Der Klimawandel wirkt sich massiv auf das Leben auf der Erde aus – jeder kann etwas dagegen tun. Foto: Nasa/dpa

Gegen den Klimawandel kann und muss jeder etwas tun, findet unsere Redakteurin in ihrer persönlichen Bilanz nach sieben Wochen Fasten für das Klima. Mit dem Ende der Fastenzeit am Ostersonntag endet auch der Selbstversuch.

Waiblingen - Maximal drei Mal die Woche Fleisch. Mit der Bahn zur Arbeit und zurück. Möglichst selten fliegen und wenn, dann nur noch mit Kompensationszahlung. Das sind meine drei wichtigsten Vorsätze, die ich nach sieben Wochen Fasten für das Klima dauerhaft übernehmen will. Denn Autofahren, Fliegen und eine fleischlastige Ernährungsweise sind die Punkte, die in der persönlichen CO2-Bilanz besonders ins Gewicht fallen.

Elf evangelische Landeskirchen und drei katholische Bistümer hatten unter dem Motto „So viel du brauchst...“ zur Fastenaktion für Klimaschutz aufgerufen. Ich habe einen Selbstversuch gewagt und betrachte mein Handeln nun viel stärker unter dem Aspekt des Klimaschutzes. Ich kenne mich gut genug um zu wissen, dass es mir nicht immer gelingen wird, die neuen Vorsätze umzusetzen. Aber ich weiß auch, wie hartnäckig ich sein kann, wenn es um etwas geht. Und beim Klimaschutz geht es um viel.

Der Klimawandel trifft jeden

Denn der Klimawandel wird jeden von uns treffen: Den einen früher, den anderen später, aber letztlich sitzen wir alle im selben Boot. Er wird vor allem die junge Generation treffen, die Kinder und Enkel derjenigen, von denen sich manche vielleicht insgeheim damit beruhigen, dass sie es selbst ja nicht mehr miterleben werden, wenn es richtig ungemütlich wird auf der Erde. Aber tragen wir nicht alle eine Verantwortung für das, was wir hinterlassen?

„Du allein kannst nicht die Welt retten“, hat eine Kollegin gesagt, als es um das Thema Plastik vermeiden ging. Natürlich, niemand kann das. Aber jeder kann einen Beitrag leisten. Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, etwa im Bereich Mobilität: gut ausgebauter, günstiger Nahverkehr. Ein Stromnetz, mit dem es technisch machbar ist, eine steigende Zahl von Elektroautos zu laden. Wobei dieser Strom wiederum aus erneuerbaren Energien stammen muss – auch bei der Realisierung der Energiewende ist die Politik in hohem Maße gefordert. Sie muss Anreize für klimafreundliches Handeln schaffen, etwa durch eine CO2-Steuer, die dafür sorgt, dass Fliegen nicht mehr billiger ist als Bahnfahren.

Jeder trägt Verantwortung

Anfangs mag das Flugzeug trotzdem abheben, wenn ich auf den Flug verzichte. Doch wenn es viele Menschen tun, wird die Nachfrage irgendwann zurückgehen, das Angebot wird sich anpassen. Der Einzelne kann somit über seine Konsumentscheidungen Einfluss ausüben. Selbst wenn dieser Einfluss zunächst gering erscheinen mag, so kommt es am Ende doch auf jeden Einzelnen an, wenn es um umweltfreundliche Mobilität, Energiesparen oder nachhaltigen und fairen Konsum geht. Ich weiß, dass es für viele Menschen einen großen Unterschied macht, ob eine Tafel Schokolade 90 Cent oder 2,29 Euro kostet. Aber es gibt auch viele, die sich den oftmals höheren Preis eines Fairtrade-Produkts problemlos leisten können. Wie wäre es, wenn jeder tut, was er kann?

Wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, dass Klimaschutz häufig die Wahl des kleineren Übels bedeutet. Und dass Radikalität uns nicht weiterhilft: Es ist nicht realistisch, dass in einer globalisierten Welt niemand mehr fliegt. Das kleinere Übel ist dann aber, zumindest eine Kompensationszahlung zu leisten. Wissenschaft und Wirtschaft sind gefragt, wenn es beispielsweise um klimafreundlichere Antriebe in der Luftfahrt geht. Jeder Bereich unserer Gesellschaft ist gefordert und nur, wenn alle ihren Beitrag leisten, werden wir am Ende Erfolg haben.

In meinem Umfeld gibt es Menschen, die glauben, dass wir es schaffen, den Klimawandel in den Griff zu bekommen. Sie sagen, dass sich das Bewusstsein der Leute verändert und dass es viele positive Ansätze zum Klimaschutz gibt, vonseiten der Forschung, der Politik, der Wirtschaft und der Bürger. Wir brauchen diesen pragmatischen Optimismus. Denn warum sollte man kämpfen, wenn der Kampf von vorneherein verloren scheint? Noch kann jeder etwas tun – sind Sie dabei?

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