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In der Fastenzeit wollen viele Deutsche verzichten. Immer mehr lassen Kunststoff beiseite.

Stuttgart - Süßigkeiten, Alkohol oder Fleisch fasten? War gestern. Plastikfasten heißt der neueste Trend unter Minimalisten und Bloggern. Von Aschermittwoch bis Ostern wollen viele von ihnen keinen oder so gut wie keinen Kunststoff konsumieren. Auch der BUND ruft zum Plastikverzicht auf. 2014 hat die Umweltschutzorganisation zum ersten Mal eine entsprechende Aktion organisiert. In diesem Jahr ermuntert sie die Teilnehmer dazu, ihre Erfahrungen unter dem Hashtag #plastikfasten in den sozialen Medien zu teilen.

Auf Twitter wird das Schlagwort bereits von vielen Nutzern verwendet – darunter von der Bloggerin Marilena Müller, die mit den Betreiberinnen der Blogs The OGNC und Annanikabu eine Blogparade zu dem Thema initiiert hat. Dadurch sollen sich noch mehr Leute der Aktion anschließen.

Auf Kunststoff zu verzichten ist allerdings denkbar schwierig in Zeiten, in denen selbst die Gurke in der Gemüseabteilung des Supermarkts in einer Art Kunststoffkondom steckt. In Deutschland fallen dem BUND zufolge pro Kopf und Jahr rund 37 Kilogramm Kunststoffverpackungen an.

Glasflasche statt Tetrapak

Auf ihrer Webseite bietet die Umweltschutzorganisation aber auch Lösungswege für die Problematik an – ebenso wie Greenpeace, der NABU oder das Internet-Magazin Utopia. Wer plastikfrei einkaufen möchte, wird, mit Jutetaschen und Einmachgläsern ausgerüstet, auf dem Wochenmarkt fündig. Und in Unverpackt-Läden wie etwa dem Schüttgut in der Vogelsangstraße in Stuttgart. Dort finden die Kunden direkt am Eingang eine Waage, auf der sie zu Beginn ihres Einkaufs ihre Verpackungen wiegen können. Anschließend bedienen sie sich an den Behältern. An der Kasse werden ihre Produkte nochmals gewogen und mit dem Gewicht der Packung verrechnet. So zahlen sie nur für das, was sie tatsächlich kaufen.

Doch auch in normalen Supermärkten lässt sich der Plastikverbrauch meist ohne großen Aufwand verringern. Etwa, indem man Tupperdosen oder andere Behälter an die Wurst-, Käse- oder Brottheke mitbringt, in die man sich die Ware direkt hineinlegen lässt. Getränke wie Milch oder Saft kann man daneben anstatt im Tetrapak oder in der PET-Flasche in der Glasflasche kaufen.

Seifenstück statt Flüssigseife

Wie aber kann man im Badezimmer auf Kunststoff verzichten? Zum Beispiel, indem man ein Seifenstück statt Flüssigseife zum Händewaschen nutzt. Auch für den Körper kann man Seife statt Duschgel aus der Tube verwenden. Zahnbürsten aus schnell nachwachsendem Bambus werden in Läden wie dem Schüttgut, aber auch online angeboten.

Wer Zeit hat und Lust zu experimentieren, kann Putzmittel selbst herstellen. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern ist auch gut für die Gesundheit: In Fensterreinigern und Waschmitteln stecken häufig zahlreiche Chemikalien. Vor allem für Menschen mit Hautkrankheiten wie Neurodermitis, aber auch für Familien mit Kindern stellen selbstgemachte Putzmittel daher eine sinnvolle – und günstige – Alternative zu aggressiven Produkten aus dem Supermarkt dar.

Auch die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) ruft dieser Tage zum „Klimafasten“ auf: Die Teilnehmer der Aktion sollen etwa mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit fahren, die Wäsche mit 30 statt mit 40 Grad waschen oder auch Leitungswasser statt Mineralwasser aus der Plastikflasche trinken.

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