Während andere kapitulieren, macht Markus Beck bald seinen dritten Laden in der City auf. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Viele Händler jammern über die schlechten Rahmenbedingungen und die Übermacht des Online-Handels. Sie reagieren mit Rückzug. Aber es geht auch anders.

Stuttgart - Wir befinden uns im Jahre 2019 nach Christi. Alle kleineren Händler der Stadt ächzen über die hohen Mieten und die Besetzung des Marktes durch das Imperium des Online-Handels. Alle Händler? Nein! Ein paar unbeugsame Geschäftsleute hören nicht auf, dem Eindringling ins Altbewährte Widerstand zu leisten. Darunter ist etwa Glore in der Eberhardstraße oder der Macher von Greenality. Beide trotzen nicht nur dem Trend, sie konterkarieren ihn. Beide erweitern ihre Ladenfläche.

Dabei sticht die Geschichte von Markus Beck, dem Inhaber von Greenality, besonders hervor. Denn er packt in der Friedrichstraße, unweit seiner beiden bisherigen Läden in der Fürstenstraße, satte 400 Quadratmeter obendrauf.

Das klingt in einer Zeit, in der sich viele Händler – auch in der Königstraße – eher verkleinern oder sich ganz zurückziehen, ziemlich abenteuerlich. Pikant ist auch, dass Markus Beck just an einem Platz gute Geschäfte machen will, an dem zuvor einer der erfolgreichsten Textilhändler der Stadt gescheitert ist.

Die Rede ist von Winni Klenk, dem Inhaber des Abseits auf dem Schlossplatz. In den vergangenen 20 Jahren ist fast alles zu Gold geworden, was Mode-Impresario Winni Klenk angefasst hat. Nun dieser Rückschlag, der in der Branche keinen wundert. Denn weder die Preise in Bezug auf die junge Zielgruppe, das Sortiment, die Warenpräsentation noch die Story des Ladens hätten Aussicht auf Erfolg gehabt, heißt es in Handelskreisen. „Winni vertritt eben die alte Schule“, sagt ein Mitbewerber, „aber die Zeiten haben sich nun einmal geändert.“

Marketing ist wichtig

Genau an diesen Punkten setzt Markus Beck an. Sein Sortiment: Casual-Mode, öko, fair gehandelt, fair produziert, nachhaltig. Zielgruppe: bewusste Konsumenten im Alter zwischen 30 und 45. Preise: moderat. Und die Story setzt am Gewissen der Konsumenten an. Beck, der bereits vor elf Jahren mit einem reinen Online-Shop und einer Eigenmarke gestartet ist, setzte früh auf das Label Fair. Er ließ in Kalkutta, Istanbul und auch Pfullingen produzieren – und überwachte die Prozesse selbst.

Allerdings reiche es heute nicht, sich an guten oder zertifizierten Standards zu orientieren, glaubt er. Wer nicht darüber (in den sozialen Medien) redet, hat keine Chance, wahrgenommen zu werden. Beck sucht daher ständig nach Verstärkung im Online-Marketing oder der Online-Redaktion: Fotografen, Texter, Videofilmer.

Der Erfolg scheint ihm recht zu geben. Neben seinen bald drei Filialen in Stuttgart und seinem Online-Shop hat der Selfmademan aus Aspach noch einen Laden in Hannover. Und wer ihm unterstellt, er profitiere bei seinem Expansionskurs alleine vom Greta- und Fridays-for-Future-Effekt, erntet ein müdes Lächeln. „Das Ganze hat doch schon vor Jahren angefangen“, sagt er und wundert sich: „Alle jammern und vergessen dabei den alten, aber wahren Spruch: Handel ist Wandel. Das heißt: Man muss sich bewegen. Man muss immer mit Neuem vorangehen.“

Händler sprechen das gute Gewissen an

Was er damit meint, zeigt der Slogan auf seinem T-Shirt: „A lesson for fashion.“ Dahinter steckt, dass Beck mit jedem verkauften Kleidungsstück eine Schulstunde in Bangladesch finanzieren will. Dahinter steckt nicht nur die gute Absicht, Kindern im Entwicklungsland zu helfen. Es ist auch Kalkül. Beck antizipiert bereits jetzt auf seinem persönlichen Höhepunkt die Entwicklung im Handel. „Ich denke einfach einen Schritt weiter“, sagt er, „man bekommt doch jetzt schon bei Zalando und P&C manche unserer Marken. Es wird auch nicht mehr lange dauern, da werden Filialisten wie H&M mit einem Filialnetz starten, das nachhaltige Mode hat.“ Daher geht er jetzt schon einen Schritt weiter: Seine Kunden sollen sich nicht nur gut fühlen, indem sie nachhaltige Produkte kaufen, sie sollen gleichzeitig auch Gutes tun können.

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