Die deutschen Geldhäuser müssen laut Bundesbank ihre Abwehrkräfte stärken. Foto: dpa

Die Behörde befürchtet, dass Banken und andere Finanzdienstleister Risiken unterschätzen. Sie müssten sich für Extremszenarien wie einen ungeordneten Brexit oder eine Eskalation des Handelskonflikts wappnen.

Frankfurt - Die deutsche Finanzbranche muss nach Einschätzung der Bundesbank ihre Krisenprävention verbessern. Banken, Versicherungen und andere Finanzdienstleister sollten ihre Abwehrkräfte stärken, forderte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch am Mittwoch bei der Vorlage des jährlichen Finanzstabilitätsberichts: „Wenn die Grippewelle erst einmal da ist, ist es für die Schutzimpfung oft zu spät.“

Zwar sieht die Bundesbank den Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung im dritten Quartal noch nicht als Alarmsignal. „Empfindlich treffen“ würde die hiesigen Unternehmen aber beispielsweise eine Eskalation des Handelskonflikts mit den USA oder ein „harter Brexit“, also ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der EU. Die Finanzinstitute müssten höhere Puffer zur Abfederung solcher Risiken aufbauen.

In einer Rezession könnte es zur Kreditklemme kommen

Ohne entsprechende Vorsorge besteht laut Buch die Gefahr, dass bei einem echten Konjunktureinbruch die Banken ihre Kreditvergabe einschränken und damit die Krise verschärfen. Um eine solche Abwärtsspirale zu vermeiden, müssten die Institute in ihrem Risikomanagement auch Extremszenarien berücksichtigen.

Die Warnungen der Bundesbank speisen sich aus der Befürchtung, dass die Finanzdienstleister nach jahrelangem Aufschwung Risiken unterschätzen. Zwar haben die deutschen Banken seit der Finanzkrise ihre Eigenkapitalpuffer erhöht, in einer Rezession könnten diese aber rasch dahinschmelzen. Der Grund: Die Kapitalquoten setzen das Eigenkapital ins Verhältnis zu den Bilanzrisiken. Diese sind in den vergangenen Jahren gesunken, weil kaum Kredite ausfielen und sich das Auf und Ab an den Kapitalmärkten in Grenzen hielt.

Sollten Insolvenzraten und Marktturbulenzen drastisch zunehmen, so müssten die Banken die Kapitalpuffer erhöhen – was in einer Krise besonders schwierig ist. Zu den Risiken, die in einer Rezession ausschlagendgebend werden könnten, zählt die Bundesbank auch die „Überbewertung“ von Immobilien. Die Preise für Häuser und Wohnungen in den Städten lägen 15 bis 30 Prozent über dem Niveau, das angesichts von Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum zu erwarten wäre. Auch das Volumen der Wohnungsbaukredite steigt seit 2010 mit zunehmender Geschwindigkeit. Mit zuletzt 4,4 Prozent liegt die Wachstumsrate aber noch unter dem Durchschnittswert der vergangenen 35 Jahre.

Überbewertung auf dem Immobilienmarkt

Trotz erster Hinweise für eine Lockerung der Kreditstandards sprach sich die Bundesbank gegen ein Einschreiten der Aufsichtsbehörden aus. Diese können beispielsweise eine Obergrenze für die Darlehenshöhe im Verhältnis zum Marktwert der Immobilie festlegen. Buch erklärte, die Hürden für einen solchen Eingriff lägen hoch – auch, weil die Folgen mangels ausreichender Daten schwer abzuschätzen seien. Die Aufsicht benötige dringend eine gesetzliche Grundlage für eine umfassende Erhebung von Kreditkonditionen und der Verschuldung von Darlehensnehmern. In vielen Ländern sei dies längst Standard.

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