Zeit seines Lebens war Ferdinand Piëch fasziniert von Autos. Foto: dpa

Als Legastheniker hatte Ferdinand Piëch in seiner Jugendzeit noch Lernprobleme. Doch mit seiner Begeisterung für Technik sollte er als Ingenieur und Automanager eine ganze Branche über Jahrzehnte prägen.

Salzburg/ Stuttgart - Schon als Kind war der Ferdinand Piëch fasziniert von Autos. Kein Wunder, sein Großvater mütterlicherseits war Ferdinand Porsche, der Gründe der Stuttgarter Sportwagenschmiede und Erfinder des VW-Käfer. Der kleine Ferdinand, davon gibt es bewegt Bilder, saß oft neben dem Großvater und schaute sich dessen Modellautos an und fragte und fragte.

Fragen war eine der herausstechenden Eigenschaften Piëch. An der Technischen Hochschule in Zürich studierte er Maschinenbau mit dem Schwerpunkt auf Gas- und Dampfturbinen und entwickelte immer mehr für technische Zusammenhänge, zuerst mit einem Schwerpunkt im Flugzeugbau, dann für Autos. 1962 schloss er sein Studium als Diplom-Ingenieur ab, mit einer Arbeit über Formel1-Motoren.

Zwangsläufig startete er danach seine Karriere im Familienbetrieb Porsche in Zuffenhausen. Seinen ersten großen Fußabdruck hinterließ er mit der Entwicklung des Porsche 917. Der Sportwagen wurde nur kurz erprobt, bevor Piëch in ins 24-Stunden-Rennen nach Le Mans schickte – und wurde dennoch Langstreckenweltmeister. Das war 1970. Nur zwei Jahre später musste er seine Arbeit bei Porsche aufgeben, alle Familienmitglieder schieden 1972 nach der Umwandlung in eine KG aus.

Piëch entwickelte für Daimler einen Fünf-Zylinder-Dieselmotor

Doch Piëch, der als Legastheniker als Jugendlicher noch Lernprobleme hatte, war nicht für Müßiggang geschaffen, er suchte immer wieder neue Herausforderungen. Also entwickelte er für den Nachbarn Daimler einen Fünf-Zylinder-Dieselmotor, bevor er dann zu Audi wechselte, damals noch Audi NSU. Volkswagen hatte das Unternehmen übernommen, Piëch übernahm die technische Entwicklung. Er war es, der Audi auf die Entwicklung von Autos der oberen Mittelklasse und Oberklasse ausrichtete, weil man dort, so bis ins hohe Alter seine feste Überzeugung, technische Innovationen am besten durchsetzen konnte.

Die Liste dieser Innovationen ist lang. Angefangen beim Fünf-Zylinder-Ottomotor über den Abgas-Turbolader mit Ladeluftkühlung bis hin zum permanenten Allradantrieb und der vollverzinkten Karosserie. Reihenweise sammelte Audi Preise, Audi 80 und Audi wurden Autos des Jahres.

Piëch baute den Konzern zu einem Konzern mit zwölf Marken aus

Als Audi-Chef empfahl er sich für Größeres, wurde 1993 Vorstandsvorsitzender des Volkswagen-Konzerns, der damals mit großen Problemen zu kämpfen hatte. Daher musste Piëch neben technischen Innovationen auch unternehmerische Innovationen in Wolfsburg durchsetzen. Er krempelte den Konzern nach seinen Vorstellungen um, holte den Kostendrücker Jose Ignacio Lopez de Arriortua unter dubiosen Begleitumständen von Opel und führte Produktionsmethoden nach japanischem Vorbild ein. Innovativ war auch seine Gesamtstrategie für den Konzernaufbau. Er habe vor, der Gewinner zu werden, sagte Piëch mit seiner leisen Stimme. Und er kaufte und kaufte, von 1993 an baute er den Konzern zu einem Unternehmen mit zwölf Marken aus. Dabei forcierte er die Entwicklung von immer neuen Modellen, das Tempo wurde deutlich angezogen, die Palette kontinuierlich erweitert.

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