In Cannes küsst Pedro Almodóvar Penelope Cruz, und Antonio Banderas macht dazu Faxen Foto: AFP

Pedro Almodóvar und Terrence Malick melden sich mit großen Filmen auf die Leinwand zurück. Im einen sind Penelope Cruz und Antonio Banderas zu bewundern, im anderen gibt es Bruno Ganz in einer seiner letzten Rollen zu sehen.

Cannes - Zwanzig Jahre ist es her, dass Pedro Almodóvar erstmals mit einem Film in den Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes eingeladen wurde; mit „Leid und Herrlichkeit“, der am Freitagabend Premiere feierte, ist er nun zum sechsten Mal vertreten. In all den Jahren an der Croisette gewann er zwar Regie- und Drehbuchpreise, aber nie die Goldene Palme, und ob sich daran in diesem Jahr etwas ändert, wird sich erst am Samstagabend zeigen. Doch zur Halbzeit des Festivals befindet sich der Spanier nun zumindest in der Pole Position.

Im Zentrum seines neuen Films steht der Filmemacher Salvador Mello (Antonio Banderas), der sich von der Arbeit an der Kamera verabschiedet und in seine mit Kunst vollgestopfte Madrider Wohnung zurückgezogen hat, wo er vor allem damit beschäftigt ist, seine chronischen Schmerzen in den Griff zu bekommen. Doch dann bringen einige Begegnungen mit alten Wegbegleitern (sowie die eine oder andere Droge) ihn dazu, sich intensiv mit der eigenen Vergangenheit (Penélope Cruz spielt in Rückblenden seine Mutter) auseinanderzusetzen.

Ein Western aus China

Sie hasse Auto-Fiktion, sagt eine Figur an einer Stelle des Films, was von Almodóvar natürlich nur augenzwinkernd gemeint sein kann, schließlich ist „Leid und Herrlichkeit“, der im Juli auch in die deutschen Kinos kommen wird, genau das. Wer sich ein wenig auskennt mit Werk und Biografie des Spaniers wird hier unzählige Bezüge und Referenzen entdecken. Aber auch alle anderen werden sich der Emotionalität und Melancholie dieses meisterlich erzählten Films kaum erwehren können, der auch dank Banderas in Bestform, beeindruckender Kameraarbeit und ebensolcher Ausstattung Almodóvars bester seit weit über zehn Jahren ist.

Starke Regieleistungen gab es über das Wochenende allerdings auch anderswo zu bewundern. Der Chinese Diao Yinan etwa, der vor fünf Jahren den Goldenen Bären der Berlinale mit nach Hause nehmen durfte, inszeniert „Nan Fang Che Zhan De Ju Hui (The Wild Goose Lake)“ als astreinen Gangsterthriller – und das auf geradezu virtuose Weise. Als Kommentar auf gesellschaftliche Entwicklungen in China funktioniert seine Jagd auf einen Motorradgang-Anführer weniger offensichtlich als andere chinesische Festivalfilme der jüngsten Zeit. Doch Diaos Regieeinfälle und Bilder suchen ihresgleichen.

Bruno Ganz in einer seiner letzten Rollen

Auch Jessica Hausner überzeugte mit „Little Joe“ nicht zuletzt durch ihre Inszenierung, allen voran was eine enorm durchdachte, bis ins kleinste Detail durchkomponierte Bild- und Farbgestaltung sowie ihre verstörende Tonspur angeht. Inhaltlich kann es ihre Geschichte über eine Wissenschaftlerin (Emily Beecham), die eine glücklich machende Pflanze gezüchtet hat, die auf ihr Umfeld bald noch ganz andere Auswirkungen hat, allerdings mit der intellektuellen Kühle der Protagonistin aufnehmen. Als bemerkenswert aussehendes Gedankenspiel über Depression, Elternschaft und die emotionale Abstumpfung der Gesellschaft funktioniert die Arbeit der österreichischen Regisseurin, die erstmals um die Goldene Palme konkurriert, in jedem Fall.

Wo Hausner für ihren Film nach England ging, begibt sich Terrence Malick mit „Ein verborgenes Leben“ nach Österreich (wobei vor allem in Berlin, Brandenburg und Südtirol gedreht wurde). Seiner Vorliebe für überwältigende Naturpanoramen ist der Amerikaner auch mit der Geschichte des österreichischen Bauern Franz Hofstätter (stark: August Diehl) treu geblieben, der sich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus Glaubensüberzeugung dem Einzug zum Militär verweigerte. Doch nach seinen zuletzt eher wenig überzeugenden Arbeiten, die meist ins Prätentiös-Assoziative abdrifteten, wendet er dieses Mal die unverkennbar lyrische Handschrift auf eine klassische Erzählung an, die von den bitteren Konsequenzen einer unerschütterlichen, widerständigen Aufrichtigkeit handelt. Ein wenig zu lang ist „Ein verborgenes Leben“ (in dem Bruno Ganz als Richter eine seiner letzten Rollen spielt) mit seinen 173 Minuten dabei sicherlich geraten. Doch insgesamt ist dies für den Palmen-Gewinner von 2011 ähnlich wie für Almodóvar eine willkommene Rückkehr zu alter Form, in einem bislang insgesamt sehr überzeugenden Wettbewerbs-Jahrgang.

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