Fassanstich mit Christoph Sonntag, Boris Palmer und Braumeister Matthias Bucher (von links) Foto: Jan Potente/Jan Potente

Wenn Bruder Christophorus den Mächtigen ihre Fehler vorhält, dann pilgert die Politprominenz nach Fellbach. Diesmal gab es Lücken in den vorderen Reihen.

Stuttgart - Der Bruder steigt von seiner Wolke und (fast) alle kommen. Am Samstag haben wieder etliche hochrangige Politiker aus der Landeshauptstadt den Weg nach Fellbach gefunden: Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Innenminister Thomas Strobl, Kultusministerin Susanne Eisenmann, Landtagspräsidentin Muhterem Aras, Umweltminister Franz Untersteller, FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke... Das mag auch daran liegen, dass das SWR-Fernsehen die Fastenpredigt von Bruder Christophorus alias Christoph Sonntag aufgezeichnet hat, gesendet wird am Sonntag zur Primetime um 20.15 Uhr. Dass bei der achten Auflage des „Jüngsten Ger(i)üchts“ besonders in den ersten Reihen einige Plätze frei blieben, hatte weniger mit mangelnder Bußfertigkeit zu tun als mit der Furcht vor dem Coronavirus, das in den Tischgesprächen eine große Rolle spielte.

Der Kabarettist Christoph Sonntag, der persönlich ein Jahr hinter sich hat, das wie er sagt „turbulent, stürmisch, anders“ war, nutzte die Chance, die Aufmerksamkeit auf andere zu lenken. Die Grünen hätten eine „fiese Variante des Enkeltricks“ angewandt, um Kretschmann, den „Jopi Heesters“ von Baden-Württemberg dazu zu bringen, bei der Landtagswahl 2021 erneut anzutreten. Susanne Eisenmann, der „flotten Susi“, erklärte er, ihre Kandidatur sei wie die Pausenaufsicht an der Schule. „Einer muss es machen, aber es geht vorbei“. Da müsse sie nur Guido Wolf fragen. Dass die SPD im Land in Andreas Stoch einen eigenen Spitzenkandidaten aufstelle, das sei so, wie „wenn der VfB Stuttgart sich vorsichtshalber die Champions League Termine freihalten würde“. Währenddessen habe sich die FDP als möglichen Partner für die Grünen positioniert, so Sonntag. „Wie verzweifelt muss man sein, um sich als Braut für Winfried Kretschmann ins Spiel zu bringen?“.

Leidenschaft wie ein Staubsaugerbeutel

Gute Neuigkeiten gebe es aus der Landeshauptstadt. Stuttgart gehe voran bei der Verminderung von Schadstoffen: „Fritz Kuhn tritt nicht mehr an“. Wer könne nun das Amt des Oberbürgermeisters mit der gleichen Leidenschaft füllen? „Eine durchgesessene Couchgarnitur oder ein aufgeplatzter Staubsaugerbeutel?“

Einer, der früh abgewinkt hat, ist bekanntlich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer . Dennoch durfte er diesmal zum traditionellen Fassanstich auf die Bühne. Drei Schläge brauchte er nur und witzelte: „Ich bin ganz gut darin, ein Fass aufzumachen“. Nicht um ein Fass, sondern um einen Mikrochip mit geheimen Informationen über einen Maultaschen-Diesel zur Klima-Rettung ging es in der Rahmenhandlung. Sie bot in aufwendiger Kulisse nicht nur eine schmissige Öko-Satire, sondern auch ein Wiedersehen etwa mit dem Duo „Dui do ond de sel“ alias Petra Binder und Doris Reichenauer oder dem Kabarettisten und Autor des Stücks Thomas Schreckenberger. Und sie sorgte für den Auftritt des Tages: Günther Oettinger im Trenchcoat, mit Hut und Brille, als strahlender „Tatort“-Kommissar.

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