Christoph Traub verschafft sich durch Praktika Einblick in die Arbeit seiner Abteilungen. Bei der Spielplatzkontrolle muss der Filderstädter OB Müll beseitigen. Im Video berichtet er darüber.

Filderstadt - Wer am Freitagmorgen um sechs Uhr zum Frühschwimmen ins Bernhäuser Gartenhallenbad geht, wird seine Karte von einem Praktikanten erhalten: Oberbürgermeister Christoph Traub. Mit dem frühen Dienst beendet er eine Tour als Praktikant durch die Abteilungen der Stadtverwaltung.

„Die Idee dazu ist auf der Weihnachtsfeier der Verwaltung entstanden, sagt Christoph Traub. Bei der gemütlichen Veranstaltung saß er neben der Kassiererin des Gartenhallenbads und diese lud ihn launig ein, einen halben Tag lang an der Kasse zu sitzen. Der OB nahm seine Mitarbeiterin beim Wort und baute das Ganze zu einer Praktika-Tour aus.

Bei strahlendem Sonnenschein kommen am vergangenen Montag die Tiefbauamtsmitarbeiter Nico Arnold und Dieter Weinmann gegen elf Uhr mit dem OB in einem orangenen Lieferwagen an den Spielplätzen bei der Uhlberghalle in Bonlanden an. Traub, der schon seit sieben Uhr Sportplätze geprüft und gereinigt hat, startet zur zweiten Tagesetappe durch. Er trägt Arbeitshandschuhe zum Schutz der empfindlichen Juristenhände und zur verwaschenen Jeans ein blaues T-Shirt mit der Aufschrift „GSD“. „Das Kürzel bedeutet nichts, es heißt nicht ‚Gemeinde-Spielplatz-Dienst’“, scherzt er.

Das Augenmerk liegt auf Glasscherben

„Wir machen heute auf den 70 Spielplätzen in Stadtgebiet eine Müll- und Sicherheitskontrolle“, sagt Arnold. Und schon geht’s los: Traub, Arnold und Weinmann pieksen Papier vom Boden auf und stecken das, was die Leute achtlos weggeworfen haben, in blaue Müllsäcke. „Heute sind wir langsam, weil der Praktikant dabei ist“, scherzt Traub. Alles in allem erwischt der OB mit dem Papiermüll einen leichten Tag. „Hier hat schon mal jemand nachts mit dem Lastwagen seine ganze Einrichtung samt Kühlschrank entsorgt“, sagt Arnold. Immer wieder finde man auch Fixer-Besteck und Matratzen. „Alles, was sich im öffentlichen Raum tummelt, bewegt sich auch hier“, sagt der OB. „Am problematischsten sind Spielplatze, an die man mit dem Auto fahren kann“, sagt Weinmann.

Weil es bei der Putzete nicht nur um Ästhetik, sondern auch um Sicherheit geht, achten die drei besonders darauf, dass keine Glasscherben am Boden liegen, an denen sich Kinder und Eltern verletzen können. „Hier wird schon mal ein Tischgrill mitgebracht und getrunken. Das ist unproblematisch, solange die Leute keine Flaschen zerbrechen“, sagt Arnold. Wenn man Scherben mühsam aus dem Kiesboden herausfischen müsse, dann sei das ein großer Aufwand. Der Müll wird im Bauhof erst getrennt und dann in Container geworfen. Dann fährt ihn ein Mitarbeiter auf eine Deponie. „Pro Woche entsorgen wir rund 15 Kubikmeter Abfall von allen Spielplätzen“, sagt Arnold.

Spielgeräte werden auf Verschleiß geprüft

Genau prüft das Trio auch die Spielgeräte auf Festigkeit und Verschleiß und ob die beweglichen Teile wie die Ketten oder Schaukeln auch halten und die Kettenglieder in Ordnung sind. Bei Bedarf werden die Ketten ersetzt. Einmal im Jahr prüfe auch der Tüv und gebe Tipps. „Von den Spielgeräten darf keine Gefahr ausgehen, aber die allgemeine Lebensgefahr lässt sich nirgendwo ausschließen“, sagt der rechtskundige Praktikant.

Rund 5000 Arbeitsstunden haben die Tiefbauamts-Mitarbeiter bei der Kontrolle der Sport- und Spielplätze und der Außenbereiche der 15 Schulen in den fünf Stadtteilen im vergangenen Jahr geleistet. Für den OB ist der Spielplatzdienst der vorletzte Praktikumstag. Vorher war er im Kindergarten, in der Stadtbibliothek und in der Kläranlage. Er war im Gartenhallenbad und einen Tag lang mit dem Gemeindevollzugsdienst unterwegs. „Auch heute habe ich einiges mitbekommen, was man verbessern und welche Spielgeräte man installieren kann“, sagt Traub. Normalerweise sitze er hinter dem Schreibtisch. Jetzt bei den Praktika leiste er körperliche Arbeit. „Man bekommt Respekt vor den Leistungen der Mitarbeiter.“ Dass der OB mit auf die Runde geht, ist für Weinmann ungewohnt. „Er stellt sich aber gut an“, versichert er.

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