Der Verkehrsclub Deutschland fordert, Fernbusse in der Schillerstraße halten zu lassen Foto: VCD

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) will sich nicht mit einem Fernbusbahnhof am Flughafen abfinden. Er fordert einen Halt direkt vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof.

Stuttgart - In der Diskussion, wo es in Stuttgart Fernbushaltestellen geben sollte, mischt jetzt auch der Stuttgarter Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) mit. In der Landeshauptstadt sollte ein zentraler Busbahnhof vorhanden sein, der auch für Fernbusse geeignet ist, heißt es dazu in einer VCD-Pressemitteilung. Der richtige Ort dafür sei der Hauptbahnhof: für jeden Reisenden auffindbar und optimal mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. München und Hamburg hätten ihre sehr repräsentativen Busbahnhöfe beim Hauptbahnhof errichtet.

Der geplante Fernomnibus-Bahnhof am Flughafen, Stuttgart Airport Busterminal (SAB) genannt, und der von Fernbusbetreibern bisher genutzte Interimsbusbahnhof in Zuffenhausen seien ja in Ordnung für die Betreiber, die nicht in die City fahren möchten, meint der VCD. Aber einen Fernbushalt in der Innenstadt müsse es auch geben. Der momentane Interimsbusbahnhof in Obertürkheim kann nach VCD-Ansicht tatsächlich aufgegeben werden, weil er weder bei den Busunternehmen noch bei den Fahrgästen beliebt sei.

Der Club hat einen Vorschlag vorgelegt. Der sieht vor, dass auf der Schillerstraße beim Hauptbahnhof neun Fernbusstandplätze eingerichtet werden, wenn der neue Tiefbahnhof gebaut ist und der Cityring für den Autoverkehr nicht mehr über die Schillerstraße verläuft, sondern nördlich davon über die Wolframstraße. Die Schillerstraße soll dann für den allgemeinen Verkehr gesperrt, nur noch für Taxis und Busse befahrbar sein. Die Fernbusstandplätze stellt sich der VCD im Abschnitt zwischen der Lautenschlagerstraße und der Kreuzung Schillerstraße/Heilbronner Straße vor. Zentral vor dem Bonatz-Bau des Hauptbahnhofs könnten auf der Schillerstraße dann die Haltepunkte für Linienbusse des Nahverkehrs und für Taxis eingerichtet werden.

Flughafen-Geschäftsführer Walter Schoefer hält im Gegensatz zum VCD wenig davon, dass es nach Inbetriebnahme des SAB – voraussichtlich Anfang 2016 – weitere Fernbusbahnhöfe in Stuttgart gibt. Grundlage des Vertrages mit der Stadt Stuttgart über den SAB-Bau sei, dass die Fernbusse in Stuttgart am Flughafen halten und der Fernbusverkehr dort mit anderen Verkehren verknüpft wird: mit der S-Bahn, der Stadtbahn und Buslinien von lokaler und regionaler Bedeutung. „Wir hoffen, dass der SAB nach der Inbetriebnahme eine Sogwirkung ent­faltet“, sagte Schoefer. Und dass es in Stuttgart dann keine anderen Fernbusbahnhöfe mehr geben wird.

Dieser Erwartung wird allerdings nicht nur vom VCD widersprochen. Auch Torben Greve, Chef des Berliner Unternehmens Mein Fernbus GmbH, hat im Interview mit unserer Zeitung schon vor gut zwei Monaten eine Kurskorrektur in Stuttgart gefordert. Man wolle die von Norden kommenden Fernbusse nicht im Westen um Stuttgart herum durch die Staus auf der Autobahn zum Flughafen schleusen, sondern die Fahrgäste weiterhin in Zuffenhausen aussteigen lassen. Das spare vielen Fahrgästen eine Menge Zeit. Notfalls werde man selbst eine Haltestelle für die Fernbusse einrichten.

Bedeutsam könnte auch noch werden, welche Konditionen die Fernbusanbieter am SAB erhalten. Wie anderswo in Deutschland soll eine Gebühr verlangt werden. Deren Höhe sei noch nicht bestimmt, sagte Schoefer. Darüber werde man noch mit den Anbietern und der Stadt diskutieren, in deren Auftrag die Flughafen-GmbH den SAB bauen und betreiben wird. Die Stadt kommt auch für die Investitionen auf und bezahlt einen Teil des Betriebsaufwands. Andere deutsche Großstädte berechnen den Fernbusbetreibern pro Busstopp eine Gebühr von etwa sieben Euro. Der genaue Preis ist nicht nur von der Verweilzeit der Busse in den Busbahnhöfen abhängig, sondern auch von der Zahl der Buslinien, die die Anbieter hier unterhalten.

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