Die Besitzer dachten, dass ihr weißes Kaninchen in seinem Stall sicher sei. Foto: dpa

Das Kaninchen wurde von seinen Besitzern in Filderstadt-Plattenhardt außerhalb des Geheges gefunden – mit abgetrenntem Kopf. Bei den Haltern schrillten die Alarmglocken. War es etwa ein Tierquäler?

Plattenhardt - Normalerweise hoppelt das Kaninchen in seinem Gehege hin und her. Doch vor einigen Wochen lag das Tier plötzlich neben dem Gehege – mit abgetrenntem Kopf. Weil das Kaninchen eigentlich in einem verschlossenen Stall die Nacht verbrachte, befürchteten die Halter das Schlimmste und riefen die Polizei. Die Besitzer mutmaßten, dass sich jemand in ihren Garten geschlichen, den Stall geöffnet und das Kaninchen mit einem Messer enthauptet haben könnte.

Doch der Förster Eckhard Hellstern gibt Entwarnung. Er hat sich das tote Kaninchen angeschaut und stellte fest: Die Tat wurde nicht von Menschenhand begangen. Für ihn sahen die Verletzungen ganz nach einem heimischen Raubtier aus. Er habe das schneeweiße Fell des Kaninchens näher betrachtet und dabei rote Fuchshaare entdeckt. Ein Fall wie dieser sei typisch für einen Fuchs: „Das sieht für Leute, die sich nicht auskennen, komisch aus: Als hätte man den Kopf mit einem Messer abgetrennt“, sagt Hellstern.

Der Förster hat den Fall aufgeklärt

Die Siedlung, in der das Kaninchen gefunden wurde, liegt in der Nähe zum Waldrand. Der Fuchs sei aber nicht nur dort aktiv, sondern treibe sich in der gesamten Siedlung herum, sagt Hellstern: „Der Fuchs hat festgestellt, dass es für ihn in der Siedlung ungefährlicher ist als im Wald.“ Hinzu komme, dass er dort in Mülleimern leicht Fressen finde.

Für den Förster ist der Fall damit abgeschlossen, doch er blieb nicht der Einzige: Noch ein zweites Mal lag ein Kaninchen tot neben dem Gehege. „Das kommt zu dieser Zeit im Jahr sehr häufig vor“, sagt Hellstern dazu. Der Grund dafür ist simpel: Die Füchse bekommen im Februar und März Welpen. Nachdem diese erst von der Mutter gesäugt werden, brauchen sie im Juni und Juli dann feste Nahrung. In diesem Zeitraum begeben sich die Eltern jede Nacht auf Nahrungssuche: „Die machen dann Beute, so viel es geht,“ sagt der Experte. Dafür würden die Tiere nachts ihre Bahnen ziehen und die Ställe nach Sicherheitslücken absuchen.

Im Fall der getöteten Kaninchen war der Stall mit einer Nylondecke abgedeckt gewesen. Selbst eine Verankerung mit Stäben habe den Fuchs nicht von seiner Tat abgehalten. „Da kommt der Fuchs dann leicht an das Kaninchen“, sagt Hellstern. Um die Kaninchen wirklich zu schützen, müsse man ein Vorhängeschloss anbringen. Er denkt, dass die Menschen das Raubtier unterschätzen: „Sie können sich oft nicht vorstellen, wie viel Kraft ein Fuchs hat.“

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