Am Montag wird „Mein Blind Date mit dem Leben“ im Rathaus-Innenhof gezeigt. Foto: Patricia Sigerist

Beim Open-Air-Auftakt in Fellbach mit „Spiel mir das Lied vom Tod“ kommen Regenjacken zum Einsatz. Am Montag wird „Mein Blind Date mit dem Leben“ im Rathaus-Innenhof gezeigt.

Fellbach - Eigentlich war der Samstag von der Wettervorhersage ja trocken angekündigt. Aber pünktlich zum Filmbeginn um 21.15 Uhr beginnt beim Auftaktfilm der Fellbacher Open-Air-Kinowoche das große Rascheln. Eifrig packen sich die rund 230 Zuschauer in Plastik ein. Regencape oder -jacke sind da eher konventionellen Methoden. Erfahrene Freiluft-Cineasten schlüpfen lieber gleich in einen großen Müllsack oder haben eine Plane zum Zudecken dabei. Weil sie dem Wetter nicht trauen, reisen viele Besucher mit großen Taschen bepackt an. Ein Paar zieht sogar einen roten Rollenkoffer hinter sich her.

Der Klassiker zählt zu den erfolgreichsten Filmen dieses Genres überhaupt

Christine Burger und Rolf Huber aus Stuttgart schwören als „Geheimwaffe“ auf ihre handgestrickten warmen Wollsocken vom Weihnachtsmarkt und gestehen: „Wir haben den halben Hausstand dabei.“ Decken, dicker Anorak, Regencape – und als besonderer Knüller Regenüberschuhe von der Motorrad-Ausrüstung.

Beide besuchen im Sommer etliche Open-Air-Kinos: „Das Ambiente ist hier mit am Schönsten“, sind sie überzeugt. Rolf Huber hat „Spiel mir das Lied vom Tod“ schon zwei Mal gesehen, besitzt den Soundtrack auf Langspielplatte und weiß auch sonst Bescheid: „Der Film hat Jubiläum, er wurde vor 50 Jahren gedreht“, sagt er. Nur um ein Jahr liegt er daneben: Sergio Leone inszenierte den Italo-Western mit der schaurig-schönen Mundharmonika-Melodie 1968. Der Klassiker zählt zu den erfolgreichsten Filmen dieses Genres überhaupt.

Bis kommenden Samstag können sich Open-Air-Kinofans dem Freiluftspektakel hingeben

„Ich habe ihn bestimmt schon zwölf Mal gesehen, der ist Kult“, sagt Michael Fischer aus Winnenden. Er und seine Freunde schauen hauptsächlich in Fellbach und Ludwigsburg „oben ohne“. Auch Grünen-Stadtrat Karl Würz will sich das Breitwand-Erlebnis nicht entgehen lassen, obwohl er den Film schon „zig Mal“ gesehen hat. Selbst Waltraud Maier vom Förderkreis für Waldorfpädagogik in Fellbach gesteht ihre heimliche Western-Leidenschaft. Ihre Bewunderung gilt aber nicht etwa den kernigen Revolverhelden: „Mir gefallen die schöne Landschaft und die Pferde.“ Und zwei Freunde aus Uhlbach haben einen sehr nachvollziehbaren Grund für ihren Besuch: „Ich habe den Film noch nie ganz gesehen“, sagt einer von ihnen. Drei Stunden seien einfach beinahe zu lang, und im Fernsehen komme der Klassiker immer so spät, da schlafe er regelmäßig ein. „Aber an der frischen Luft passiert das hoffentlich nicht“, hofft er.

Noch bis kommenden Samstag können sich Open-Air-Kinofans in Fellbach dem Freiluftspektakel hingeben. Keiner der Filme ist schon im Vorfeld ausverkauft. „Bei uneindeutigem Wetter warten die Leute bis kurz vorher und kommen dann spontan“, sagt Melanie Hoffmann vom Verein Kinokult. „Mein Blind Date mit dem Leben“ an diesem Montag sei im Vorverkauf am besten gelaufen, für die Preview „Tulpenfieber“ als Abschlussfilm am Samstag seien noch fast alle Karten zu haben. „Aber die Christoph-Waltz-Fans werden schon kommen, er darf mal wieder einen richtigen Fiesling spielen.“ Für die Freunde witziger Streifen wurde übrigens zu jeder Aufführung Film ein kleiner, feiner Vorfilm ausgesucht. Filmbeginn jeweils 21.15 Uhr.

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