Barbara Schreiber mit der Ausbeute ihrer Rundreise. Foto: Jan Reich

Fastenzeit ist Starkbierzeit: Weil die Mönche früher nichts essen durften, brauten sie sich einfach ein Bier mit vielen Kalorien. Dies und andere Geschichten im Interview mit Barbara Schreiber.

Fastenzeit ist Starkbierzeit: Weil die Mönche früher nichts essen durften, brauten sie sich einfach ein Bier mit vielen Kalorien. Dies und andere Geschichten im Interview mit Barbara Schreiber.

Stuttgart - Hallo, Frau Schreiber, schnallen Sie den Gürtel schon enger? Am Aschermittwoch müssen bei Ihnen ja die Umsätze einbrechen!
Mit Sicherheit nicht. Der Maulwurf ist nun wirklich keine Faschingskneipe.
Dennoch starten Sie am Aschermittwoch mit einer Offensive?
Wir starten die Starkbierwochen, aber das ist eher eine Liebhaberei von uns. Wir haben ja sonst auch immer das Bier des Monats im Angebot, zur Fastenzeit war das in der Vergangenheit dann immer das Korbinian von Weihenstephan, ein Doppelbock.
Und warum nicht Leichtbier? Das würde doch besser zur Fastenzeit passen?
Nein, überhaupt nicht. Das basiert alles auf dem Glaube. Der gläubige Katholik hat vor der Fastenzeit ja immer alles Fettreiche verbraucht, weil man Fettes in der Fastenzeit nicht essen darf. Deshalb auch die Krapfen und das fettige Zeug an Fasching.
Und deshalb musste er hinterher Bier mit mehr Alkohol trinken?
Ja. Die Menschen mussten schließlich bei Kräften bleiben, sich aber dennoch an die Spielregeln halten, beim Essen sparen. Da war ein Bier mit mehr Alkohol natürlich ganz praktisch. Früher waren ja viele Brauereien in Klöstern, die Mönche haben sich dann eben das Starkbier gebraut, dadurch haben sie auf diesem Weg die Kalorien aufgenommen.
Sehr trickreich.
Natürlich war das wie bei den Maultaschen ein bisschen den Herrgott bescheißen.
Und Sie machen da mit?
Weil wir es fantastisch finden, dass auf diesem Weg kleinere Brauereien ihre Nischen finden. Wir haben damit angefangen – und im Laufe der Jahre entdeckt man dann ­immer mehr interessante Dinge.
Diese Nischenproduktion scheint sich ja zu einem Trend zu entwickeln?
Ich denke auch: Das ist wie bei den ganzen Kettenbäckereien, irgendwann wird’s fad. Und dann stehen die Menschen beim Bäcker Bosch im Westen in der Schlange, weil der eben besondere Brezeln macht.
Besonderes Bier bieten Sie häufiger an, aber die Starkbierwochen machen Sie zum ersten Mal? Woher kommt der Stoff?
Wir haben schon früher, immer wenn wir nach München gefahren sind, den Anhänger ans Auto gehängt, um in Odelshausen bei der Brauerei Operator zehn Kisten zu kaufen. In diesem Jahr sind wir noch zu vielen anderen kleinen Brauereien gefahren und haben eingekauft. Das war extrem spannend.
Inwiefern?
Nehmen wir Bad Wörrishofen. Dort sind wir zum Hotel Löwenbräu und haben gefragt, ob sie dort noch brauen. Da sagte die alte ­Chefin: „Ja, schon, wie viel brauchen Sie denn?“ Als wir sagten: „Zwei Kisten“, da schluckte sie: „Da muas i ersch noachgugga.“
Wie klein ist der Laden denn?
Sehr klein. Die haben dort nicht einmal ein Etikett für ihr Leusator.
Was für ein Name!
Das Leu steht für den Löwen, die Endung -ator immer für ein Starkbier mit 20 Prozent Stammwürze.
Stammwürze?
Steht für das Malz im Bier. Je mehr Malz, je mehr Zucker, je mehr Alkohol. So kann man das verkürzt erklären.
Zurück zum Leusator: Wie wird das Problem des fehlenden Etiketts gelöst?
Sie binden in Bad Wörrishofen bei jeder Flasche von Hand einen Bändel um die ­Bügelflasche und tackern den dann zusammen. Aber alles korrekt! Haltbarkeitsdatum, Alkoholgehalt, da steht alles drauf. Und ein Frischesiegel ist der Bändel auch noch gleich.
Aus Bayern ging’s dann nach Hause?
Nein, wir sind noch durchs Allgäu gefahren und über die Schwäbische Alb und haben eingekauft, zum Schluss mussten wir aber noch einen Schlenker nach Nördlingen ­machen.
Warum? Und hat sich der Umweg gelohnt?
Unbedingt! Dort macht der Christian Maier in seiner sehr kleinen Brauerei ein sehr gutes Bier. Als wir bei Maierbier angekommen sind, sagte er uns, das Bier sei abgefüllt – allerdings noch nicht vergoren. Denn das Weizenbier bei ihm ist immer Flaschengärung. Wir sollten das Bier eben bei uns in die Wohnung stellen, damit es bei etwa 20 Grad vergären kann. Und wenn es fertig ist, rufe er uns an, dann könnten wir es in den Kühlraum stellen, wo es noch reifen müsse. Damit ist dies das erste Bier, das ich bei mir selbst vergoren habe!
Und nun bringt Ihnen die Fastenzeit einen richtig fetten Gewinn?
Haha. Mit solchen Aktionen erziele ich kurzfristig ganz sicher keinen großen ­Gewinn. Aber es macht einen Heidenspaß! Sehen Sie: Alpirsbacher war von den kleinen Brauereien eine große – und wollte bei den ganz großen mitspielen. Das hat sie fast ruiniert, jetzt haben sie sich darauf besonnen, dass die Kleinen nur dadurch überleben können, dass sie handwerklich besondere Dinge machen. Alpirsbacher zum Beispiel das Ambrosius, ein Abtei-Bier. Das ist toll. Ich bezahle aber im Einkauf schon über zehn Euro, verkaufe die Flasche für 12,90 Euro. Da ist natürlich nicht viel verdient, dennoch kann ich mir keine andere Kneipe denken, in der so viel Ambrosius verkauft wird wie bei uns. Der Vorteil ist: Ich kann den Gästen etwas erzählen, ich vermittle die Werte. Und langfristig kommen die Leute genau deshalb zu uns.
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