergische Landesregierung weitere 350 000 Euro genehmigt. „Die Fotovoltaikanlage in Mam Rashan kann ein Vorbild für andere Camps sein“, sagt Philipp Keil, Geschäftsführer der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg, die das Projekt betreut hat. „Es trägt zu einer deutlich besseren Versorgung der Bewohner bei.“

Die Solaranlage ist eines von mehreren Projekten des Landes, die das Leben der überwiegend jesidischen Flüchtlinge im Nordirak erleichtern und ihnen Per­s­pektiven für die Zukunft eröffnen sollen. In den vergangenen Jahren hat Baden-Württemberg mehr als drei Millionen Euro Hilfe bereitgestellt, um Projekte auf den Weg zu bringen. Später sollen diese von Partnern vor Ort selbstständig weitergeführt werden.

Kampf gegen das Elend

„Unsere Hilfe soll dazu beitragen, dass Binnenvertriebene, Flüchtlinge aus Syrien und Einheimische nicht aus Verzweiflung ihre Flucht fortsetzen, sondern ihre Zukunft hier vor Ort sehen“, sagte Staatsministerin Theresa Schopper (Grüne) in Dohuk. Vergangene Woche haben sie und der Gouverneur der Provinz Dohuk, Farhad Atrushi, das Kooperationsabkommen von 2015 um weitere zwei Jahre verlängert. Denn die humanitäre Lage der 150 000 überwiegend jesidischen Vertriebenen in und um Dohuk ist immer noch sehr schwierig. Für 2020 und 2021 sind je 600 000 Euro vorgesehen, 2019 steht eine Million bereit.

Erste Schritte in Richtung Zukunft

Mit 150 000 Euro unterstützt das Land 2019 die Gründung einer landwirtschaftlichen Genossenschaft in Mam Rashan. Durch den Anbau von Obst und Gemüse soll sich nicht nur die Versorgung im Camp verbessern. Zugleich erhalten Flüchtlinge neue Erwerbsmöglichkeiten – einige von ihnen waren vor ihrer Vertreibung Bauern. In Richtung Selbsthilfe zielt auch das geplante Foliengewächshaus, das besonders lang­lebig sein soll. Dabei wollen die Staatsschule für Gartenbau und die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GiZ) auch erforschen, welche Pflanzen in der im Sommer sehr heißen und im Winter kalten Region am besten gedeihen. Die Teppichmanufaktur Khanke, in der geflüchtete Frauen ihren Lebensunterhalt verdienen, erhält 150 000 Euro aus dem Südwesten.

Förderung für Stipendiaten

Zudem will das Land die Studierenden am Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie Dohuk weiter fördern, für Stipendien gibt es 252 000 Euro. „Wir freuen uns, dass bereits heute Früchte unserer Kooperation erkennbar sind“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Neben der staatlichen Hilfe unterstützen private Initiativen aus dem Land die Flüchtlinge, etwa die Luftbrücke Irak, die unter anderem mit Kirchengemeinden im Kreis Böblingen zusammenarbeitet.

Politiker begrüßen Hilfsprojekte

Bei den mitreisenden Landtagsabgeordneten stoßen die Projekte auf positive Resonanz. Sie befürworten, dass das Land weiterhin die Flüchtlinge im Nordirak unterstützt. „Ich bin überrascht über das große ehrenamtliche Engagement“, sagt Jochen Haußmann (FDP). Daniel Lede Abal (Grüne) mahnt, alles zu tun, um den Kindern in den Flüchtlingscamps eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

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