Die Akustik im Ratssaal – hier bei großem Interesse von Eltern wegen der Kinderbetreuungsgebühren – soll verbessert werden. Foto: Patricia Sigerist

Das reichlich betagte Lautsprechersystem im Fellbacher Rathaus ist ein Ärgernis. Oft verstehen nicht mal die Bürgervertreter exakt, was die Kollegen alles von sich geben. Die nötige Verbesserung der Medientechnik allerdings kostet satte 470 000 Euro.

Fellbach - Dass so manche Redebeiträge im Fellbacher Kommunalparlament nicht auf ausreichend Verständnis stoßen, hat nicht nur inhaltliche Gründe. Auch nuschelnde oder erkältungsbedingt von einer gewissen Aphonie gequälte Lokalpolitiker sind nicht allein verantwortlich für das fehlende Gehör.

Die Folgen waren zuletzt immer öfter in Form von technischen Problemen spürbar

Schuld ist vielmehr ein nur immer mal wieder funktionierendes Mikrofon und ein reichlich betagtes Lautsprechersystem. Kurz vor der Sommerpause hat Hauptamts-Hörspezialist Gunter Schmiedecke das Phänomen klar benannt: „Die Akustikanlage im Großen Saal stammt noch aus den Anfangsjahren des Rathauses“, sagte er. Das ist lang her – der vom Architekten Ernst Gisel konzipierte Verwaltungsbau wurde bekanntlich bereits 1986 bezogen. Das letzte größere Techni-Update fand im Jahr 2003 statt. Die Folgen waren zuletzt immer öfter in Form von technischen Problemen spürbar, wiederholt fiel die Stimmverstärkung auch ganz aus. Den gestiegenen Anforderungen der Inklusion, insbesondere bei Menschen mit eingeschränktem Seh- oder Hörvermögen wird die Technik ohnehin nicht mehr gerecht. „Die Nutzer der Säle und Fraktionszimmer erwarten eine moderne Medienausstattung, ohne die heutige Veranstaltungsformate nicht angemessen abgebildet werden können“, so Schmiedecke.

Im ersten Ansatz waren Kosten für den Ingenieurvertrag in Höhe von 80 000 Euro nicht berücksichtigt

Auf Anregung der Verwaltung hat der Gemeinderat für das Aufrüstungsprojekt zu den bereits genehmigten 300 000 Euro nochmals 170 000 Euro außerplanmäßig draufgepackt. Gründe für die Zusatz-ausgabe: Im ersten Ansatz waren Kosten für den Ingenieurvertrag in Höhe von 80 000 Euro nicht berücksichtigt. Zudem seien im Lauf der Planungen „notwendige Ausstattungsdetails implementiert worden“, so die etwas nebulöse Formulierung.

Dank einiger Planungsworkshops sowie der Hilfe eines Fachingenieurs für Medientechnik soll es nun bestmögliche Voraussetzungen geben. Geplant sind Lautsprecher, die auch für Hörgeschädigte geeignet sind. Eine modernen kabellosen Konferenzanlage wird installiert, eine zeitgemäße Präsentationstechnik eingebaut. Außerdem soll zwischen den Sälen, in die vier Fraktionszimmer und in die Besprechungsbereiche der Dezernentenbereichs künftig sowohl Bild als auch Ton digital übertragen werden.

Die Ausgaben für die neue Medientechnik wurden jedenfalls beschlossen

Im Gremium gab’s ob der Vorschläge durchaus auch skeptische Stimmen. So mancher Stadtrat meinte mit Blick auf die geschätzten Kosten, er habe sich verhört. 470 000 Euro seien, offenbarte etwa ein erstaunter FW/FD-Fraktionschef Ulrich Lenk, „ein stolzer Betrag". Der um eine Stellungnahme gebetene Medientechniker versicherte den Räten allerdings, dass die Verbesserungen „nicht übertrieben, sondern notwendig und vernünftig“ seien. Baudezernentin Beatrice Soltys erinnerte ans Ungemach, wenn bei Besprechungen die Übertragung per Beamer nicht lesbar sei und alles auf Papier ausgedruckt werden müsse. Und Oberbürgermeisterin Gabriele Zull betonte, man wolle „doch nur Voraussetzungen schaffen, die es sonst in jeder Firma gibt“. Sonst müsse jedes Mal ein Trupp zum Aufbau anrücken. Die Ausgaben für die neue Medientechnik wurden jedenfalls beschlossen – sofern wir das auch richtig verstanden haben.

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