Welches Formular darf’s denn sein? Viele Steuererklärungen werden heute elektronisch abgegeben. Foto: dpa/Arno Burgi

Die Länder sollten das Tempo der Finanzämter stärker angleichen, meint StN-Autor Klaus Köster.

Stuttgart - Die Zahl lässt aufhorchen: Zwischen 27 und 85 Tagen vergehen zwischen der Einreichung einer Einkommensteuererklärung und dem Bescheid – je nach Finanzamt, mit dem man es zu tun bekommt. Auch in Baden-Württemberg sind die Unterschiede beträchtlich, und selbst innerhalb Stuttgarts machen sie noch rund 20 Tage aus. Das kann die Bürger be- oder entlasten – je nachdem, ob auf sie eine Erstattung warten oder aber eine Nachzahlung ansteht.

Ansturm unterschiedlich bewältigt

Ob die Finanzämter am oberen Rand der Skala besonders schnell sind oder die am unteren Bereich besonders langsam, liegt zwar im Auge des Betrachters. Doch offenkundig sind die einzelnen Behörden in sehr unterschiedlichem Ausmaß in der Lage, den Ansturm an Steuererklärungen zeitnah zu bewältigen. Das liegt allerdings auch daran, dass einzelne Länder ihre Ämter unterschiedlich ausstatten. Und es macht auch einen Unterschied, ob in einer Region viele Vermieter sitzen, deren Steuern kompliziert zu ermitteln sind – oder ob viele Fälle weitgehend automatisiert bearbeitet werden können.

Die Idee einer bundesweiten Steuerverwaltung könnte auf den ersten Blick Abhilfe schaffen, hätte aber ihrerseits Schwächen. Sie könnte zwar dazu führen, dass die Ausstattung und die Leistungsfähigkeit eines solchen Bundesfinanzamts einem festgelegten Standard folgt. Doch ob diese Angleichung dann nach oben oder nach unten stattfindet, ist eine ganz andere Frage. Denn das föderale System erlaubt Vergleiche, die in einem bundesweiten System so nicht mehr möglich wären. Das zeigt sich nicht zuletzt im Bildungssystem, wo Länder mit schwächeren Schulleistungen sich angestachelt fühlen dürfen, sich in der Rangliste nach oben zu bewegen. Warum sollte dies nicht auch beim Fiskus gehen?

klaus.koester@stuttgarter-nachrichten.de

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