Allein auf Regen können die Bauern nicht mehr vertrauen. Foto: Patricia Sigerist

Die Hitze macht den Bauern auf der Filderebene jedes Jahr aufs Neue zu schaffen. Vor allem im Gemüseanbau wird Wasser knapp. Was tun?

Filderstadt - Die zunehmende Trockenheit in den Sommermonaten macht den Landwirten zu schaffen. Insbesondere diejenigen, die Gemüse und Salat produzieren, sind darauf angewiesen, ihre Felder künstlich zu beregnen. Doch das erforderliche Wasser steht nicht immer zur Verfügung.

Wie wird derzeit bewässert?

Bei der Bewässerung der Felder gibt es in Filderstadt zwei Möglichkeiten. Diejenigen Landwirte, die im Bereich von Bernhausen und Plattenhardt zur Beregnungsgemeinschaft Filder gehören, beziehen ihr Wasser direkt von der Filderwasserversorgung. Ein extra Rohrnetz befördert das kühle Nass direkt zu den Äckern.

Die anderen Bauern sind auf die allgemeine Trinkwasserversorgung angewiesen. Sie holen sich über Standrohre und Schläuche das Wasser auf die Äcker. Die Standrohre werden von den Filderstadtwerken gestellt.

Wann entsteht ein Engpass?

Der Schwachpunkt bei der Trinkwasserversorgung in Filderstadt ist der Hochbehälter Drei Linden nahe Harthausen. An ihn sind nicht nur Teile von Filderstadt, sondern auch Neuhausen und Wolfschlugen angeschlossen. Wenn viel Wasser gebraucht wird, muss rationiert werden. Dann gilt: die Trink- und Löschwasserversorgung hat Vorrang. Die Beregnung muss notfalls eingestellt werden. Dies war insbesondere im vergangenen Jahr der Fall, als wegen der Trockenheit besonders viel Wasser gebraucht wurde. Auch im Juni dieses Jahres sind laut Filderwasserversorgung die Landwirte angehalten gewesen, maßvoll zu bewässern.

Wie kann Bauern geholfen werden?

Als Ausweg aus der Notlage bietet sich der Bau von zusätzlichen Speichern an. Sie würden von der Filderwasserversorgung gefüllt und wären unabhängig vom übrigen Netz. Die Landwirte könnten ihr Waser exklusiv aus dem Speicher holen. Dabei müssten sie entweder Schläuche oder Tankwagen einsetzen. Es wird jedoch auch überlegt, ob ein System von festen Rohren, so wie es die Beregnungsgemeinschaft hat, gebaut werden soll. Voraussetzung wäre allerdings, dass das Land oder die Stadt Zuschüsse gibt. Auch die Speicher können nach Einschätzung des Geschäftsführers der Beregnungsgemeinschaft, Klaus Schumacher, nicht ohne Zuschuss erstellt werden. „Es werden noch ein bis zwei Sommer ins Land gehen, bis die neue Beregnung funktioniert“, sagt er vor diesem Hintergrund.

Was sind die nächsten Schritte?

Die Filderwasserversorgung und die Beregnungsgemeinschaft sind in die Planung eingestiegen. Oberbürgermeister Christoph Traub sagt: „Es ist die Aufgabe der Filderwasserversorgung, das Problem zu lösen.“ Der stellvertretende Geschäftsführer der Filderwasserversorgung, Wolfgang Schimpf, sieht nun allerdings zunächst die Beregnungsgemeinschaft am Zug. „Der Ball liegt bei den Bauern“, sagt er.

Die haben ein Ingenieurbüro beauftragt, zu ermitteln, wie groß der Wasserbedarf der Landwirte ist. Danach soll mit einer Machbarkeitsstudie herausgefunden werden, wie viele und wie große Speicher gebraucht werden. Gleichzeitig müssen geeignete Standorte für die Behälter gefunden werden.

Was sagt die Politik dazu?

Im Verwaltungsausschuss wurde diese Vorgehensweise diese Woche mehrheitlich begrüßt. Die Stadträte genehmigten außerdem 15 000 Euro für Projekte der Beregnungsgemeinschaft zur Fortentwicklung des Gewässer-, Boden- und Naturschutzes. Gleichzeitig votierten sie für eine weitere Bezuschussung der Landwirte, die nicht zur Beregnungsgemeinschaft gehören. Sie erhalten 75 Cent je Kubikmeter Wasser von der Stadt bis zum Jahr 2021. Während sich die beiden SPD-Stadträte und Stefan Zimmermann (Grüne) bei Enthaltungen von zwei Grünen-Stadträtinnen gegen diese Subvention aussprachen, votierten die Stadträte von Freien Wählern, CDU und FDP dafür.

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