Die Milchkühe von Klaus Wais müssen immer versorgt werden – auch an Weihnachten, Silvester und Neujahr. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Langweilen sich Bauern im Winter? Irrtum, das süße Nichtstun kehrt bei Landwirten auch in den kalten Monaten nicht ein. Zwei Bauern von der Filderebene in Stuttgart und dem Landkreis Esslingen erzählen, was auf dem Hof zurzeit alles anfällt.

Filder - „Ich sitze auf der Ofenbank“, sagt Klaus Wais auf die Frage, was er im Winter macht. Dann lacht er herzlich. Denn obwohl er in der kalten Jahreszeit weniger auf seinen Feldern unterwegs ist, macht er alles andere als nichts. „Ich verbringe sehr viel mehr Zeit im Büro, um das, was liegen geblieben ist, aufzuarbeiten“, sagt der Bauer des Demeterhofs am Eichenhain in Riedenberg. Dann zieht er Bilanz zur Ernte der Vormonate, plant auf dieser Grundlage das nächste Jahr, bestellt Kartoffeln und weiteres Pflanzgut.

Aber auch die Feldarbeit ist nicht komplett abgeschlossen. Mitte Dezember hat Klaus Wais den letzten Brokkoli der Saison geerntet. Danach galt es, Felder zu pflügen und Winterweizen einzusäen. Auch jene Äcker, die im Winter brach liegen, muss Klaus Wais pflügen. Winterfurche nennen Landwirte das, wenn sie Pflanzenreste in den Boden einarbeiten, um Nährstoffe zu binden. Leichtes Frostwetter sei dafür optimal, sagt Wais, denn dann können die schweren Traktoren besser über die Felder fahren.

Zeit zum Reparieren und Sanieren

Auch auf dem Hof geht Klaus Wais die Arbeit nicht aus: Kartoffeln sortieren, den Hofverkauf vorbereiten und, ganz wichtig, die Maschinen reparieren und warten sowie verschiedene Bauprojekte und Renovierungen am Hof durchführen. „Die meisten Winter sind nicht lang genug, um damit fertig zu werden“, sagt Wais. Je nach Wetterlage gehe es Anfang bis Mitte März wieder mit der Außenarbeit los. Dann werden die ersten Setzlinge auf den Feldern gepflanzt.

Was auch im kältesten Winter nie aufhört, ist natürlich die Tierhaltung. Wais hält etwa 30 Rinder, die versorgt werden müssen – auch an Heiligabend oder Silvester. Der Bio-Bauer hadert aber nicht mit der vielen Arbeit: „Wir verdienen nur durch Tätigkeit unser Geld, deshalb müssen wir auch im Winter arbeiten.“

Er hoffe, dass es in der Zeit zwischen Weihnachten und dem 6. Januar etwas ruhiger zugeht auf seinem Bauernhof. „Das streben wir an“, formuliert er vorsichtig. Falls er aber mit dem Pflügen bis Weihnachten nicht fertig geworden sein sollte, wird er auch in diesen Tagen mit seinem Traktor ausfahren.

Vieh macht im Winter mehr Arbeit

„Zur Ruhe kommen, ist nicht vorgesehen“, sagt auch der Echterdinger Bauer Uwe Beck. Seine Milchkühe machen ihm im Winter sogar mehr Arbeit als im Sommer. In der warmen Jahreszeit kann er ihnen frisches Gras von der Wiese holen, im Winter hingegen muss er verschiedene Futterkomponenten zusammenmischen: „Das ist umständlicher.“ Wenn es richtig kalt wird, muss er zudem aufpassen, dass die Mistanlage nicht einfriert. Darüber hinaus muss sich der Landwirt um den Direktvertrieb kümmern, Kartoffeln sind sein Hauptprodukt. Die kommen in seinen Selbstbedienungsladen, und er beliefert Gastronomen und andere Hofläden.

Für Uwe Beck aus Echterdingen hat jede Jahreszeit ihren Reiz. Aufs Feld zu fahren für die Winterfurche, macht ihm auch bei Minusgraden nichts aus – solange es trocken ist. „Dann macht es Spaß, draußen zu sein. Schwierig ist es, wenn es nasskalt und nebelig ist. Dann hat man’s irgendwann satt“, sagt er.

Auch an den Feiertagen kehrt bei Uwe Beck wenig Ruhe ein. Im Gegenteil: Dann sind seine studentischen Aushilfen bei ihren Familien, sodass er zwei, drei Wochen lang alle Arbeiten alleine bewältigen muss. Ein Neun-Stunden-Arbeitstag ist dann nicht selten. „Dann bin ich gut beschäftigt“, sagt er ohne zu klagen.

Direkt nach Weihnachten beginnen schon die Vorbereitungen für die nächste Saison: Dann müssen die Frühkartoffeln zum Vorkeimen ans Licht, damit sie im Februar oder März auf den Acker können. Für ein hoffentlich pralles Erntejahr.

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