Peter Stephan (li.) erläutert Foto: Michael Käfer

Nicole Hoffmeister-Kraut besucht Wittenstein bastian. Sie informiert sich dort über das Thema Industrie 4.0

Fellbach - Für Wirtschaftsminister ist die Fellbacher Vorzeigefirma Wittenstein bastian offensichtlich ein begehrtes Ziel. Der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) war hier gleich mehrfach auf Stippvisite. Mal allein, mal mit seinem französischen Amtskollegen Emmanuel Macron und mal an der Seite von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD).

Die Umsetzung von Industrie 4.0 bei Wittenstein

Inzwischen sitzt mit Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) eine Frau aus der Wirtschaft auf dem Ministerstuhl im Neuen Schloss. Die 43-Jährige, die auch Aufsichtsratsmitglied beim familieneigenen Waagenhersteller Bizerba ist, findet am Donnerstag den Weg in die Lise-Meitner-Straße 10. Bei Wittenstein bastian setzt die promovierte Kauffrau ihre Sommerreise fort, um sich über das Thema Industrie 4.0, also die Verzahnung der industriellen Produktion mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik, sowie dessen Umsetzung in dem Fellbacher Unternehmen zu informieren. Die 2012 eingeweihte Produktionsstätte ist innerhalb der Wittenstein AG das Kompetenzzentrum für Zahnradtechnik. Hochpräzise Kegelräder, Stirnräder und Innenverzahnungen, aber auch komplette Getriebe werden hier gefertigt. Sie finden Eingang in verschiedenste Produkte von Maschinen und Anlagen bis zu Raketen.

Stabile Produktionsbedingungen als Grundlage für den Erfolg

Dass dazu stabile Produktionsbedingungen notwendig sind, erfahren Nicole Hoffmeister-Kraut und ihre Begleiter, zu denen auch die Landtagsabgeordneten Siegfried Lorek (CDU) und Willi Halder (Grüne) zählen, bei einem Rundgang durch die Werkshalle. Fast klinische Reinlichkeit herrscht hier. Eine Klimatisierung ist selbstverständlich, um temperaturbedingte Größenabweichungen zu vermeiden. Ein Messraum ist gar besonders eingehaust, die Temperatur darf hier um höchstens 0,2 Grad schwanken. „Das ist der Aufwand, den man treiben muss, um in dem Marktsegment, in dem wir unterwegs sind, erfolgreich zu sein“, sagt Peter Stephan, der die Führung der Gruppe übernommen hat.

Die Produktion läuft inzwischen voll automatisiert ab

Er marschiert zielgerichtet auf ein Beispiel zu, wie die Industrie 4.0 bei Wittenstein bastian Einzug gehalten hat. Über mehrere Flachbildschirme verteilt sich die elektronische Planungstafel. Auf ihr erkennen die Mitarbeiter in der Produktion die anstehenden Aufträge in Echtzeit. Das dahinter stehende System schlägt einen optimalen Ablauf vor. „Der Mitarbeiter hat aber immer noch die Möglichkeit einzugreifen“, sagt Stephan. Im Hintergrund kommunizieren Maschinen und Computer miteinander. Sogenannte Medienbrüche sollen vermieden werden. Menschen lesen also beispielsweise keine Daten mehr ab, um sie erneut an anderer Stelle einzugeben, vielmehr erfolgt der Austausch direkt. Weniger Fehler und eine Produktivitätssteigerung sind die erhoffte Folge. „Diese Produktionssteigerung brauchen wir dringend, sonst werden wir marginalisiert“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende der Wittenstein AG, Manfred Wittenstein, angesichts der weltweiten Konkurrenz.

Vorsprung auf dem Markt durch perfekt abgestimmte Abläufe

Die allerwenigsten Klein- und Mittelständler im Land sind bei der Industrie 4.0 so weit wie Wittenstein bastian. Für Dietrich Birk, den ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten und jetzigen Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau in Baden-Württemberg, ist es deswegen eine vordringliche Aufgabe diese Firmen fit für die Digitalisierung und die Globalisierung zu machen. Der frühere Staatssekretär fordert unter anderem eine verbesserte Breitbandversorgung: „In der digitalen Infrastruktur müssen wir noch deutlich leistungsfähiger werden.“ Auch die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Firmen ist offenbar noch verbesserungsfähig. Dass Professoren, wie von Manfred Wittenstein festgestellt, zwar an anderen Hochschulen, anscheinend nicht aber in Unternehmen ein Forschungssemester einlegen können, verwundert auch Nicole Hoffmeister-Kraut. Von ihrem Besuch in der Fellbacher High-Tech-Schmiede ist sie aber offensichtlich angetan. „Es ist beeindruckend, vor allem auch die Art Ihres Vorgehens und wie Sie Prozesse beherrschen.“ Fast schon Stammgast bei Wittenstein bastian ist Willi Halder, der die Firma regelmäßig besucht und feststellt: „Es ist schon erstaunlich, was sich in kürzester Zeit tut.“ Folgt Nicole Hoffmeister-Kraut dem Vorbild ihres Vorgängers Nils Schmid, dann könnte sie auch zum Stammgast werden. Die nächste Einladung steht bereits.

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