Beim FC RB Salzburg in Torlaune: der Norweger Erling Haaland. Foto: dpa/Yorick Jansens

An diesem Mittwoch muss der FC Red Bull Salzburg in der Champions League beim FC Liverpool ran. Ein hoffnungsloses Unterfangen für die Österreicher? Nicht unbedingt. Sie haben ja diesen aufregenden 19-Jährigen aus Norwegen.

Stuttgart/Liverpool - Vielleicht sind es ja Vorhaben wie jenes, die bislang dafür gesorgt haben, dass manch ein Vertreter der Beletage des europäischen Fußballs nur müde lächelte, wenn vom FC Red Bull Salzburg die Rede war. „Unser Heimspiel gegen Altach steht wieder ganz im Zeichen des traditionellen Bauernherbstes“, heißt dieser Tage es auf der Homepage der Alpenkicker. Die Schnalzergruppe Viehhausen wird dann zu Gast sein und auch die Franz Xaver Klaushofer Prangerstutzen Schützen. An den Schmankerlständen gibt es Speckweckerl, Pofesen und Most.

„In der Welt da draußen“, meint auch Jürgen Klopp, der kürzlich gekürte Welttrainer, angesprochen auf Salzburg, „ist das vielleicht noch gar nicht angekommen. Weil es halt Österreich ist.“ Mit „das“ meint der Coach des FC Liverpool den spannenden Salzburger Stil – und: Bei ihm ist „das“ längst angekommen.

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Dass die Salzburger, am Tropf von Red Bull hängend, in Österreich Jahr für Jahr den Titel abräumen, ist kein Geheimnis mehr. Um europäische Galaabende bewarben sie sich jedoch lange Zeit vergeblich. Immer wieder war die Qualifikation für die Champions League eine unüberwindbare Hürde. Immerhin: In der Saison 2017/2018 schaute ganz Europa erstmals genauer hin – als das Team unter dem deutschen Trainer Marco Rose bis ins Halbfinale der Europa League stürmte. Rose blieb ein weiteres Jahr, nun ist er in Mönchengladbach – und der FC Salzburg in der Champions League. Wobei es mit der schlichten Anwesenheit ja nicht getan war beim ersten Auftritt gegen KRC Genk.

Drei Tore beim Debüt in der Champions League

Nach zwei Minuten stand es 1:0. Nach 36 3:0. Zur Halbzeit 5:1. Am Ende 6:2. „Diese spezielle Nacht“, schwärmt Erling Haaland, „werde ich nie mehr vergessen.“ Warum auch? Der Norweger, gerade einmal 19 Jahre alt, erzielte drei der sechs Salzburger Treffer und meinte danach, dies sei das Verrückteste, was ihm je passiert ist. Aber: Es kann ja noch besser werden. Zum Beispiel an diesem Mittwoch.

Dann gastieren die Österreicher beim FC Liverpool. Und Haaland kündigt schon mal an: „Wir sind furchtlos.“

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Das klingt nicht nach der schlechtesten Einstellung – der dazu gehörige Plan lautet: „Wir müssen den besten Fußball spielen, den wir jemals gespielt haben.“ Auch das sagt Erling Haaland, der jedoch alle Mühe haben wird, sich selbst zu toppen.

Zum einen ist das Talent von einem Virus geschwächt, zum anderen hat er die Latte verdammt hoch gelegt. Bei der U-20-WM in Polen erzielte er in einem einzigen Spiel neun Treffer (beim 12:0 gegen Honduras), in der laufenden Saison hat er in zehn Pflichtspielen schon 17-mal getroffen – und dann sind da eben seine drei Tore beim Debüt in der Champions League. „Für einen 19-Jährigen“, sagt Jesse Marsch, „ist das unglaublich.“ Aber auch er selbst hat sich Respekt erarbeitet.

Klopp: „Es wird nicht einfach für uns“

Marsch ist seit diesem Sommer der Trainer der Salzburger, zuvor arbeitete er drei Jahre lang als Chefcoach bei den New York Reed Bulls, dann eine Saison lang als Co-Trainer in Leipzig unter Ralf Rangnick. Als „Toplösung“ für die Österreicher bezeichnet nun Jürgen Klopp den US-Amerikaner – und schwärmt von dessen „Pressingmaschine“. Das Team sei „jung, und aufregend“. Klopp befürchtet: „Es wird nicht einfach für uns.“ Stattdessen „interessant und ziemlich wild“. Zurückstecken wird der FC RB jedenfalls nicht.

„Wir wollen immer attackieren“, versichert Haaland. „Natürlich haben wir eine Chance“, ergänzt er – auch, weil ihm das auch die Geschichte seines großen Förderers gelehrt hat.

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Als Ole Gunnar Solskjaer im Champions-League-Finale 1999 eingewechselt wurde, lag Manchester United gegen den FC Bayern 0:1 zurück. In der Nachspielzeit traf dann erst Teddy Sheringham für die Red Devils, dann auch noch Solskjaer – der Jahre später Trainer bei Molde FK wurde. Und dort den jungen Erling Haaland formte. Der sagt über den heutigen ManU-Teamchef: „Er hat einen sehr großen Einfluss auf mich.“ Ebenso sein Vater Alf-Inge, der norwegischer Nationalspieler und Profi in England (Leeds United, Manchester City) war.

Kurz nach einem bösen Foul von Roy Keane endete im Jahr 2001 die Karriere des Vaters, die seines Sohnes nimmt gerade erst so richtig Fahrt auf. Bis 2023 steht der junge Mann, der Zlatan Ibrahimovic sein Vorbild nennt, beim FC RB Salzburg unter Vertrag. Trifft er weiter wie zuletzt, sind bald die ganz großen Clubs hinter dem Stürmer her. Jene aus aus der Glitzerwelt des Weltfußball – bei denen es eher weniger Speckweckerl und Most gibt.

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