Edita Malovcic, Katja Riemann, Barbara Auer, Matthias Brandt (hinten v. li.), Amer Ailovic, Stefan Krohmer, Heino Ferch (vorne, v. li.). Foto: Leif Piechowski

Der SWR dreht in Degerloch Film mit Katja Riemann, Heino Ferch, Barbara Auer und Matthias Brandt.

Stuttgart - Der Hainbuchenweg ist eine gute Adresse. In der schmalen Straße in Degerloch wohnen gut Betuchte. In den vergangenen Tagen war die Nachbarschaft noch exklusiver: Katja Riemann, Barbara Auer, Heino Ferch und Matthias Brandt waren für einen Filmdreh eingezogen.

Ein Wohnmobil steht am anderen. Auf der Ladefläche eines Lasters bereitet ein Koch Nudeln zu. Nebenbei reicht er Becher mit Kaffee heraus. Keine Angst, die Ruhe der Degerlocher ist bald wieder ungestört. Weder ist der Campingplatz vom Neckarufer auf Degerlochs Höhen umgezogen, noch haben die Holländer die Waldeslust entdeckt. Auch Filmteams leben wie die Nomaden. Beleuchter, Toningenieure, Kameraleute, alle müssen sie ihr Material mitbringen. Und dann spielen in der Produktion vom Südwestrundfunk, Westdeutschem Rundfunk und Arte fünf Stars mit: Katja Riemann, Heino Ferch, Barbara Auer, Matthias Brandt und Edita Malovcic.

Nach gerade mal fünf Wochen im neuen Heim machten die Eigentümer Platz

Fünf Stars bedeutet fünf Wohnwagen. Als Pausenraum, zum Durchschnaufen, zum Nachdenken, zum Hinlegen. „Andreas“, „Heike“, „Peter“, „Christa“ und „Simone“ steht draußen an den Türen, die Filmnamen der Schauspieler. Muss ja nicht jeder gleich wissen, wer in der Stadt ist. Zumal der Drehort geheim bleiben soll. Den habe, so Produzent Jochen Laube von Teamworx, ein „Location Scout“ gefunden. Das ist so eine Art Trüffelsucher, er sucht aber keine Pilze, sondern Drehorte.

Er ist in Degerloch fündig geworden. Er entdeckte eine Villa, die gerade umgebaut wurde. Als sich herausstellte, dass die Besitzerin ebenso wie Laube und Regisseur Stefan Krohmer bei Professor Albrecht Ade an der Kunstakademie Stuttgart und an der Filmhochschule Ludwigsburg studierte hatten, war klar: Die Filmer dürfen einziehen. Nach gerade mal fünf Wochen im neuen Heim machten die Eigentümer Platz und stellten für drei Wochen ihr Haus zur Verfügung. Bedingung: Das Filmteam darf nicht verraten, wo das Haus ist. Man fürchtete offenbar Besuche von Katja-Riemann-Verehrern und Heino-Ferch-Anbeterinnen.

Also machte der SWR erst gegen Ende der Dreharbeiten publik, mit welch illustrem Ensemble er gerade an Stuttgart an einem Fernsehfilm dreht. Und bat am Montag ins Waldhotel nach Degerloch. Wenn man schon Stars hat, muss man sie auch zeigen. 1,9 Millionen Euro kostet der Film, einige hunderttausend Euro mehr als üblich, sagt SWR-Redakteurin Brigitte Ditthard, 25 Drehtage kann man damit zahlen, 21 müssen sonst reichen, sagt Produzent Laube. Man merkt, das soll kein 08/15-Film von der öffentlich-rechtlichen Stange sein. Kein schnell gefilmter Krimi, kein Liebesgewese in Cornwall, keine Veronica-Ferres-Schicksalsschnulze.

Der Film musste einfach in Stuttgart gedreht werden

Worum geht’s? Heino Ferch spielt Peter Staude. Einen Bauunternehmer, durchaus prollig und protzig, der Wohltäter ist etwa für Moritz Blank (Amer Ailovic) und Gelder für Behinderte sammelt. Dabei hilft ihm seine Frau Christa (Katja Riemann). Peter Staude hat eine Affäre mit Heike Rogel (Barbara Auer), Frau seines Freundes Andreas Rogel (Matthias Brandt). Der Lehrer Rogel bekommt mit, dass Peter Staude Spendengelder veruntreut hat. Er macht dies öffentlich, damit gerät alles ins Rutschen.

„Schon seit drei Jahren möchten wir mit Autor Daniel Nocke und Regisseur Stefan Krohmer zusammenarbeiten“, sagt Brigitte Ditthard. Nun endlich habe sich die Gelegenheit ergeben. Aber klar sei gewesen, „dass der Film in Baden-Württemberg, in Stuttgart gedreht werden muss“. Da brauchte sie nicht viel Überzeugungsarbeit leisten. Laube lebt noch in Ludwigsburg. Krohmer stammt aus Reutlingen, hat in Ludwigsburg studiert, „und freut sich, dass ich zehn Jahre nach meinem Abschlussfilm an der Akademie wieder hier drehe“. Nicht nur, weil er gerne hier sei, „sondern, weil die Geschichte auch gut hierher passt, die Optik, die Architektur, das Autofahren, das fühlt sich alles richtig an für den Film.“

„Die Figuren passen in keine Schublade“

Er verspüre hier ein gutes Lebensgefühl, „das ich an die Schauspieler weitergeben kann“. Wobei die sich durchaus an gutem Gefühl erfreuen können, an den Reizen Stuttgarts dagegen weniger. Matthias Brandt: „Wenn ein Schauspieler etwas sagen kann zu dem Ort, an dem er dreht, dann ist er unterbeschäftigt.“ Mehr zu sagen hatte er zum Film: „Die Figuren sind nicht klar zuzuordnen, sie passen in keine Schublade.“ Das mache den Reiz dieses Films aus. Und das Arbeiten mit den Kollegen: „Das ist ein großes Vergnügen, ein Fest.“

Man lobte sich gegenseitig, allesamt auch noch den Regisseur, der allerdings einen Makel hat. Den Heino Ferch enthüllte: „Stefan Krohmer ist FC-Bayern-Fan.“ Die gewannen ja früher immer, mittlerweile verlieren sie auch mal; man weiß nicht mehr so genau, was am Ende rauskommt. Eine Erfahrung, die Krohmer in seinen Film einbaut. Da weiß man auch nicht, wie’s ausgeht. „Wir fordern den Zuschauer“, sagt Ferch. So was sollte man eigentlich nicht laut sagen. Ein solcher Satz führt bei der ARD zur sofortigen Versetzung ins Nachtprogramm. Man darf dennoch zuversichtlich sein, dass der Film mit dem Arbeitstitel „Verratene Freunde“ im Herbst 2013 um 20.15 Uhr gezeigt wird. Die ARD funktioniert da recht simpel, man kann durchaus sagen, je mehr Wohnwagen am Drehort, desto besser ist der Sendeplatz.

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