Vitali Klitschko ist Profiboxer und Bürgermeister von Kiew. Foto: EPA

Trotz Unruhen sind sechs Fellbacherinnen in politischer Mission nach Kiew in die Ukraine gereist. Ein Höhepunkt ist das Treffen mit Profiboxer und Bürgermeister Vitali Klitschko, der die Frauen im Rathaus empfängt.

Fellbach/Kiew - Vitali Klitschko musste nicht tänzeln oder einen Jab schlagen. Als die sechs Frauen aus Fellbach ihm die Hand schüttelten, sahen sie in ihm nicht den Profiboxer, sondern den Politiker und Menschen. Das Treffen mit Klitschko im Kiewer Rathaus hat die Delegation schwer beeindruckt. „Er war so elegant wie ein Gentleman“, sagt eine. „Er war kumpelhaft und charmant“, sagt eine andere über den Kiewer Bürgermeister. Nur die Blutspuren auf dem Parkett des Saals sorgten für Irritierung. Doch davon später mehr.

Die Delegation aus Fellbach. Foto: privat
Brigitte Heß, Anneliese Roth, Monika Rothfuß, Inge Lamster, Sandra Schindler und Christina Schwinghammer sind Mitglieder des Vereins „Politik für Frauen“, und die sechs Fellbacherinnen sind Ende Juni für vier Tage nach Kiew gereist. Die Idee dazu hatte Natalija Wohnhaas, eine gebürtige Ukrainerin und ebenfalls Mitglied des überparteilichen und gemeinnützigen Vereins, der sich der Förderung von Frauen in politischen Ämtern und Ehrenämtern widmet.

Just als die Reise gebucht war, begannen die Unruhen auf dem Maidan. Sandra Schindler hatte es sich deshalb bis zum Schluss offen gehalten, ob sie die Reise überhaupt antritt. „Man hört Ukraine und denkt: Um Gottes Willen.“ Am 25. Juni ist sie dann doch mit den anderen Frauen in den Flieger gestiegen. „Die Unruhen sind rund 800 Kilometer entfernt in der Ost-ukraine, da habe ich mich sicher genug gefühlt“, sagt Sandra Schindler.

In Kiew eine große Gastfreundschaft erfahren

Die vier Tage in Kiew seien ihnen wie vier Wochen vorgekommen, erzählen die Frauen. Ständig seien sie in die Metro ein- und wieder ausgestiegen, so dicht war das Programm. Gewohnt haben die Fellbacherinnen in einem Hotelboot auf dem Fluss Dnjepr. Am Abend, so erzählen sie, durften zwei Dinge nicht fehlen: Wodka und die Suppe Borschtsch. „In Kiew haben wir eine große Gastfreundschaft erfahren“, sagt Christina Schwinghammer.

Hunderte von Fotos machten die Politikfrauen mit ihren Smartphones. Auch der Maidan war ein Motiv. Obwohl die Zerstörungen des zentralen Unabhängigkeitsplatzes fast beseitigt sind, herrsche dort eine bedrückende Stimmung, berichten die Frauen. Überall seien Blumen und Bilder von den Toten aufgestellt. „Da sind mir die Tränen gekommen“, sagt Inge Lamster. Die bei den Unruhen verletzten Demonstranten wurden teilweise im nahe gelegenen Rathaus versorgt – daher stammen auch die Blutspuren, die sie beim Klitschko-Empfang auf dem Parkett gesehen haben.

Die frühere Residenz von Janukowitsch ist beeindruckend

Beeindruckt war die Delegation vom Besuch der Residenz des ehemaligen ukrainischen Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch. „Alles war versiegelt, damit keine Plünderungen stattfinden“, erzählt die Fellbacher Stadträtin Brigitte Heß. Das Anwesen sei gigantisch und mit einem sechs Meter hohen Stacheldrahtzaun gesichert. „In dem Park gibt es Tulpengärten, Saunen, Fasane und Grillplätze sowie einen Golfplatz und Hubschrauberlandeplatz“, sagt Brigitte Heß.

Weil es sich um eine politische Reise handelte, stand auch ein Austausch mit weiblichen Abgeordneten verschiedener Fraktionen des ukrainischen Parlaments auf dem Programm. Themen waren unter anderem Häusliche Gewalt und Frauen in der Politik. „Ich war beeindruckt, dass die Parlamentarierinnen uns trotz des Krieges empfangen haben“, sagt Anneliese Roth. Die Gleichstellungsreferentin der Stadt Fellbach weiß auch, dass die Politikerinnen keinen leichten Stand in der Ukraine haben. „Dort wird Politik als schmutziges Geschäft betrachtet, und es heißt, das sei nichts für Frauen.“

Vitali Klitschko bekommt Württemberger Wein

Der Höhepunkt war aber das Treffen mit Vitali Klitschko. Als Gastgeschenk wurde dem Kiewer Bürgermeister unter anderem ein Bildband über den Rems-Murr-Kreis samt Grußwort von Landrat Johannes Fuchs sowie eine Flasche Württemberger Wein überreicht. Die politische Reise war für die sechs Frauen aus Fellbach ein Erlebnis, das sie nicht so schnell vergessen werden. „Am Abend unserer Abreise waren wieder Demonstrationen auf dem Maidan“, sagt Anneliese Roth.

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