Mit hochroten Köpfen und hoch motiviert: Die Schüler der Realschule Feuerbach profitieren von dem Gemeinschaftserlebnis Foto: Georg Friedel

Emanuel Hege macht derzeit ein soziales Jahr beim Sportkreis. Besonders an Schulen ist er aktiv.

Feuerbach - Draußen herrscht an diesem Montagnachmittag eine brütende Hitze. Schon die wenigen Treppenstufen von der Hohewartstraße zum Schulhof der Realschule Feuerbach hochzusteigen, ist beschwerlich und treibt einem kleine Schweißperlen auf die Stirn.

Bei weit über 30 Grad im Schatten in der prallen Sonne auf dem Rasenplatz hinter dem Schulgebäude gegeneinander zu kicken, wäre jetzt wohl eher eine Qual als ein Vergnügen. Aber die fußballverrückten Buben aus den Klassen 5 und 6 der Realschule Feuerbach wollen auch bei diesen Temperaturen nur eines: Spielen. Aufs Aufwärmen verzichten sie gerne.

Also hat Emanuel Hege heute seine Fußball-AG trotz strahlend blauem Himmel in die Sporthalle der Realschule verlegt. Dort ist es nicht ganz so heiß. Er stellt seine Umhängetasche ab und begrüßt die 16-köpfige Schülergruppe. Der 21-Jährige absolviert beim Sportkreis Stuttgart ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) und bietet an verschiedenen Stuttgarter Schulen solche kostenlose Angebote an.

Fußball steht ganz oben auf der Prioritätenliste

Von der Filderschule oben in Degerloch bis hinunter zur Roter Herbert-Hoover-Schule im tiefsten Stuttgarter Norden betreut Hege Schüler im Rahmen des Programms „Gemeinschaftserlebnis Sport“ (GES), das von der Stadt und dem Sportkreis getragen wird. Mit dem GES sollen auch diejenigen Kinder und Jugendlichen erreicht werden, die sonst eher nicht in Sportvereinen aktiv sind. Manchmal ist das Klientel schwierig – je nachdem, wo das Einzugsgebiet der Schule liegt. Sozial auffällige Kinder gehören zum pädagogischen Alltag. Auch Hege stößt manchmal trotz oder vielleicht gerade wegen seiner sehr gutmütigen und sympathischen Art an Grenzen. „Ich bin halt nicht so der strenge Typ“, sagt er über sich. Doch die Fünft- und Sechstklässler der Realschule schätzen gerade diese Eigenschaft an ihm. Hinzu kommt: Er ist absolut sportbegeistert. American Football hat Hege selbst bei den Scorpions gespielt. Auch Lacrosse hat es ihm angetan. Doch mit beiden Sportarten könnte er bei den Jungs an der Realschule nicht punkten. Bei ihnen steht eben Fußball ganz oben auf der Prioritätenliste.

Heute werden vier Mannschaften mit jeweils vier Spielern gebildet. „Wir spielen mal wieder ein Turnier“, freuen sich die Schüler riesig. Tim ist Schiri, er pfeift die erste Partie an. Manche Buben tragen FC-Barcelona-Shirts, andere VfB-Trikots. Echte Tore mit Netz gibt es in der Halle nicht. Aber ein Türrahmen oder einer paar Kreidestriche an der Wand genügen auch. Alle sind mit Feuereifer dabei, auch Sarah aus der 6A. Sie ist heute das einzige Mädchen und hält ihren Kasten ziemlich gut sauber. Wenn ihr Team ein Tor schießt, ballt sie die Faust und macht die Säge. Hege ist auch an einigen Grundschulen aktiv, dort bietet er eher Fang- oder Wurfspiele an. Zwischendurch organisiert er einen 24-Stunden-Lauf, kümmert sich im Rahmen von „Nachtaktiv“ auch um spätabendliche Sportangebote wie in Stammheim. Oder er sitzt im SpOrt Stuttgart am Fritz-Walter-Weg 19 am Computer, bereitet ein Turnier vor oder denkt sich Fragen für ein Quiz bei einem Kinder- und Jugendfestival aus.

Anfangs hatte er gehörigen Respekt vor diesen vielen organisatorischen Aufgaben. „Das gehörte früher nicht zu meinen Stärken“, sagt der 21-Jährige. Doch inzwischen stresst ihn das nicht mehr. „Ich habe gelernt, viel ruhiger an Sachen ranzugehen.“ Und mit Kindern und Jugendlichen kann der 21-Jährige aus Plieningen ohnehin gut umgehen. Vielleicht wurde es ihm ja in die Wiege gelegt: „Mein Vater und meine Mutter sind Lehrer.“ Die Schwester macht auch eine Ausbildung im erzieherischen Bereich. Als geborener Pädagoge sieht er sich trotzdem nicht. Er verfolgt andere berufliche Pläne. Sein Interesse gilt dem Sport und den Medien. Beide Bereiche würde er gern miteinander verbinden. Nach dem FSJ will er ein Zeitungspraktikum machen und später Sportpublizistik studieren. Auch den Fünft- und Sechstklässlern an der Feuerbacher Realschule brachte er das Thema im Laufe des Schuljahres näher: „Wir haben ein Zeitungsprojekt durchgeführt“, erzählt Hege. Die Schüler durften sich eine Mannschaft aus der Fußballbundesliga heraussuchen, haben Zeitungsartikel über ihr Team gesammelt und selbst Texte verfasst. Teil des Projekts war auch ein Besuch beim VfB Stuttgart und eine Führung durchs Neckarstadion.

„Wir arbeiten schon seit vielen Jahren mit dem Sportkreis Stuttgart zusammen“, sagt Schulleiter Herwig Rust. Dass Hege sein FSJ bald beendet haben wird, bedauert er sehr: „Er ist hier sehr gut angekommen.“

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