Seien Sie nicht wie diese Katze. Foto: mishanik_210 / shutterstock.com

Faulheit überwinden und den Schweinehund besiegen – Dieser Artikel bietet eine anwendbare Anleitung zur Erreichung beider Ziele.

Wenn wir über unsere eigene Faulheit nachdenken, fokussieren wir uns meist auf die Dinge, die wir nicht tun anstatt auf die, die wir jeden Tag erledigen. Wir alle gehen irgendeiner Tätigkeit nach, für die wir regelmäßig zu einer bestimmten Zeit aufstehen, dort hinfahren, unsere Zeit und Energie investieren und nicht selten noch Arbeit mit nach Hause nehmen oder gar Überstunden machen.

Nun werden Sie vielleicht sagen, dass ein gewisser Zwang Sie antreibt, zur Arbeit oder zur Schule zu gehen und Ihnen darüber hinaus die Motivation fehlt. Das ist jedoch der falsche Ansatz, denn es ist ja nicht so, als hätten Sie zwei Persönlichkeiten. Die eine fleißig und strebsam, die andere faul und antriebslos. Sie sind es, der jeden Tag zur Arbeit geht, ganz gleich ob ein äußerer Zwang besteht oder nicht. In erster Linie zählt doch die Tatsache, dass Sie in dieser Hinsicht nicht faul sind. Sie können es eben nicht auf andere Bereiche in Ihrem Leben anwenden… noch nicht.

Sie können fleißig sein, wollen es aber nicht

Der erste Schritt, um die Faulheit zu überwinden, ist also, sich selbst davon zu überzeugen, dass man in der Lage ist, fleißig zu sein. Verinnerlichen Sie diese Erkenntnis und ziehen Sie daraus die nötige Impulskraft, die es braucht, um Ihre Faulheit zu überwinden. Vergegenwärtigen Sie sich folgendes: „Ich habe es geschafft, langfristig Zeit und Energie in diese eine Sache zu stecken, mich hält also nichts davon ab, diese Leistung bei jener Sache zu wiederholen.“

Den Schweinehund besiegen

Nun wird sich unser Schweinehund nicht so einfach überlisten lassen. Denn sein Gegenargument wird lauten: „Mich einmal am Tag zu überwinden ist alles, was ich schaffe. Darüber hinaus fehlt mir die Kraft. Und am Wochenende muss ich mich erholen.“ Trotz dieser Ausrede schaffen wir es, abends drei bis vier Stunden auf der Couch zu liegen und uns berieseln zu lassen. Dabei ist in gewisser Weise auch diese überzogene Art des Nichtstuns eine Leistung für sich. Sie konzentrieren sich mehr oder weniger vier Stunden lang auf eine Tätigkeit, sei es nun Fernsehen oder am Smartphone zu hängen. Hier haben Sie die nötige Konzentration und Geduld über mehrere Stunden an einer Sache dranzubleiben, für eine halbe Stunde Fitness oder Aufräumen reicht es aber nicht. Paradox, nicht wahr? Was treibt Sie also dazu an, immer den kurzweiligen Beschäftigungen mit solcher Intensität nachzugehen? Ziellosigkeit.

Das heißt, Sie haben keinen konkreten Plan vor Augen. Der Gedankenprozess in Ihrem Kopf ist etwa wie folgt: „Wenn ich heute Abend nicht auf der Couch entspanne, werde ich morgen nicht fit sein. Außerdem weiß ich nicht, wann ich Erfolg bei dieser neuen Tätigkeit sehen würde und darüber hinaus geht es mir ganz gut da, wo ich bin. Also suche ich mir besser eine Beschäftigung, die mich von Moment zu Moment beschäftigt, sodass ich abgelenkt bin und nicht über Morgen hinaus planen muss.“

Vernünftiger wäre folgender Gedankenstrang: „Wenn ich heute Abend eine Stunde in Sache XY investiere, werde ich langfristig leistungsfähiger/gesünder/wohlhabender sein.“ 

So zu denken minimiert zum einen den Arbeitsaufwand, der vor Ihnen liegt, da die Erreichung eines Ziels auf fünf, zehn oder mehr Jahre aufgeteilt wird und nicht auf drei Wochen Vollgas (und dann nie wieder). Zum anderen wird so das Scheitern nicht endgültig, sondern temporär. Wer nach zehn Jahren zurückblickt, wird über eine Trainingspause von drei Wochen lachen. Wer immer nur kurzfristig denkt, wird sich nach drei Wochen das unwiderrufliche Aus seiner Bemühungen attestieren.

Aktion zieht mehr Aktion nach sich

Schön und gut, aber wie fange ich an? Sehr klein. Erinnern Sie sich an die Schulzeit zurück. In der ersten Klasse haben Sie sicher nicht mit Philosophie und Algebra angefangen. Sie haben Schreiben gelernt und das Einmaleins geübt, um sich dann kontinuierlich zu steigern. So überwinden Sie auch Ihre Faulheit: in kleinen Schritten.

Das bedeutet zum einen, dass Sie ein Projekt in kleine Etappen aufteilen und zum anderen, dass Sie nicht drei oder vier Projekte gleichzeitig beginnen. Konzentrieren Sie sich auf eine Sache, bleiben Sie fokussiert dabei und gehen Sie die nächste Herausforderung erst an, sobald Sie eine Routine entwickelt haben. Wenn Sie sich Wissen zu einem bestimmten Thema aneignen wollen (vielleicht Geldanlage) informieren Sie sich zunächst sehr oberflächlich, zum Beispiel durch eine zehnminütige Google-Recherche. Schon sind Sie Ihrem Ziel einen Schritt nähergekommen. Suchen Sie sich dann ein Medium, das eine geringe Einstiegshürde bietet, etwa Erklärvideos auf YouTube oder einen Podcast. Von dort aus gehen Sie weiter zu ausführlicheren Artikeln oder Blogbeiträgen, bis Sie schließlich ein Buch lesen und richtig ins Thema einsteigen möchten.

Das Beispiel ließe sich natürlich auch auf die eigene Fitness (oder andere Bereiche) übertragen. Fangen Sie klein ein, indem Sie zum Beispiel spazieren gehen. Steigern Sie langsam die Distanz oder das Tempo, bis Sie bereit sind zu joggen. Vielleicht werden Sie beim Laufen besser werden wollen oder Sie finden heraus, dass Ihnen eine andere Sportart, ein Teamsport zum Beispiel, besser liegen würde. Melden Sie sich im Verein an und so weiter. Wichtig ist aber, dass Sie nicht versuchen, Ihre Faulheit mit Perfektionismus zu überwinden. Dadurch sind die Erwartungen so hoch, dass Sie meist enttäuscht werden und bald aufgeben. Niemand verlangt von Ihnen, dass Sie ein Fondsmanager oder Top-Athlet werden. Solche Menschen sollten Sie gar nicht zum Vergleich nehmen. Vergleichen Sie sich mit der Person, die Sie gestern, vor einem Monat oder vor einem Jahr waren und Sie werden merken, dass es gar nicht so schwer ist, Fortschritte zu machen.

Der springende Punkt ist: Aktion zieht mehr Aktion nach sich, ob im Bereich Bewegung, Wissen oder Haushalt. Bringen Sie einen kleinen Stein zum Rollen, wird er schon bald große Brocken mit sich reißen. Oder anders gesagt: Ihre Faulheit wird sich nach und nach auflösen, ohne dass die Fallhöhe übertrieben hoch ist.

Externe Faktoren ausschließen

Wir Menschen sind soziale Wesen und legen viel Wert auf Harmonie in unseren Freundes- und Bekanntenkreisen. In Urzeiten hätte ein Ausschluss aus der Gruppe unseren Tod bedeutet. Zwar ist das heute anders, aber unser Gehirn ist in dieser Hinsicht noch nicht in der Moderne angekommen. Es kann durchaus passieren, dass Sie aus Ihrem sozialen Umfeld den Druck verspüren, sich nicht zu verändern, dass Faulheit in manchen Belangen sozusagen zum guten Ton in der Gruppe gehört. Abhängen, statt produktiv zu sein, Serien zu schauen, statt zu lesen, Fast Food essen, statt gesund zu kochen und so weiter.

Sie dürfen diesen Aspekt nicht unterschätzen, wenn Sie versuchen, Ihre Faulheit zu überwinden. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Ansprüche, die Ihre Freunde und Familienangehörige vielleicht an Sie haben, sondern um Ihr unterbewusstes Gruppenzugehörigkeitsgefühl. Machen Sie sich also Gedanken darüber, inwiefern Sie durch soziale Bande zurückgehalten werden und machen Sie sich klar, dass Sie Ihren Lebenswandel für sich vollziehen und Sie keinerlei negative Konsequenzen befürchten müssen. Etwas Reibung bei einem Lebenswandel kommt vor, dumme Sprüche auch, aber das hört irgendwann auf. Was nicht aufhören sollte, ist Ihr guter Wille.

Doch nicht nur soziale Bande können uns zurückhalten, auch die falschen Ziele sind mitunter ein Grund für unsere Faulheit. Womöglich haben Sie sich zu hohe Ziele gesteckt und sind einfach überfordert. Das soll keine Ausrede sein, um bei allen Aufgaben schlicht von Überforderung zu sprechen und aufzugeben. Damit würden Sie Ihrem Schweinehund in die Karten spielen. Es geht um die richtige Dosis Selbstreflexion, die zu jedem Lebenswandel mit dazugehört.

Einstellung ändern

Nun sind Sie bestimmt schon richtig heiß darauf, loszulegen und Ihrer Faulheit den Kampf anzusagen. Allerdings gibt es noch einen letzten Punkt, den Sie beachten sollten: Ihre Einstellung. Hören Sie auf, zu denken: „Diese Sache hält mich davon ab, XY zu tun.“

Sagen Sie sich stattdessen: „Jeder kleine Schritt bringt mich meinem Ziel, XY zu erledigen, ein Stückchen näher." Und wenn Sie gerade dabei sind, etwas zu lernen, hören Sie auf, sich selbst zu demotivieren mit Gedanken wie: „Jetzt muss ich wieder eine halbe Stunde lernen, aufräumen, Sport machen.“ Sagen Sie sich stattdessen: „Wenn ich das kontinuierlich durchziehe, werde ich den Lernstoff irgendwann verstehen, Ordnung halten können und meine sportlichen Ziele erreichen.“

Des Weiteren können Sie nicht vorhersehen, wie sich Ihr Leben konkret entwickeln wird und welche externen Faktoren Ihr Projekt „Faulheit besiegen“ vielleicht bald stören. Mögliche Störquellen könnten längere Arbeitszeiten sein, die Prüfungsphase im Studium oder eine Partnerschaft, die Ihren Alltag komplett verändert. Zwar lassen sich solche Störquellen nicht vermeiden, Ihre Reaktion darauf aber im Vorfeld trainieren. Malen Sie sich schon am Anfang aus, wie Sie mit solchen Situationen umgehen werden, schlittern Sie nicht planlos hinein und kehren Sie aus Panik in Ihre Komfortzone zurück. Steht zum Beispiel ein Umzug an und unterbricht den Prozess, gestehen Sie sich eine Pause ein und sagen zu sich selbst: „Mein Projekt ist damit nicht beendet, nur auf Bereitschaft abgestellt. Nach dieser Phase werde ich unverändert weitermachen.“ Wie gesagt, eine Pause von drei bis vier Wochen wirkt rückblickend (nach zehn oder mehr Jahren) völlig unbedeutend.

Fazit

Faulheit zu überwinden ist keine leichte Aufgabe, insbesondere, wenn man das Verhaltensmuster über Jahre hinweg kultiviert hat. Es ist daher wichtig, sich selbst davon zu überzeugen, dass man nicht in allen Belangen seines Lebens faul und durchaus in der Lage ist, Willenskraft und Disziplin aufzubringen. Zwei Eigenschaften, die sich auch auf andere Lebensbereiche anwenden lassen. Mit dieser neuen Einstellung geht es in kleinen Schritten aus der Antriebslosigkeit heraus, ein Prozess, der, wenn er als solcher verstanden wird, zur Ausbildung neuer Routinen führt. Wer diese Routinenbildung von Anfang an als Ziel definiert, wird es leichter haben, die eigene Faulheit zu besiegen. Stimmen dann noch die innere Motivation und die Haltung gegenüber dem eigenen Vorhaben, steht dem Projekt „Faulheit überwinden“ nichts mehr im Weg.

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